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29.11.2018
JazzEcho-Plattenteller

Effizienz und Schönheit - Jon Batistes Verve-Debüt jetzt auch als LP

Der schon lange von Jonathan zu Jon gereifte Pianist und Sänger legt sein aktuelles Album jetzt auch im Vinylformat vor. Da erfreut nicht nur die Musik.

Jon Batiste, Effizienz und Schönheit - Jon Batistes Verve-Debüt jetzt auch als LP Jazzecho Plattenteller - Jon Batiste

Das gute alte Verve-Logo fasziniert noch immer. Schwarz, matt-silbern und genau in der Mitte, verströmt es bei hypnotisierenden 33 Umdrehungen pro Minute eine beruhigende "Ach-ja-richtig"-Gewissheit. John Batistes "Hollywood Africans"-LP ist Öl auf dieses Feuer. Das insgesamt 360 Gramm schwere Doppelvinyl hört sich - der minimal-invasiven und wahrscheinlich deshalb umso intensiveren Produktion T Bone Burnetts sei es gedankt - nicht nur fantastisch an. Die von Josh Cheuse verantwortete Gestaltung ist von ebenbürtiger Schönheit. In authentischer Ungeschminktheit zeigen Abby Ross' Close-Up-Fotos, Portraits und spontane Momentaufnahmen einen Künstler, der natürlich, nahbar und nach innen gekehrt wirkt. Im Zusammenspiel mit den elf Songs auf "Hollywood Africans" darf man deshalb ruhig an die Formulierung "Gelungenes Gesamtkunstwerk" denken.

 

Die beiden bedruckten Innenhüllen fungieren hier nicht nur als Informationsträger für die Hard-Facts. Die bunten Pie-Chart-Fotomontagen bilden einen Gegenpol zu den klassischen Schwarz-Weiß-Bildern. Und spiegeln so das schwarz-weiß-bunte Ying und Yang von Front- und Backcover. Apropos zwei Seiten der Medaille: ein ganz ausgebuffter Clou der Vinyl-Variante ist die Tatsache, dass von vier Seiten nur drei bespielt sind. Die D-Seite ist Eye-Candy only: Im Stil einer Picture-Disc stehen dort nur Künstlername und Werktitel, die Illustration eines Baumes sowie der Psalm 119:160. Laut Luther-Bibel: "Dein Wort ist nichts denn Wahrheit; alle Rechte deiner Gerechtigkeit währen ewiglich." Dass Batiste ein gottesfürchtiger Mann ist, zeigt sich auch bei den Danksagungen: An erster Stelle steht dort Sein Name.

 

Wenn denn Gott Ohren haben sollte, dürfte ihm mit Sicherheit gefallen, was Batiste auf "Hollywood Africans" darbringt. Der ansonsten unter anderem als Bandleader für die Late-Night-Show vom klugen Steven Colbert tätige Pianist nimmt sich soweit es geht zurück und macht auf den sechs eigenen Kompositionen und fünf Interpretationen gerade so viel, dass man nichts mehr wegnehmen kann, ohne dass das Stück in sich zusammenfällt wie ein Kartenhaus. Ein bisschen wie Gonzales minus Satie geteilt durch Monk. Und falls ich's noch nicht erwähnt haben sollte: Das ist große Kunst.  Gut nachzuhören auf "Mr. Buddy", der "Nocturne" und der eigenwilligen Coverversion von "What A Wonderful World". Anders ausgedrückt ist Batiste ein echtes Effizienz-Monster. Und was für sein Klavierspiel gilt, trifft erst recht auf seinen Gesang zu. "The Very Thought Of You" ist ein perfektes Beispiel für "Mehr durch weniger geht nicht".

 

Mit "Hollywood Africans" gelingt Jon Batiste ein wunderbar leichtes Herbstalbum, dessen musikalische Bestimmung irgendwo zwischen Chopins Es-Dur Nocturne und dem schwelgerischen Jazz-Standard "All Of Me" zu finden sein dürfte. Es ist wie ein Klang gewordener Indian Summer: schimmernd, schattig und voll schöner Erinnerungen an Frühjahr und Sommer.