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23.10.2019
JazzEcho-Plattenteller

Fieh - Kühle Grooves auf sonnigem Vinyl

Jazz-Vokalistinnen aus Skandinavien sind sooo selten nicht. Female-Fronted-Funkjazz-Formationen eher schon. Fieh aus Norwegen malen den weißen Fleck knallig gelb aus.

JazzEcho-Plattenteller, Fieh - Kühle Grooves auf sonnigem Vinyl JazzEcho-Plattenteller: FIEH "Cold Water Burning Skin"

Ganz ehrlich: Es gibt beeindruckenderes Cover-Artwork als die Gelbton-Streifen vom Fieh-Debüt. Auf der anderen Seite: Über Geschmack streitet man sicher auch in Norwegen nicht. Außerdem entschädigt das dickwandige Gatefold mit liebevollen Illustrationen auf den Innenseiten und der farbigen Schutzhülle. Das blutjunge Oktett präsentiert sich als spiel- und bühnenfreudiges Kollektiv, mit dem vor allem live gut Kirschen essen sein dürfte. Lebenslust und Zugewandtheit - das verspricht auch das transparent, gelbe Vinyl. Von klanglicher Beeinträchtigung durch die Colorierung keine Spur.

Was sich optisch ankündigt - eine gewisse Unabhängigkeit vom weitverbreiteten Klischee des elegischen, manchmal mystisch verklärten Skandinavien-Jazz - setzt sich auf der Klangschiene konsequent fort. Sofie Tollefsbøl und ihre Mannen und Männeninnen verbinden exzellentes Songwriting mit herausragend instrumentellem Können, zwingende Grooves mit rhythmischen Feinheiten, Das-funktioniert-Wissen mit gelungenen Experimenten. Frau Tollefsbøls Stimme ist dabei derart verwirrend vielfältig, dass einem ganz schwindelig wird. Nicht nur, was Klangfarbe und Register angeht - melismatische Bögen liegen ihr ebenso wie syllabischer Sprechgesang. Besonders hervorzuheben: Die rhythmische Präzision, mit der sie sich einbringt. So kann Stimme eben mehr sein, als nur eine melodische Zutat. Damit gesellt sie sich nicht nur zu den besten ihres Fachs, sie übernimmt damit einen unschätzbaren Beitrag für die Selbstverständlichkeit, mit der die gesamte Band unterschiedlichste Musik-Praxen zu einem großen Ganzen zusammenführt. Jazz. Pop. Rap. Soul. Einmal mit alles, bitte. Und den Rim-Shot nicht vergessen, ja?!

Der Drive, mit dem die sieben anderen Sofie Tollefsbøl zu diesen Großtaten befähigen, ist essentiell und beruht auf Gegenseitigkeit. Auch nicht zu verachten: Christian Engfelts gutes Ohr für das Klangdesign. Der Produzent hat auf die richtigen Knöpfe gedrückt, als es darum ging, Tollefsbøls Stimme gleichzeitig herausgehoben und als Teil des Kollektivs zu präsentieren. Glückwünsche vor allem an die exzellente Abmischung des Schlagzeugs - Drummer Ola Øverby wird sich über die fein justierten Becken und Toms - von der J Dilla Snare gar nicht erst zu reden - gefreut haben.

Von vielen Soul-Jazz-Going-Pop Veröffentlichungen der letzten Jahre ist dies eine der vielversprechendsten. Von diesen Norwegern wird noch zu hören sein.

Live

18.11. Berlin - Kantine im Berghain

19.11. Hamburg - Mojo Club