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08.09.2017
Tony Allen

Besser spät als nie - "Superdrummer" Tony Allen erfüllt sich einen Traum

Auf seinem Blue-Note-Debütalbum "The Source" kehrt der legendäre Afrobeat-Drummer zu seinen Quellen zurück und zeichnet seine musikalisch-spirituelle Lebensreise nach.

Die besten Alben, heißt es, erzählen immer eine Geschichte. Die Geschichte von Tony Allens "The Source" führt einen dahin zurück, wo für den Schlagzeuger und "Miterfinder" des Afrobeat 1958 alles begonnen hatte: Lagos in Nigeria. Dort arbeitete der damals 18-Jährige als Techniker beim staatlichen Radiosender, als er anfing sich autodidaktisch das Schlagzeugspiel beizubringen. Dabei orientierte er sich allerdings nicht nur an populären westafrikanischen Musikstilen wie Jùjú und Highlife, sondern auch an den Bebop- und Hard-Bop-Rhythmen von Jazzdrummern wie Max Roach, Kenny Clarke und vor allem Art Blakey, deren Platten er eifrig studierte.

Dass Allen sein Album "The Source" nun ausgerechnet bei Blakeys langjährigem Stammlabel Blue Note Records herausbringen konnte, bedeutet für ihn die Erfüllung eines beinahe 60 Jahre lang gehegten Traumes. Um dem großen Vorbild seine Reverenz zu erweisen, hatte er deshalb auch vor einigen Wochen zuerst die EP "A Tribute To Art Blakey & the Jazz Messengers" bei Blue Note vorgelegt. Auf "The Source" geht Allen nun zu seinen Quellen zurück und folgt dem musikalischen Fluss, der ihn von Nigeria über London und Paris bis in die USA trug.

Allens Leben hatte sich 1964 über Nacht komplett geändert, als er Fela Kuti kennenlernte, den er die folgenden fünfzehn Jahre begleiten sollte. Zunächst in der Highlife-Band Koola Lobitos, die schnell vielen modernen afrikanischen Gruppen als Vorbild diente, dann als Mitglied des Ensembles Africa 70, für das Fela zusammen mit Tonys Hilfe einen neuen Stil kreierte: den Afrobeat, der Yoruba-Rhythmen mit Funk-Elementen kombinierte. Allen begleitete Fela auf über zwanzig (einige Quellen sagen sogar dreißig) Alben. Und jedem einzelnen drückte der Schlagzeuger, der auch als musikalischer Leiter der Band fungierte, seinen unverkennbaren rhythmischen Stempel auf. "Ohne Tony Allen", meinte Kuti einmal selbst, "gäbe es den Afrobeat nicht."

1979 verließ Allen Africa 70 und  gründete eine eigene Band, bevor er von Lagos über die Zwischenstation London nach Paris ging. Dort arbeitete er u.a. mit King Sunny Adé, Ray Lema sowie Manu Dibango und entwickelte aus dem Afrobeat den modernen Afrofunk. 2005 bildete Allen mit Damon Albarn (Blur, Gorillaz), Paul Simonon (The Clash) und Simon Tong (The Verve) die alternative Rock-Superband The Good, The Bad & The Queen. Außerdem machte er Aufnahmen mit Sébastien Tellier, Flea, Oumou Sangare und dem Moritz von Oswald Trio, während er parallel auch immer eigene Projekte verfolgte.

Bei den Kompositionen und Arrangements für "The Source" kooperierte Allen eng mit dem Saxophonisten Yann Jankielewicz, mit dem er schon seit 2009 zusammenarbeitet. Als Inspiration dienten ihnen u.a. Aufnahmen von Lester Bowie, Charles Mingus, Gil Evans und natürlich Art Blakey. "Tony gehört zu den Musikarchitekten, die wissen, wie man ein Schlagzeug-Pattern mit seltener Präzision konstruiert", meint Jankielewicz. "Er kann jedes Instrument hören, bevor es einen Ton von sich gibt..."

Aufgenommen wurde das Album mit französischen und afrikanischen Musikern sowie Gaststar Damon Albarn im Midilive Studio in Paris mit ausschließlich analogem Equipment, was auch die außergewöhnliche Klangtextur erklärt. Die Musik wiederum ist von schillernder Vielfalt, bietet weit mehr als nur Jazz oder Afrobeat. Mal strahlt sie wie die afrikanische Sonne in "Push & Pull", dann ist sie kontemplativ wie in "Tony’s Blues" oder hypnotisch wie in "Life Is Beautiful". Und Tony Allen prägt sie von Anfang bis Ende mit seinem einzigartigen Schlagzeugspiel, das unglaublich präzise und druckvoll, aber zugleich auch frei und federnd ist.