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25.10.2018
Charlie Haden

Intime Zwiegespräche - Charlie Haden & Brad Mehldau

Mit Pianisten wie Keith Jarrett, Gonzalo Rubalcaba und Hank Jones spielte der Bassist Charlie Haden seine besten Duo-Alben ein. Auf "Long Ago And Far Away" ist er nun mit Brad Mehldau zu hören.

Charlie Haden, Intime Zwiegespräche - Charlie Haden & Brad Mehldau Charlie Haden & Brad Mehldau

Im November 2007 fanden sich im Rahmen des Enjoy Festivals in der Mannheimer Christuskirche zwei Meister des melodiebetonten Spiels und der lyrischen Improvisation zu einem intimen musikalischen Dialog ein: der legendäre Jazzbassist Charlie Haden und Pianist Brad Mehldau. Nach elf langen Jahren erblicken die Aufnahmen dieses einzigartigen Konzertes jetzt endlich das Licht der Öffentlichkeit.

 

Kennengelernt hatten sich die beiden Musiker 1993. Haden hörte Mehldau damals per Zufall bei einem Jazzfestival in Pennsylvania und meinte nach einem besonders beeindruckenden Klaviersolo zu seiner Frau: "Dieser Pianist ist brillant. Er ist etwas Besonderes, wirklich einzigartig." Drei Jahre später lud Haden Mehldau nach Los Angeles ein, um mit ihm und Lee Konitz in der Jazz Bakery aufzutreten. Einen Mitschnitt des Konzerts brachte Blue Note 1997 unter dem Titel "Alone Together" heraus. 2011 nahmen Haden und Mehldau mit Konitz und Paul Motian für ECM Records noch das Live-Album "Live At Birdland" auf.

 

Gleich bei ihrem ersten Treffen hatten Charlie Haden und Brad Mehldau miteinander Freundschaft geschlossen und eine besondere Verbundenheit verspürt. "Ich denke, er erkannte sich ein wenig in diesem jungen brillanten Musiker selbst wieder", meint Ruth Cameron Haden, Charlies Witwe und langjährige Managerin, rückblickend. Der Bassist nahm den Pianisten unter seine Fittiche und erteilte ihm einige wichtige Lebenslektionen.

 

"Als ich Charlie kennenlernte, befand ich mich noch auf einem selbstzerstörerischen Trip und nahm Drogen", erinnert sich Mehldau. "Charlie bekam das schon bei unserem ersten Gespräch spitz. Er sprach danach mehrmals mit mir darüber und überzeugte mich davon, dass ich Hilfe brauchte. Für diese Gespräche bin ich ihm bis heute dankbar." Haden hielt Mehldau für einen der bedeutendsten Musiker seiner Generation. Er besäße eine einzigartige Instrumentalstimme, fundierte Kenntnisse und pianistische Fertigkeiten und bringe die Sprache des Jazz voran.

 

2007 lud Rainer Kern, der Programmdirektor des Enjoy Jazz Festivals, die beiden Musiker zu einem gemeinsamen Auftritt ein. Da sie nie zuvor im Duo gespielt hatten, sagten sie gleich freudig zu. Das Konzert fand in der wunderschönen Christuskirche in Mannheim statt und wurde mitgeschnitten. Die Aufnahmen hörte sich Haden in den folgenden Jahren oft an. Er wollte sie unbedingt veröffentlichen, schaffte es aber zu Lebzeiten aus vertraglichen Gründen nicht.

 

Jetzt, elf Jahre nach ihrer Aufnahme und vier Jahre nach Charlies Tod, kann man die schillernden Interaktionen zwischen den beiden genialen Musikern auf dem Album "Long Ago And Far Away" endlich nacherleben. Das Repertoire reicht von Charlie Parkers bluesigem Klassiker "Au Privave" über Filmsongs wie "My Old Flame", "Long Ago And Far Away" und "My Love And I" bis hin zu Irving Berlins "What'll I Do?" und der Frank-Sinatra-Nummer "Everything Happens To Me".

 

"Es ist spannend mit jemandem zu spielen, der so improvisiert", meint Brad Meldau über die Performance mit Haden. "Er ist schließlich der Typ, der dies als Erster auf seinem Instrument gemacht hat. Die frühen bahnbrechenden Aufnahmen des Ornette Coleman Quartet - etwa 'This Is Our Music' oder 'Change Of The Century' - waren nicht 'frei' in dem Sinne, dass bei ihnen die Regeln der Harmonielehre außer Kraft gesetzt wurden. Sie waren jedoch oft frei von einem festen harmonischen Schema, und Charlie improvisierte die Harmonien von Grund auf."

 

Das passt zu einer Anekdote, die Saxophonist Lee Konitz offenherzig auf Youtube ausplaudert, im Gespräch mit Pianist Dan Tepfer, mit dem er gerade ebenfalls ein Duo-Album veröffentlicht hat. Konitz erinnert sich daran, wie Haden und Mehldau ihn bei einer gemeinsamen Aufnahme zum Schwitzen brachten, indem sie einen Song in einem völlig ungewohnten Key spielten. Da heißt es Nerven bewahren.