Jazz Newsletter

Wir versenden wöchentlich den aktuellen Jazzecho Newsletter. Um keine Neuigkeit zu verpassen, können Sie sich gern hier mit Ihrer eMail-Adresse registrieren. Der Newsletter kann jederzeit wieder abbestellt werden.

Mit dem Klick auf „OK“ bestätigen Sie, dass Sie Newsletter von uns erhalten möchten. Sie können Ihre Einwilligung jederzeit für die Zukunft widerrufen. Infos zum Umgang mit persönlichen Informationen finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

OK

Labels

Im Bereich Labels finden Sie Informationen zu den wichtigsten und bekannstesten Jazzlabels der Welt:

Artikel

24.06.2005

Cristina Branco - Ulisses

Cristina Branco, Cristina Branco - Ulisses

Cristina Branco ist nie eine Fado-Puristin gewesen. Doch so weit, wie auf ihrem neuen Album "Ulisses", hat sie sich noch nie von den Wurzeln der portugiesischen Traditionsmusik entfernt.

Daß der Prophet im eigenen Lande nichts gilt, ist eine Weisheit, die Cristina Branco bis heute an eigenem Leibe erfährt. Während sie z.B. in Frankreich, Holland, Deutschland, den USA und sogar im fernen Australien seit ihrem 2001 erschienenen Album "Corpo Iluminado" begeistert als "neuer Fado-Star" gefeiert wird, nimmt man sie in der Heimat des Fado immer noch eher beiläufig zur Kenntnis. Vielleicht liegt es daran, daß die 30jährige Sängerin, bevor sie sich der traditionellen Musik Portugals zuwandte, bereits intensiv mit Jazz, Blues und Bossa Nova auseinandergesetzt hatte - drei Musikformen, die ihre Entstehung der kulturellen Vermischung verdanken. Im etwas konservativen Portugal dagegen liebt man den Fado in Reinkultur.

Deshalb lächelt Cristina Branco auch immer etwas verlegen, wenn man sie in das enge Fado-"Korsett" zwängen will. "Der Fado beschränkt sich auf sich selbst", sagt sie. Sie selbst hat sich deshalb auch nie als eine Fadista gesehen, sondern stets nur als eine Sängerin, die unter anderem Fado singt. Auf ihrem Album "Ulisses" spielt der Fado nun wirklich nur noch eine untergeordnete Rolle. "Ich habe versucht, eine innere Reise zu meinen musikalischen Einflüssen zu machen. Dazu gehören französische Chansons, afrikanische und auch lateinamerikanische Musik sowie natürlich der Fado", sagt Cristina Branco über ihr neues Werk, auf dem sie in nicht nur in ihrer Muttersprache singt, sondern auch in Englisch, Französisch und Spanisch. "Es ist notwenig, die Musik zu universalisieren, Kontakte und Verbindungen herzustellen."

So enthält das Repertoire von "Ulisses" genau genommen auch nur einen wirklichen Fado: den Klassiker "Gaivota", der durch die unsterbliche Fado-Diva Amália Rodrigues bekannt wurde. Das a cappella vorgetragene "Sonhei que estava em Portugal" stammt hingegen von dem Brasilianer Morais Moreira, "Redondo Vocábulo" wiederum von Zeca Afonso, dem bedeutendsten politischen Liedermacher Portugals. Die größten Überraschungen bereitet einem Cristina Branco aber mit ihren Interpretationen von Mercedes Sosas "Alfonsina y el mar", Joni Mitchells Kanada-Hymne "A Case Of You" und einem vertonten Gedicht des französischen Poeten Paul Eluard. Souveräner, subtiler und sinnlicher hat man Cristina Branco wohl noch nie gehört. Mit Fado hat all dies fast gar nichts mehr zu tun - mit faszinierender, unter die Haut gehender Musik dafür um so mehr.