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24.04.2019
JazzEcho-Plattenteller

"Tone-Poet"-LP - Sam Rivers' "Contours" gewinnt neue Konturen

Nach Meisterwerken von Chick Corea und Wayne Shorter erscheint in der exzellenten "Tone Poet Audiophile Vinyl Series" nun eines des Saxophonisten Sam Rivers.

Various Artists, Tone-Poet-LP - Sam Rivers' Contours gewinnt neue Konturen Sam Rivers - Contours

Joe Harley ist Mitbegründer und Koproduzent des renommierten amerikanischen Vinyl-Labels MUSIC MATTERS. Sein außerordentliches Gespür für die Klangästhetik des LP-Formats brachte ihm den Titel "Tone Poet" ein. Anlässlich seines 80. Label-Jubiläum beauftragte Blue Note Records den "Klangpoeten" damit, einige Alben für eine exklusive LP-Edition zusammenstellen. Diese rein analogen, d.h. ohne digitale Zwischenschritte gefertigten Reissues werden von Kevin Gray (Cohearent Audio) von den originalen Masterbändern neu gemastert und bei Record Technology Incorporated (RTI) auf 180g-Vinyl gepresst. Die Originalcover werden als schwere, laminierte Gatefold-Sleeves faksimiliert. Dabei wird eine Hüllenfertigung angewendet, deren Name nur LP-Gourmets etwas sagen dürfte: Tip-on-Sleeve. Wie zur Zeit der schweren, stabilen Papphüllen der fünfziger und sechziger Jahre wird auch hier eine stabile Papp-Grundlage mit glänzend laminierter Oberfläche verbunden.

 

Ein echter Klangpoet war auch der 2011 verstorbene Flötist, Bassklarinettist, Sopran- und Tenorsaxophonist Sam Rivers, der in den 1960er Jahren zu den Speerspitzen der Jazz-Avantgarde gehörte. Gerade in den frühen Zeiten des Free Jazz stießen frei improvisierende Musiker bei Kritikern, weiten Teilen des Publikums und leider auch bei traditionell gesinnten Kollegen auf viel Unverständnis. Oft wurde ihnen von diesen fehlende technische Fertigkeiten und mangelnde Harmoniekenntnisse unterstellt. Wie falsch diese Einschätzung war, zeigten Musiker wie Sam Rivers, der am Bostoner Konservatorium klassische Komposition, Bratsche und Violine studiert hatte, während er nachts in Jazz- und Blues-Clubs als Saxophonist auftrat.

 

Rivers hatte 1964 mit "Fuchsia Swing Song" sein gefeiertes Debütalbum für Blue Note eingespielt, auf dem u.a. der 19-jährige Schlagzeuger Tony Williams zu hören war. Ein Jahr später entstand das 1967 veröffentlichte Nachfolgealbum "Contours", auf dem sich Rivers mit einer wahren All-Star-Band umgab, die sich aus Trompeter Freddie Hubbard, Pianist Herbie Hancock, Bassist Ron Carter und Drummer Joe Chambers zusammensetzte, und eine aufregende Musik an der Grenze zwischen Post-Bop und Avantgarde spielte. Unter den vier Eigenkompositionen des Leaders stach vor allem eine Nummer mit dem vielsagenden Titel "Mellifluous Cacophony" ("Wohltönende Kakophonie") hervor.

 

Im All Music Guide gab Stephen Thomas Erlewine dem bahnbrechenden Album die seltene Höchstwertung von fünf Sternen und schrieb: "Auf 'Contours', seinem zweiten Album für Blue Note, begrüßte der Tenorsaxophonist Sam Rivers die Avantgarde mit offenen Armen, präsentierte seine Musik aber auf eine Weise, die für Hard-Bop-Loyalisten nicht verstörend oder irritierend war...'Contours' ist selten weniger als fesselnd und gilt noch heute als Gradmesser der Avantgarde-Bewegung der mittsechziger Jahre."