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21.04.2010
Eivind Aarset

Der Entfesselte Klangästhet Eivind Aarset

Auf dem mitreißenden Album "Live Extracts" zeigt sich Gitarrist Eivind Aarset von seiner rockigen Seite

Eivind Aarset, Der Entfesselte Klangästhet Eivind Aarset © Christoph Giese Elvind Aarset

Von seinen Studioalben kennt man den norwegischen Gitarristen Eivind Aarset bisher eher als kühlen Klangästheten, als Architekten atemberaubender Soundscapes im Spannungsfeld von Ambient Music, progressiver Jazzfusion, elektronischer und auch ethnischer Musik. Nur gelegentlich ließ er dort seine Qualitäten als innovativer Rockgitarrist kurz aufblitzen. Wer Aarset aber schon einmal live erlebt hat - ob mit seiner eigenen Gruppe, als Mitglied von Nils Petter Molværs mittlerweile legendärer Khmer-Band oder Partner von Dhafer Youssef -, der kennt diese andere Seite des Gitarristen bereits sehr gut und wird sie sicherlich nie vergessen. Denn auf der Bühne verwandelt sich der coole Norweger schnell zu einem intelligenten Berserker, der seiner Gitarre die abenteuerlichsten Töne entlockt und seinem Publikum mit einer Welle schierer Energie den Atem raubt. Nichts anderes tut er nun auf dem Live-Album "Live Extracts", das er mit seiner zum Sonic Codex Orchestra vergrößerten Band bei einer Reihe von Konzerten eingespielt hat.

Wer die Biographie Eivind Aarsets kennt, wundert sich über dessen Qualitäten als Rockgitarrist indes überhaupt nicht. Denn geweckt wurden die in ihm schlummernden musikalischen Talente, als er mit zwölf Jahren das erste Mal Jimi Hendrix hörte. "Danach legte ich mir sofort selbst eine E-Gitare zu und begann zu spielen", erinnert sich der Norweger. "Ich kaufte in einem Second-Hand-Laden ein Hendrix-Album und legte los. Danach hörte ich Rockbands wie Deep Purple, Black Sabbath, Santana und Pink Floyd, bevor ich durch meinen Bruder auf die Musik von Miles Davis, dem Mahavishnu Orchestra, Weather Report und Return To Forever aufmerksam gemacht wurde. Wieder etwas später entdeckte ich die Sachen, die Jan Garbarek und Terje Rypdal, der mich enorm beeinflusste, für ECM machten. Dann ging ich mit einer richtigen Heavy-Metal-Band auf Tournee, was eine phantastische Erfahrung war. Aber irgendwann war ich es einfach satt, jeden Abend auf der Bühne den wilden, wütenden Mann zu markieren. Und so stieg ich aus und wurde Sessionmusiker."

Mit den vier Studioalben, die Eivind Aarset seit 1998 auf Bugge Wesseltofts Label Jazzland Recordings veröffentlichte, machte er nicht nur in Europa gewaltigen Eindruck. Auch im Mutterland des Jazz zollten die Kritiker dem innovativen norwegischen Gitarristen höchsten Respekt und verglichen seine Musik mit den revolutionären Alben, die Miles Davis in den frühen 70er Jahren gemacht hatte. Im All Music Guide hieß es gar, dass Aarset einen "neuen Standard für Fusionmusik" gesetzt habe.

Mit "Live Extracts" setzt er diese Marke nun auf fulminante Weise noch ein gutes Stück höher.  Gemeinsam mit dem ebenfalls Gitarre und Pedal-Steel-Guitar spielenden Bjørn Charles Dreyer, Bassist Audun Erlien, den Schlagzeugern/Perkussionisten Wetle Holte und Erland Dahlen, Trompeter  Gunnar Halle sowie als Gästen Tenorsaxophonist Håkon Kornstad und Drummer Torstein Lofthus offenbart der norwegische Soundtüftler mit Nachdruck seine ungezähmt kühne Phantasie, demonstriert stellenweise aber auch Coolness und balladeske Sensibilität. Der Klangästhet als Entfesslungskünstler!