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11.10.2019
JazzEcho-Plattenteller

John Coltrane - Blaue Welt als schwarze Scheibe

Wenn Jazz-Künstler eigene Werke reinterpretieren, zücken Kritiker gern die Keule. John Coltranes wiederentdecktes Album "Blue World" ist über derlei Vorwürfe erhaben - und als LP besonders attraktiv.

JazzEcho-Plattenteller, John Coltrane - Blaue Welt als schwarze Scheibe John Coltrane Blue World

Das Cover dieser mal als "lost", mal als "posthum kuratiertes Album" bezeichneten Veröffentlichung zeigt des Meisters Haupt im Seitenprofil. Ernst, konzentriert, spirituell aufgeladen. Es gibt wohl nicht viele Fotografien, die John Coltrane bei einem Lachkrampf zeigen. Die quasi-religiöse Konnotation, die Coltrane schon zu Lebzeiten umgab, setzt sich hier fort. Die Aura des Über-Saxophonisten bleibt angemessen mystisch.

Weniger mystisch als vielmehr verworren entpuppt sich die Entstehungsgeschichte von "Blue World": Nicht zuletzt inspiriert von der kongenialen Zusammenarbeit Louis Malles und Miles Davis' für den Soundtrack zu "Fahrstuhl zum Schafott", hatte sich der Jazz-versessene frankokanadische Regisseur Gilles Groulx in den Kopf gesetzt, den Soundtrack seines Films "Die Katze in der Tasche" - einem Film im Stil der französischen Nouvelle Vague - von John Coltrane gestalten zu lassen. Der weitere Verlauf dieser ungewöhnlichen Zusammenarbeit ist wunderbar in den ausführlichen Linernotes zum Album dokumentiert. Coltrane-Kenner Ashley Kahn stellt fest: "Opening a movie with the music of John Coltrane was an unusual choice at the time, and a bold statement in itself."

Als Coltrane und sein Quartett - 1964 auf der absoluten Höhe seines Schaffens – im Studio von Tonmeister Rudy Van Gelder aufschlugen, um die Musik für den Film aufzunehmen, ging es nicht in erster Linie um die Dokumentation neuer Kompositionen. Basierend auf Coltranes Oeuvre hatte Regisseur Groulx schon eine ziemlich ausgereifte Vorstellung dessen, was später im Film zu hören zu sein sollte. McCoy Tyner, Elvin Jones, Jimmy Garrison und Coltrane höchstpersönlich arbeiteten deshalb vor allem an der Neuinterpretation ausgewählter Titel ihres angestammten Repertoires.

Aus diesem Grund machen zwei Takes der wunderschönen "Giant Steps"-Ballade "Naima", sowie drei alternative Versionen von "Village Blues" mehr als die Hälfte des Albums aus. Und auch bei den restlichen drei - "Like Sonny", Traneing In" und dem Titelstück "Blue World" - handelt es sich nicht um Neu-Kompositionen. So bietet "Blue World" die Möglichkeit, Coltrane-Klassiker mit vorangegangenen  Fassungen zu vergleichen "und dabei sowohl Coltranes persönliche Weiterentwicklung als auch die interaktive Konsistenz und die klanglichen Details zu enthüllen, die das klassische Quartett fest etabliert hatte und bis 1964 zu ihrem kollektiven Erkennungsmerkmal gemacht hatte." So Ashley Kahn in seinem auf der fein gestalteten Innenhülle reproduzierten Text. Dass die von Kevin Reeves im Universal Music Studio remasterte und von Ron McMaster in den Capitol Studios geschnittene 180g-LP vorzüglich klingt, sollte bei dieser Aufzählung nicht vergessen werden.