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08.08.2019
JazzEcho-Plattenteller

Fontana di Tubby - britisches LP-Fundstück

Die Album-Kategorie "Lost & Found" ist eine spezielle, behauptet der gelungene Liner-Notes-Roman. Tubby Hayes' Fontana Fundstück ist mehr als speziell.

JazzEcho-Plattenteller, Fontana di Tubby - britisches LP-Fundstück Tubby Hayes: "Grits, Beans And Greens: The Lost Fontana Studio Session 1969"

Die Bandkarton-Optik dieses LP-Covers ist zwar nicht die allererste ihrer Art - wirken tut sie dennoch. Und mit der Vinylausgabe dieser britischen Jazzentdeckung hat man tatsächlich das Gefühl, das ursprüngliche, Was-Weiß-Ich-Wieviel-Zoll-Band in den Händen zu halten. Als hätte man es selber ausgegraben. Formvollendet haben die Restauratoren dieses Unikums auch die Rückseite des Covers entsprechend authentisch gestaltet. Das weckt Stille-Mäuschen-Träume und eine gar nicht so leise Ahnung, wie es damals tatsächlich zugegangen sein könnte.

 

Dabei hilft: Der zwar lange, aber hervorragend gelungene und kenntnisreiche Booklet-Text von Simon Spillett. Im Intro noch neckisch als Roman diffamiert, bleibt der unerschütterliche Eindruck, dass Spillett ein verdammt gut informierter Connaisseur des Jazz ist. Und - was noch viel schwerer wiegt - er ist ein Kenner mit Leidenschaft. Das alles macht zwar die Musik nicht besser - die ist von ganz allein gut genug. Aber was Simon says hilft, die Klangvorgänge einzuordnen; den Musiker hinter der Musik zu sehen und damit das gesamte Album mit anderen Augen zu hören.

 

Alles ist Kontext, aber Kontext ist nicht alles. Nach Adam Riese aka Simon Spillett hat alles seine Zeit. Tubby Hayes hatte seine 1969. Aber vielleicht war der Raum nicht da. Mondlandung, Abbey Road, Woodstock. Vor 50 Jahren war 'ne Menge los. Die Aufnahmen - zahlreiche Alternate-Takes von allen fünf aufgenommen Songs sind via Stream verfügbar - waren aus damaliger Sicht wohl weniger wichtig. Aber wie es häufig ist: Prognosen sind schwierig, vor allem, wenn sie die Zukunft betreffen. Rückblickend und mit "Grits, Beans And Greens" in den Ohren, fällt es leicht zu behaupten, vor einem halben Jahrhundert habe man sich beim legendären Fontana-Label halt irgendwie geirrt, als man diese Aufnahmen seltsamerweise unter den Tisch hat fallen lassen. Weil Recht-Haben-Wollen aber sowieso für Doofe ist, werden wir uns auf die Musik konzentrieren.

 

Der beste Track - mit aus meiner Sicht großem Abstand - ist der Album-Closer und mit knapp zehn Minuten längste Titel der Session. "Where Am I Going" steht wohl nicht nur dem Titel nach im Verdacht, Hayes' biografische Situation zur Zeit der Aufnahme zu exemplifizieren: Potent, auf der Höhe seines Könnens und gleichzeitig gebrochen, zerrissen und auf berührende Weise haltlos. Sein ebenso emotionales wie elegantes Solo gehört eingerahmt. Auf der einzigen Ballade des Albums - ebenfalls auf der B-Seite - zeigt der britische Holzbläser wie technisch herausfordernd und smooth in einem Atemzug geht. Auch bei "You Know I Care" gilt: Nomen est omen.

 

Dass ich die Mitmusiker Mike Pyne am Klavier, Ron Mathewson am Bass und Spike Wells an den Drums noch gar nicht erwähnt hatte, fällt mir erst jetzt auf. Kennen Sie den Spruch vom Deckel auf den Topf? Genauso verhält es sich mit dem bis jetzt unerwähnten Trio des Quartetts: Kongenial, auf den Punkt, das fehlende Puzzlestück.

 

Gönnen Sie sich dieses Hörerlebnis.