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17.09.2020
JazzEcho-Plattenteller

Sequel oder Prequel – Hauptsache Blakey

Warum auch immer Blue Note 60 Jahre brauchte, dieses Album zu veröffentlichen – jetzt ist es da und präsentiert Blakeys Ensemble in "It’s-Gotta-Schwing"-Hochform.

Art Blakey, Sequel oder Prequel – Hauptsache Blakey JazzEcho-Plattenteller: Art Blakey - Just Coolin'

Gefütterte Innenhülle, schweres 180-Gramm-Vinyl mit klassisch blau-weißem Label-Design und das wunderschöne, rote Cover inklusive Francis-Wolff-Foto – "Just Coolin'" könnte just ein weiterer perfekt passender Eintrag in der Blue-Note-Klassiker-Diskographie sein. Könnte. Denn die Erstveröffentlichung dieses Albums fällt auf dieses Jahr, 2020, und damit plus-minus 60 Jahre nach "Moanin'" und vor "Live At The Jazz Corner of The World". Ob absichtsvoll oder aus einer fahrlässigen Vergesslichkeit heraus, darüber ließe sich trefflich spekulieren. Würde aber auch nichts ändern: Denn so sehr zu bedauern sein mag, dass Blakey und Co sich nicht schon früher mit dieser Veröffentlichung haben schmücken können, für uns Spätgeborene fühlt es sich an wie der 50,- Euroschein, den wir in den Taschen lange nicht getragener Klamotten wiederfinden. Ein echter Glücksgriff halt.

 

Den Bären, dass diese Veröffentlichung in irgendeinem anderen Tonträgerformat als Vinyl authentischer oder auch nur annähernd klanggetreuer sein könnte, brauche ich dem verehrten Plattentellerpublikum zum Glück nicht aufbinden. Selbstverständlich gehört dieser diskographische post-mortem-Eintrag als Schallplatte ins Regal. Und weil nicht nur Cover-Designer Todd Gallopo den damaligen Blue-Note-Design-Faden erfolgreich weiterspinnt, sondern auch Vinyl-Masterer Kevin Gray einen bemerkenswerten Job vollbracht hat, fällt dieses Prequel oder Sequel oder wie auch immer überhaupt nicht auf.

 

Die sechs Tracks, von denen vier zuvor als Live-Versionen auf "Live At The Jazz Corner of The World" veröffentlicht wurden, zeigen das Quintett in bestechender Form. Fast schon zu cool, wie lässig komplexe Unisono-Einsätze gelingen, Solisten immer genau die richtige Dosis Begleitimpulse vom Rest des Ensembles bekommen, Blakey auf fast schon unsichtbare Weise führt. (Big-)Bands mit einem Drummer als Leader sind ja eh selten. Und Schlagzeuger-Leader-Typen wie Art Blakey sind bernsteinmäßig rar: unaufdringlich bis zur Unsichtbarkeit und doch so präsent wie ein Metronom. Gut nachzuhören bei seinem Solo auf dem Titelstück. Auch Hank Mobleys Soli, der für das Tenorsaxofon verantwortlich zeichnet, haben es in sich. Ganz besonders das vom Album-Opener "Hipsippy Blues", in das der Holzbläser das ein oder andere Zitat einbaut. Mit Songs und wie man sie schrieb, wusste er sowieso etwas anzufangen: Die Hälfte der Aufnahmen auf diesem Album stammt aus seiner Feder. Darunter auch die bereits erwähnten. 

 

Ob Blakey dieser Spätgeburt seinen Segen gegeben hätte, wäre er dazu imstande gewesen? Mit großer Sicherheit: ja. Denn nicht nur ist diese Veröffentlichung ein Retro-Kunstwerk wie es - wenn es nicht mehr im Brockhaus steht, wo dann? - in Wikipedia stehen sollte. Die Inhalte der wiederentdeckten Zeitkapsel entpuppen sich als zeitloses Zeugnis einer unvergleichlichen Ära. Also, wenn's nach mir ginge, dann hätte Blue Note vor gut einem halben Jahrhundert noch zig Releases in spe verstauben lassen können. Immer her damit!