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12.11.2020
Elina Duni

Elina Duni & Rob Luft - interkulturelles Traumpaar

Auf ihrem ersten gemeinsamen Album "Lost Ships" präsentieren Elina Duni und Rob Luft ein abwechslungsreiches und vielsprachiges Programm aus Liedern über die Liebe und das Exil.

Elina Duni, Elina Duni & Rob Luft - interkulturelles Traumpaar Nicolas Masson / ECM Records Rub Luft, Elina Duni, Fred Thomas, Matthieu Masson

Kennengelernt hatten sich die albanisch-schweizerische Sängerin und der britische Gitarrist 2017 bei einer Reihe von Workshops in Lausanne. Die beiden verstanden sich auf Anhieb so gut, dass noch vor Ort die Idee zu diesem Projekt geboren wurde. Anfangs erweiterte Luft die atmosphärische Klangwelt der Lieder von Dunis vorangegangenem Soloprojekt "Partir" nur mit Elektronik und Effekten. Doch schon bald entwickelte die Kooperation eine Eigendynamik. Inzwischen hat sich zwischen Elina Duni und Rob Luft eine Partnerschaft etabliert, bei der die musikalischen Parameter von beiden Künstlern festgelegt werden, wobei die Gitarre im Grunde oft als zweite Stimme eingesetzt wird. Außerdem gesellten sich zu dem Duo im Laufe der Zeit auch noch namhafte Gäste. Auf "Lost Ships" steuern der britische Multiinstrumentalist Fred Thomas - der hier an Klavier und Schlagzeug zu hören ist - und der Schweizer Flügelhornist Matthieu Michel Wesentliches zum übergreifenden Konzept bei.

"Dies ist ein Album, das von zeitgenössischen Themen handelt, die uns alle betreffen", erklären Duni und Luft im Einleitungstext des CD-Booklets. Ein zentrales Thema ist dabei in den Liedtexten und bei der Wahl der Quellen - wie zuvor schon auf "Partir" - die Migrationskrise. "Lost Ships" ist aber auch "ein Album über Orte, an denen wir gewesen sind und die wir geliebt haben" sowie "Orte, die nicht mehr existieren oder nur noch als Fragment in unserer Fantasie vorhanden sind".

Das Material kommt in einer Vielzahl von Idiomen daher und entstammt diversesten Quellen: "Es gibt Lieder, die vergangene Einflüsse anschneiden, wobei die Klänge Albaniens und mediterraner Folklore allgegenwärtig sind. Wir wollten aber auch andere musikalische Wurzeln erkunden: zeitlose Jazzballaden, französische Chansons, amerikanische Folksongs..." Das breite Spektrum der hier angegangenen Musik reicht von traditionellen Stücken über Lieder, die durch Frank Sinatra und Charles Aznavour Berühmtheit erlangten, bis hin zu Originalkompositionen. "Neben der Ernsthaftigkeit, die in vielen Stücken zu finden ist, gibt es auch eine Helligkeit, die alles durchdringt. Und wir glauben, dass dieses Licht diese unruhigen Zeiten überstrahlen kann und wird..." Während Duni auf "Partir" noch in neun Sprachen sang, beschränkt sie sich diesmal auf vier: Albanisch, Englisch, Französisch und Italienisch.“Dunis Stimme ist bemerkenswert", hatte das britische Jazz Journal einst festgestellt, "denn obwohl ihre mehrsprachige Artikulation kristallklar ist, so ist ihr Ton doch auch intim und ausdrucksstark."

Die 1981 in Tirana/Albanien geborene Elina Duni wagte sich erstmals mit fünf Jahren als Sängerin auf eine Bühne, als sie in einer Sendung auftrat, die im nationalen Radio und Fernsehen ausgestrahlt wurde. 1992 zog sie mit ihren Eltern nach Genf, wo sie schon wenig später klassisches Klavier zu studieren begann. Dann entdeckte sie den Jazz für sich und nahm ein Jazzstudium an der Hochschule der Künste in Bern auf. Noch während des Studiums gründete sie ihr Quartett mit Pianist Colin Vallon, Bassist Bänz Oester (der 2012 durch Patrice Moret ersetzt wurde) und Schlagzeuger Norbert Pfammatter, dass mehr als zehn Jahre Bestand haben sollte. Weithin gelobt wurde die Subtilität und Gewandtheit, mit der die Band auf ihren Alben - darunter die ECM-Veröffentlichungen "Matanë Malit" und "Dallëndyshe" - Folklieder vom Balkan mit Improvisationen verflocht.

Wie Duni stützt sich auch Rob Luft auf ein breites Spektrum von Einflüssen und setzt sich kreativ mit den daraus resultierenden Herausforderungen auseinander. Der Gitarrist, der hier sein ECM-Debüt gibt, wurde 1993 in Sidcup im Südosten Londons geboren. Mit 15 Jahren begann er mit dem britischen National Youth Jazz Orchestra zu spielen, um anschließend an der Royal Academy of Music zu studieren. Nach Abschluss des Studiums im Jahr 2016 wurde er von der renommierten Musikhochschule mit dem Kenny Wheeler Music Prize ausgezeichnet. Die Preis-Jury, in der u.a. Evan Parker und Nick Smart saßen, hob schon damals Lufts außerordentliche Fähigkeiten als Improvisator, Arrangeur und Komponist hervor. Seither nahm er für das britische Indie-Label Edition Records zwei Alben unter eigenem Namen auf und arbeitete mit Jazzgrößen wie Django Bates, Martin Speake, Kit Downes, Iain Ballamy und Tommy Smith zusammen. Luft hat gemeinsam mit Duni mehrere Stücke für "Lost Ships" geschrieben, darunter die Titelnummer sowie "Numb", "Brighton", "Flying Kites", "Lux" und "Empty Streets".

Fred Thomas, 1958 in London geboren, ist ebenfalls erstmals auf einem ECM-Album zu hören. Thomas, der als Arrangeur, Produzent und Multiinstrumentalist immer mehr Anerkennung findet, verfügt über reiche Erfahrungen in den Bereichen der klassischen Musik und des Jazz sowie mit transkulturellen Projekten und Theatermusik. Obwohl er vielfältige eigene Projekte betrieben hat, fand er auch Zeit für Kollaborationen mit Brian Eno, Martin Speake und Ethan Iverson, Jordi Savall, Jarvis Cocker, Kadialy Kouyate und vielen anderen. Darüber hinaus war er als musikalischer Leiter am National Theatre und am Shakespeare’s Globe tätig.

Matthieu Michel, 1963 in Freiburg in der Schweiz geboren, machte seine erste ECM-Aufnahme 2013, als er Susanne Abbuehl bei der Einspielung ihres Albums "The Gift" begleitete. Derzeit ist er Mitglied von Michel Benitas neuem Quartett, das erst vor kurzem bei ECM Records das Album "Looking At Sounds" vorgelegt hat. Matthieu Michels umfangreiche Diskographie weist außerdem Aufnahmen mit dem Vienna Art Orchestra, Richard Galliano sowie Christian und Wolfgang Muthspiel auf.