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Im Bereich Labels finden Sie Informationen zu den wichtigsten und bekannstesten Jazzlabels der Welt:

Artikel

07.11.2019
JazzEcho-Plattenteller

"Blue Note Live" - Bühne frei für die Jazzlegenden

Zum Jubiläum erscheinen in der LP-Serie "Blue Note 80" jetzt vier hörenswerte Live-Alben aus dem umfangreichen Katalog des Labels.

JazzEcho-Plattenteller, Blue Note Live - Bühne frei für die Jazzlegenden

Nichts schätzen Jazzfans in aller Welt mehr als den Nervenkitzel einer Live-Performance, bei der Musiker aus dem Stegreif improvisieren und mit dem Publikum kommunizieren. Und genau darum geht es in den neuesten Folgen der Vinyl-Reissue-Reihe "Blue Note 80", für die ganz besonders hochkarätige Konzertmitschnitte aus dem Labelkatalog neu auf LP aufgelegt werden. Die Aufnahmen dokumentieren, wie einige der kreativsten Musiker aller Zeiten in Improvisationen ihre Spontaneität unter Beweis stellen und sich von der einzigartigen Club-Atmosphäre inspirieren lassen. Sämtliche Aufnahmen wurden selbstverständlich wie immer von den analogen Originalbändern neu gemastert und in 180-Gramm-Vinyl gepresst.

Art Blakey & The Jazz Messengers - Meet You At The Jazz Corner Of The World, Vol. 1 & 2 (1960)

 

Für Art Blakey (dessen 100. Geburtstag dieses Jahr gefeiert wird) war das legendäre Birdland so etwas wie geweihter Boden. Zu den Stammgästen des New Yorker Jazzclubs, die dort die Konzerte des Schlagzeugers besuchten, zählten Hollywood-Stars wie Gary Cooper, Marilyn Monroe, Marlene Dietrich und Ava Gardner, die Box-Weltmeister Joe Louis und Sugar Ray Robinson sowie die Rat-Pack-Leader Frank Sinatra und Sammy Davis Jr. Allein für Blue Note Records nahm Blakey im Birdland zwischen 1954 und 1960 vier brillante Live-Alben auf: "A Night At Birdland", "At The Jazz Corner Of The World" und "Meet You At The Jazz Corner Of The World". Das letztgenannte Gastspiel lieferte genug Material für zwei separate Alben, die nun auch parallel wiederveröffentlicht werden.

 

Zu erleben ist Blakey hier mit einer der besten Besetzungen seiner gutgeölten und kraftstrotzenden Jazz Messengers: Trompeter Lee Morgan, Tenorsaxophonist Wayne Shorter, Pianist Bobby Timmons und Bassist Jymie Merritt. Auf unnachahmliche Weise von dem kleinwüchsigen, berühmt-berüchtigten Zeremonienmeister Pee Wee Marquette angekündigt (die Ansage erlangte später als Sample durch Us3 Weltberühmtheit!), präsentierte sich die Band in Hochform und gab dem Publikum eine wahre Meisterklasse in Sachen Hard-Bop.

 

 

Horace Silver - Doin' The Thing (1961)

 

Als "Whore Ass Silber" hatte der notorische MC Pee Wee Marquette im Birdland einmal Horace Silver angekündigt, weil sich der Pianist geweigert hatte, ihm das "obligatorische Trinkgeld" zu zahlen. Ob er sein einziges Live-Album in erstaunlichen dreißig Jahren bei Blue Note aus diesem Grund lieber im Village Gate aufzeichnen ließ (ein zweites, "Live at Newport ‘58" erschien erst 2008)? Auch die Anmoderation übernahm er dort im Mai 1961 vorsichthalber selbst. "Wir möchten Sie alle bitten, uns dabei zu helfen, in den Groove zu kommen", forderte Silver das Publikum auf, "lassen Sie sich gehen und tauchen Sie mit uns in die Musik ein." Mit "Filthy McNasty" legt Silvers großartiges Quintett dann auch gleich richtig furios los. Danach spielte der Pianist noch drei weitere erstklassige Eigenkompositionen, die ihm, Trompeter Blue Mitchell, Tenorsaxophonist Junior Cook, Bassist Gene Taylor und Schlagzeuger Roy Brooks reichlich Gelegenheit zum Improvisieren gaben.

 

 

Grant Green - Alive! (1970)

 

So kurz die Karriere des Gitarristen Grant Green auch war (er starb 1979 mit erst 43 Jahren), so unglaublich produktiv war sie. Zwischen November 1960 und März 1965 spielte er für Blue Note sage und schreibe 21 Hardbop- und Soul-Jazz-Alben unter eigenem Namen ein. Dann folgte eine vierjährige Verschnaufpause. Als Green 1969 zum Label zurückkehrte, hatte er sich stilistisch erheblich weiterentwickelt und klang funkiger denn je. Perfekt eingefangen wurde sein neuer Jazz-Funk-Sound im August 1970 für "Alive!", sein allererstes Live-Album überhaupt. Zu den Höhepunkten des mitreißenden Auftritts in der Cliché Lounge in Newark/New Jersey zählten eine Interpretation des Kool & The Gang-Stücks "Let The Music Take Your Mind", Don Convays Soul-Hit "Sookie, Sookie" (den 1968 auch Steppenwolf gecovert hatten)  und natürlich die fabelhafte Schlussnummer "Down Here On The Ground", die A Tribe Called Quest für den Track "Vibes And Stuff" ihres Hip-Hop-Klassikers "Low End Theory" sampelten. An Grant Greens Seite glänzen hier Saxophonist Claude Bartee, Vibraphonist Willie Bivens, die Organisten Ronnie Foster und Neal Creque, Schlagzeuger Idris Muhammad sowie Congalero Joseph Armstrong.