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25.07.2018

Digitale Schatzkammer - Gerald Wilsons pazifische Bigband-Perlen

Sein Instrument war die Band: mit einer All-Star-Formation spielte Gerald Wilson zehn hochgelobte Alben für Pacific Jazz Records ein, die jetzt remastert in digitaler Form wieder verfügbar sind.

Gerald Wilson, Digitale Schatzkammer - Gerald Wilsons pazifische Bigband-Perlen Digitale Schatzkammer - Gerald Wilson

"I have a stream" - mit dieser viral gegangenen, nicht ganz geschmackssicheren Adaption eines Martin-Luther-King-Zitats wird deutlich, welchen Stellenwert mittlerweile das Genießen von Musik im just-in-Time-Format hat. Denn nun ist für jeden Hörer der Zugang zu einem unerschöpflichen Katalog von Klassikern und Neuentdeckungen nur ein paar Mausklicks entfernt. Wie zur großen Zeit der CD tauchen die Musiklabels daher jetzt wieder tief in ihre Archive und veröffentlichen viele Alben, die es zuvor noch gar nicht in den digitalen Formaten zu hören gab. Unter dem Stichwort "Digitale Schatzkammer" machen wir hier auf interessante Alben aufmerksam, deren Wiederentdeckung bei Spotify, Apple Music, Amazon Music und den anderen Streaming-Plattformen lohnt.

 

Gerald Wilson wandelte in bester Ellington-Tradition und erklärte die Bigband zum Star. Wo Stan Kenton und Count Basie aufhörten, machte Wilson weiter und forschte ab 1961 zehn Alben lang nach dem ultimativen Bigband-Sound der Zeit. Als musikalischer Leiter für Nancy Wilson oder Al Hirt war Wilson auf die jährlichen Grammy-Nominierungen abonniert, als Chef seines Orchesters konnte er voller Freiheit seine eigenen Visionen verwirklichen. Seine komplett an der amerikanischen Westküste aufgenommenen Schallplatten erhielten stets Bestnoten der Kritiker, vollzogen die musikalischen Entwicklungen der 1960er Jahre – vom Hard Bop über Bossa- und Sambaeinflüsse bis hin zu Soul- und Funk-Jazz – nach, und waren Zeugnis der Erkenntnis, dass Wilson sein Arrangeurshandwerk wie kaum ein anderer beherrschte. Mit seiner Eigenkomposition Viva Tirado verbuchte er zudem einen eigenen Hit und landete Jahre später sogar in Computerspielen wie Grand Theft Auto V, die Rockband El Chicano platzierte sich mit Ihrer Coverversion ebenfalls in den Charts.

 

Dass Wilsons Aufnahmen auch heute noch berauschend und modern klingen, dürfte nicht zuletzt an der überragenden Besetzung seiner Band gelegen haben. Trompeter Carmell Jones bestritt ebenso Solopartien wie Tenorsaxophonist Ernie Watts, Bud Shank blies das Altsaxophon, während Jean-Luc Ponty die Saiten der Violine zum Swingen brachte. Die Vibraphonisten Roy Ayers und Bobby Hutcherson starteten ebenso spätere Solokarrieren wie Orgelvirtuose Richard "Groove" Holmes oder Pianist George Duke. Mit Sidemen wie den Gitarristen Joe Pass und Laurindo Almeida, Bassist Wilton Felder oder Schlagzeuger Mel Lewis können die in feinstem Stereo aufgenommenen Aufnahmen auch heute noch jeden begeistern – und vielleicht auch diejenigen Fans überzeugen, die mit Big-Band-Klängen etwas fremdeln. Auch im digitalen Zeitalter gibt es also noch viel zu entdecken.

 

Die wiederveröffentlichten Gerald-Wilson-Alben sind:

 

You Better Believe It (1961)

Moment Of Truth (1962)

Portraits (1964)

On Stage (1965)

Feelin' Kinda Blues (1966)

The Golden Sword (1966)

Live And Swinging (1967)

Everywhere (1968)

California Soul (1968)

Eternal Equinox (1969)