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13.12.2018
JazzEcho-Plattenteller

Das Blase-Balg - Marcus-Strickland-Album jetzt auch auf LP

"People Of The Sun" ist das zweite Marcus-Strickland-Album auf Blue Note. Selten klang das Bewahren der Tradition moderner, radikaler, zeitgemäßer.

JazzEcho-Plattenteller, Das Blase-Balg - Marcus-Strickland-Album jetzt auch auf LP Jazzecho Plattenteller - Marcus Strickland Twi-Life

Vielleicht ist genau das des Pudels Kern: Nur wer das Gewesene gut kennt, kann das Kommende entsprechend gestalten. Dass Marcus Strickland Jazz seit Kindesbeinen ein- und ausatmet, sowohl was die klanglichen Dimensionen als auch die gesellschaftlich-sozialen Implikationen angeht, ist wohl unbestritten. Und dass er bereits seit Längerem aufbegehrt, nicht mehr in altmodische Fußstapfen treten mag, und das Über-den-Jazz-Tellerrand-Blicken zu einer Art musikalischer Mission erhoben hat, ebenso. Auf "People Of The Sun" führt Strickland seine Mitstreiter und die Mission in die nächste Runde. Wie sonst ließe sich erklären, dass sich "Relentlessness" und "Marvelous" auf ein und demselben Album ein und desselben Künstlers befinden? Ersteres eine reichlich klassisch-jazzig im Sinne von viel freier Improvisation getragene Quartett-Komposition, letzteres ein voluminös daherkommender Nu-Soul-Stomper mit  J-Dilla-Stolperbeat und Gast-Sänger Akie Bermiss, dessen Ende so unvermittelt einsetzt, dass man geneigt ist, an einen Aufnahme-Fehler zu glauben...

Streng genommen ist "People Of The Sun" ja gar kein Strickland Solo-Album, sondern eine neue Veröffentlichung des um den Saxophonisten aus Florida zentrierten Künstler-Kollektivs Twi-Life. In wortspielerischer Anlehnung an das englische "Twilight", die Dämmerung also, die weder dem hellen noch dem dunklen Teil eines Tages zugeordnet werden kann, hat es sich die Gruppe zur Aufgabe gemacht, die möglicherweise nur eingebildeten Grenzen zwischen dem Hellen und dem Dunklen zu überwinden. Im schlimmsten Fall führt das dazu, es niemandem recht machen zu können. Aber das ist eine Sorge, die Marcus Strickland nicht teilt. Er genießt die Gratwanderung und lässt die Abgründe links und rechts von sich selbstbewusst liegen.

 

Was für Stricklands delikate und fein austarierte Klangwelt gilt, wurde auch erfolgreich auf die visuelle Gestaltung des Albums übertragen. Die bewusst handgemacht aussehende Collage des Front-Covers, der ungünstige Anschnitt seines Saxophons und das merkwürdige Gesichts- und Kopfschmuck-Sammelsurium (Indianer-Federn, afrikanische Maske, antiker Poseidon-Bart) - eine wirklich treffende visuelle Interpretation der holistischen Klangkunst Stricklands.

Dem Autor persönlich sagen vor allem "Lullaby", "Aim High" und "Spirit Of The Music" besonders zu. Die drei Tracks präsentieren sich als diejenigen auf dem Album, bei denen Strickland und Co. den wohl entspanntesten Eindruck überhaupt machen. Gut abgehangen sozusagen. Zu nicht unwesentlichen Teilen dürfte das auf die Rhythmus-Arbeit von Schlagzeuger Charles Haynes zurückzuführen sein, der insbesondere bei diesen drei Aufnahmen unter Beweis stellt, dass effektvolle Darbietung und der Weniger-ist-Mehr-Ansatz verdammt gut zusammenpassen - wenn man's kann.