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03.09.2020
JazzEcho-Plattenteller

Tone-Poet-Serie - Klangpoeten mit Biss

In seiner audiophilen Tone-Poet-Vinyl-Reihe präsentiert Blue Note diesmal Tonschätze von Joe Henderson, Jackie McLean und Bobby Hutcherson.

JazzEcho-Plattenteller, Tone-Poet-Serie - Klangpoeten mit Biss JazzEcho-Plattenteller: Tone Poet Vinyl Series - Bobby Hutcherson "The Kicker" / Jackie McLean "It’s Time" / Joe Henderson "State of the Tenor Live at the Village Vanguard, Volume 1"

Die LP-Wiederveröffentlichungen der Tone-Poet-Reihe von Blue Note Records präsentieren Klangpoeten, die ihren eigenen Weg gegangen sind, um einige wirklich originelle Sounds zu erzeugen. Inspiriert wurde Blue-Note-Präsident Don Was zu dieser Kollektion durch die außergewöhnlichen audiophilen Vinyl-Wiederveröffentlichungen, die Joe Harley seit Jahren bei dem von ihm mitgegründeten Label Music Matters herausbringt. Der Saxofonist Charles Lloyd verlieh ihm für sein außerordentliches Gespür für die Klangästhetik des LP-Formats den Ehrentitel "Tone Poet", den Harley heute mit Stolz trägt. Die LPs der Reihe werden mit viel Liebe für Details gefertigt - angefangen bei der rein analogen Produktionskette über die hochwertige Pressung auf 180-Gramm-Vinyl bis hin zur Verarbeitung der schweren, laminierten Gatefold-Sleeves.

 

Joe Henderson - The State Of The Tenor: Live At The Village Vanguard, Volume 1

 

Mit seinem Blue-Note-Debüt "Page One" gelang es Joe Henderson 1963 auf Anhieb, sich als einer der markantesten Tenorsaxofonisten des Jazz zu etablieren. Er war innovativ, aber trotzdem traditionsbewusst, und besaß eine eigenständige Phrasierung, die zugleich packend und lyrisch war. Als er im November 1985 das Doppelalbum "The State Of The Tenor" einspielte, befand sich der damals 48-Jährige unbestreitbar im Zenit seines Könnens. Die Bühne teilte er bei den Auftritten im New Yorker Village Vanguard mit zwei weiteren Schwergewichten des modernen Jazz: den beiden Miles-Davis-Alumni Ron Carter und Al Foster. Das klavierlose Trio-Format erinnerte natürlich an "A Night At The Village Vanguard", ein legendäres Live-Album von Sonny Rollins, das Alfred Lion 1957 für Blue Note produziert hatte. Der in Ruhestand befindliche Blue-Note-Gründer war absolut begeistert, als er "The State Of The Tenor" hörte: "Ich denke, das ist wirklich ein klassisches Album... Es ist definitiv eines der besten, die je für Blue Note gemacht wurden... und das schließt auch all die Alben ein, die wir in den 50er und 60er gemacht haben." Das Repertoire reicht von seltener gespielten Standards aus der Feder von Duke Ellington ("Happy Reunion") und Thelonious Monk ("Friday The 13th " und "Ask Me Now") über einen modernen Klassiker des Avantgardisten Sam Rivers ("Beatrice") bis hin zu Eigenkompositionen von Henderson ("Isotope") und Bassist Ron Carter ("Loose Change").

 

Jackie McLean - It’s Time!

 

Viele der Alben, die Altsaxofonist Jackie McLean in den 1960er Jahren für Blue Note machte, dokumentierten seine Auseinandersetzung mit "The New Thing", wie man den Free Jazz damals oft nannte. Zeugnis davon waren vielsagende Titel wie "New Soil" (1959), "Let Freedom Ring" (1962), "One Step Beyond" (1964) oder "Destination... Out!" (1964). Doch McLean verstand es stets, seine Experimentierlust in traditionellere Strukturen zu betten. So auch auf dem 1965 erschienenen Album "It’s Time!", auf dem er modalen Post-Bop geschickt mit Elementen von Blues und Free Jazz kombinierte. Das überaus temperamentvolle Repertoire besteht ausschließlich aus Originalen, die je zur Hälfte von McLean und dem sensationellen Trompeter Charles Tolliver stammten, der zum Zeitpunkt der Aufnahmen erst 22 Jahre alt war. Angetrieben werden die beiden inspirierten Bläser von dem brillanten Herbie Hancock, der ihnen vom Klavier aus immer wieder neue Melodiefragmente zuwarf, und dem besonders dynamisch agierenden Schlagzeuger Roy Haynes. Wie ein Fels in dieser Brandung der Klänge und Rhythmen wirkt wiederum Bassist Cecil McBee, der das exzellente Quintett komplettierte und sein kraftvoller Ruhepol war.

 

 Bobby Hutcherson - The Kicker

 

Als Vibraphonist Bobby Hutcherson 1965 mit "Dialogue" endlich sein erstes Album unter eigenem Namen bei Blue Note herausbringen konnte, hatte er für das Label schon an einer Reihe hochkarätiger Aufnahmen anderer Künstler mitgewirkt (darunter Jackie McLean, Grachan Moncur III, Eric Dolphy, Dexter Gordon, Andrew Hill und Tony Williams). Tatsächlich hatte er im Dezember 1963 mit Gitarrist Grant Green, Tenorsaxofonist Joe Henderson, Pianist Duke Pearson, Bassist Bob Cranshaw und Schlagzeuger Al Harewood schon ein Album mit dem Titel "The Kicker" eingespielt. Da nur wenige Wochen zuvor in derselben Besetzung aber auch Grant Greens Hardbop-Meisterwerk "Idle Moments" entstanden war, wurde "The Kicker" erst einmal auf Eis gelegt und dort dann aus unerfindlichen Gründen vergessen, bis es 1999 auf CD herausgebracht wurde. Jetzt erscheint dieser Klassiker des jungen Hutcherson in der "Tone Poets"-Serie  erstmals auf Vinyl. Marc Myers bezeichnete "The Kicker" in seinem Jazzwax-Blog als makelloses und exzeptionelles Album: "Es swingt, es ist einnehmend, die Musiker bei der Session waren spektakulär." Besonders angetan hatte Myers das "hippe und reizvolle" Zusammenspiel zwischen Hutcherson und Henderson.