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23.02.2012

Heißer Soul – Made in Switzerland von Dee Dee, Barry & The Movements

Das Schwarzwälder Jazz-Label MPS war in den Jahrzehnten seines Bestehens immer für Überraschungen gut. Eine davon: das 1968 erschienene Album „Soul Hour“ der Band Dee Dee, Barry & The Movements.

Dee Dee, Barry & The Movements, Heißer Soul – Made in Switzerland von Dee Dee, Barry & The Movements © Universal Music Dee Dee, Barry & The Movements - c universal music

Mindestens zwei Dinge unterscheiden „Soul Hour“ von typischen MPS-Alben a’la Oscar Peterson, Volker Kriegel oder Albert Mangelsdorff: Zum einen handelt es sich nicht um Jazz, sondern um lupenreinen Sixties-Soul, zum anderen entstand es nicht im idyllischen Schwarzwald, sondern in Basel in der Schweiz. Hinter Bandleader und -gründer "Barry" steckte der vielseitige Sänger Barry Window, der mit verschiedensten Bands und mit Pop, Soul und Jazz Karriere machte. Für JazzEcho erinnert er sich exklusiv an das „Soul Hour“-Album, das dieser Tage erstmals auf CD erschien:

Zum MPS-Label kam ich wie die Jungfrau zum Kind. Ich spielte damals mit meiner Band The Movements in einem Basler Jazzlokal namens „Chemihütte“, täglich bei vollem Haus. Kurz vorher waren wir in der ARD und beim Schweizer DRS-Fernsehen aufgetreten und daher schon recht gut bekannt. Ab und zu hatten wir „special guests“ auf der Bühne, wie die US-Sängerin Dee Dee McNeil oder die berühmten Jazz-Saxophonisten Lee Konitz und Barney Wilen. An einem dieser Abende verirrte sich der deutsche Jazzkritiker Joachim Ernst Berendt in die „Chemihütte“ und war von unserer Musik offensichtlich so begeistert, dass er uns spontan produzieren wollte. Er hatte beste Kontakte zum legendären MPS-Label und bekam dort sofort grünes Licht. Wir verbrachten also einen Tag im Studio und so entstand spontan die LP, mit Songs von Ray Charles, Allen Toussaint, George Gershwin und aus eigener Feder. Sie bekam gute Kritiken, aber die Zeit ging weiter und ich arbeitete an anderen Projekten und trat auf unzähligen Konzerten und Festivals auf. Als ich das „Soul Hour“-Album in den Neunziger Jahren schon fast vergessen hatte, hörte ich plötzlich von Freunden, dass der Track „Get Out Of My Life Woman“ daraus ein „Kult-Hit“ wäre, auf einer Mojo-Club-CD verkoppelt worden war und dass DJs für die Original-LP inzwischen astronomische Summen bezahlen würden. Ich war entzückt, dass sich unsere Musik bis heute immer noch gut anhört und freue mich jetzt riesig, dass das Album komplett auf CD erschien. Es kommt halt doch noch anderes Gutes aus der Schweiz als Toblerone und Schweizer Käse!