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30.10.2019
5 Original Albums

Mit Jazz in die Hitparade - Old Merry Tale Jazzband wiederentdeckt

Oldtime Jazz made in Germany - da sieht manch anspruchsvoller Jazz-Fan rot. Zu Unrecht, wie die noch immer erstaunlich frischen, frechen, swingenden Aufnahmen der Old Merry Tale Jazzband beweisen.

5 Original Albums, Mit Jazz in die Hitparade - Old Merry Tale Jazzband wiederentdeckt 5 Original Albums - Old Merry Tale Jazzband

Begonnen hatte alles Mitte der Fünfziger: In der Hansestadt Hamburg brachten umjubelte Gastspiele internationaler Oldtime-Bands wie Chris Barber oder Monty Sunshine zahlreiche Nachahmer hervor. Der bis heute erfolgreichste ist die Old Merry Tale Jazzband unter der Leitung von Posaunist 'Addi' Münster. Deren LPs gehörten zu ihrer Zeit zu den Bestsellern des Genres und erscheinen jetzt in einer neu remasterten, schmucken 5-CD-Box. Vier der Alben gab es bislang noch nie auf CD. 

 

1960 wurde die Mitte der 1950er gegründete Band, die erfolgreich in und um Hamburg die Bühnen unsicher machte, von der Plattenindustrie entdeckt. Das Erstlingswerk unter dem schlichten Titel "Old Merry Tale Jazzband" war eine der ersten deutschen Jazzproduktionen in Stereo und wurde nicht zuletzt deshalb ausgiebig im Radio gespielt.

Neben einschlägigen Traditionals und Jazz-Klassikern schummelte die Band auf ihr erstes Album auch swingende Versionen eines Volksliedes ("Auf der Lüneburger Heide") und eines alten Schlagers ("Hallo, kleines Fräulein"), denn: Spaß muss sein! Der ganz große Durchbruch kam dann mit einem anderen "alten Hut": "Am Sonntag will mein Süßer mit mir Segeln geh'n", der deutsche Schlager-Oldie aus dem Jahr 1929, wird in der Version der Old Merry Tale Jazzband überraschend der Sommerhit des Jahres 1961, erreicht Platz vier der deutschen Singlecharts und hält sich drei Monate in den Top 10 sowie sechs Monate in der Hitparade. Reinhard Zaum, zuständig für Tuba, Bass und Gesang, trägt den Ohrwurm stilecht und mit leicht ironischem Timbre vor.

 

Mit ebenso swingenden Versionen alter Schlager wie "Der Theodor im Fussballtor", "Sie will nicht Blumen und nicht Schokolade" und "Das Lied vom Angeln" reitet die Band danach weiter auf der Erfolgswelle. Jazzenderweise geht es kreuz und quer durch Deutschland: Funk- und Fernsehauftritte, Monatsengagements in deutschen Jazz-Lokalen von Köln, Düsseldorf, Frankfurt und auch Hamburg. Sogar der Film ruft: "Am Sonntag will mein Süßer mit mir segeln geh'n" heißt eine Schlagerkomödie mit Vivi Bach, Karin Dor und Harald Juhnke, in der die Old Merry Tale Jazzband ihren Hit zum Besten gibt. Im Fortsetzungsfilm "So liebt und küsst man in Tirol" ist die Band mit dem Ohrwurm "Sellerie" zu sehen und zu hören.

 

Auf ihren LPs hält die Band eine gelungene Balance aus Oldtime- und Dixieland-Klassikern, eigenen Titeln und verjazzten Schlagern, und prägt so die Szene. Mit ähnlichen Konzepten gehen zeitgleich auch verschiedene Konkurrenten wie die Hot Dogs aus Bayern ins Rennen. Sogar im deutschen Schlager selbst finden sich von nun an Hits mit Dixieland-Einschlag, z.B. von Nico Haak ("Schmidtchen Schleicher") oder Meyers Dampfkapelle ("Ich möchte so gern am Fließband steh'n").  Auf ihrer letzten Polydor-LP "Gemischt- und Colonialwaren" (1976) ist sich die Band sogar nicht zu schade, ganz aktuelle deutsche und internationale Schlager wie "Griechischer Wein" (Udo Jürgens), "Komm' unter meine Decke" (Gunter Gabriel) oder "Down By The River” (Albert Hammond) aufzugreifen und sich hier und da von einem Schlagerorchester der Polydor unter die Arme greifen zu lassen. Und wer hätte es gedacht: auch dieses Konzept geht auf.

Neben den zahllosen LPs, Singles und immer wieder "Best-of"-Compilations in den Plattenläden spielt sich das Leben der Old Merry Tale Jazzband vor allen Dingen auf der Bühne ab. Mit einem riesigen Fest feiert man 1966 in einer ausverkauften Vorstellung das 10-jährige Bestehen im Hamburger Operettenhaus. Hamburger Top-Jazzer wie Andy von der Mehden, Banjo; Bernd Reiners, Schlagzeug; Helmut Lamszus, Klarinette und Peter 'Banjo' Meyer ersetzen ausgeschiedene Mitstreiter, die Merry-Tale-Auftritte in Hamburgs Kult-Kulturstätte Fabrik (jeden ersten Freitag im Monat) werden zu einer festen Einrichtung. 1974 begrüßt man dort den 50.000sten Besucher.

 

Gastspiele in nahezu allen europäischen Ländern treiben die Band von Auftritt zu Auftritt und zu Konzerten mit vielen berühmten Jazz-Kollegen - einst Vorbilder, denen man nun schon lange ebenbürtig ist: Chris Barber, Bob Wilber, Monty Sunshine, Humphrey Lyttelton, Papa Bue, Acker Bilk, Fatty George, Ken Colyer, Champion Jack Dupree, Pete York, Peanuts Hucko und viele mehr sind jetzt ihre Stargäste.

 

Nach ihrem 20-jährigen Geburtstag wird auch das 25-jährige Bestehen der Old Merry Tale Jazzband mit einem swingenden Fest gefeiert: Mehr als 5.000 Fans stürmen im Januar 1981 ins Hamburger Congress Centrum, um die Band und ein Wiedersehen mit deren ehemaligen Musikern zu erleben. Einige Jahre später hört die Old Merry Tale Jazzband in ihrer ursprünglichen Form auf zu existieren und splittet sich in zwei nahezu namensgleiche Formationen auf, die Traditional Old Merry Tale Jazzband (Bandleader: Reinhard Zaum) und Münster's Old Merry Tale Jazzband (Chef: Jost Münster). Beide schaffen es bis heute auf Erfolgskurs zu bleiben. Die CD-Box "5 Original Albums" lässt jetzt ihre große Schallplattenzeit in knackfrischem Klang wiederaufleben.