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13.06.2019
Stan Getz

Getz At The Gate - aufregender Archivfund bei Verve

Vor einem Jahr sorgte Verve mit einem unveröffentlichten John-Coltrane-Album für Schlagzeilen. Jetzt kommt eine fabelhafte Stan-Getz-Aufnahme ans Tageslicht.

Stan Getz, Getz At The Gate - aufregender Archivfund bei Verve Lee Tanner Stan Getz

Viele Jahre war Stan Getz so eine Art Pop-Star auf dem Saxophon, dafür waren sein melodisches Spiel und seine Welterfolge mit Bossa-Nova-Hits wie "The Girl From Ipanema" und "Desafinado" verantwortlich. Darüber wird oft vergessen, dass Getz auch ein Meister des anspruchsvollen Modern Jazz war, der sich hinter anderen Innovatoren nicht verstecken brauchte. Den Beweis dafür erbringt jetzt ein bis heute unveröffentlichter Konzertmitschnitt aus dem Jahr 1961, der offensichtlich für eine Veröffentlichung auf Verve gedacht war, aber bis heute nicht erschien.

Zu behaupten, nur die Bossa Nova sei schuld gewesen, dass "Getz At The Gate" nicht früher erschienen ist, wäre sicher übertrieben. Der sensationelle Publikumserfolg der Alben "Jazz Samba", "Jazz Samba Encore!" und "Getz/Gilberto" mag allerdings eine Rolle dabei gespielt haben, dass die jetzt erstmals erscheinenden Live-Aufnahmen aus dem New Yorker Village Gate geschlagene 58 Jahre in den Archiven von Verve Records Staub ansetzen mussten.

 

1961 war Getz nach einem mehrjährigen Europa-Aufenthalt in die USA zurückgekehrt und fand eine Jazzszene vor, die sich (wieder einmal) im Umbruch befand. Und eine der tonangebenden Stimmen dieses Umbruchs war die von John Coltrane, der damals gerade sein legendäres Quartett formierte. Eine Zeit lang gaben die Bands der beiden Saxophonisten Doppelkonzerte in New York. "Ich kam immer so früh, dass ich Johns Auftritt miterleben konnte", erinnerte sich Getz später, "und er spielte so wundervoll, dass er mich dazu inspirierte, mir selbst viel mehr abzuverlangen, wenn ich an der Reihe war."

 

Beflügelt vom Vorbild Coltranes gründete Getz ein neues Quartett mit drei Musikern aus der Bostoner Szene: dem Schlagzeuger Roy Haynes, dem Bassisten John Neves und dem Pianisten Steve Kuhn, der kurz zuvor vorübergehend Coltranes Quartett angehört hatte. Mit dem Ventilposaunisten Bob Brookmeyer als Getz' Co-Leader hatte das Ensemble wenige Wochen vor dem Auftritt im Village Gate schon das exzellente, aber oft übersehene Album "Recorded Fall 1961" aufgenommen. Haynes und Neves waren außerdem an der Einspielung des ambitionierten Albums "Focus" beteiligt, das Getz immer wieder als sein persönliches Liebblingsalbum bezeichnete.

 

Im Village Gate präsentierte sich Getz mit einem moderneren Sound, der zupackender, ja, sogar etwas aggressiver war, als man es von ihm gewohnt war. Das Repertoire enthielt zwar einige Songs, die Getz schon in den 1950er Jahren aufgenommen hatte (etwa "When The Sun Comes Out", "Like Someone In Love" und "Spring Can Really Hang You Up The Most"), aber auch nie zuvor von ihm gehörte Stücke wie "It's All Right With Me" und "Yesterday's Gardenias". Zu den absoluten Highlights zählen die Interpretationen von Sonny Rollins' "Airegin" und John Coltranes "Impressions".

 

"Getz At The Gates" lässt einen erahnen, in welche Richtung sich Stan Getz vielleicht entwickelt hätte, wenn ihn die Bossa Nova nicht schon wenig später auf gänzlich andere musikalische Gedanken gebracht hätte. Ganz sicher aber bereichern diese Aufnahmen das musikalische Vermächtnis eines der größten Tenorsaxophonisten des Jazz. Für "Getz At The Gate" wurde jede Note eingefangen, die Getz an diesem Abend mit seinem neuen Quartett im Village Gate gespielt hat. Erhältlich sind die Aufnahmen als Doppel-CD und 3-LP-Set, sowie natürlich digital.