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19.06.2018
Auf Streife im Netz

Beschwingende Berliner - die wundersame Geschichte der beiden deutschen Blue-Note-Gründer

In der von Wim Wenders produzierten Doku "It Must Schwing" erzählt Eric Friedler, wie die beiden Musik-Laien Alfred Lion und Francis Wolff eines der bedeutendsten Jazzlabels gründeten.

Auf Streife im Netz, Beschwingende Berliner - die wundersame Geschichte der beiden deutschen Blue-Note-Gründer Auf Streife im Netz - It Must Schwing

Es gibt kaum ein anderes Plattenlabel, das die Entwicklung des modernen Jazz so sehr geprägt hat wie Blue Note Records. Nächstes Jahr feiert das heute von Don Was geführte Label seinen 80. Geburtstag. Rechtzeitig vor dem großen Jubiläum präsentierte nun der preisgekönte Fernsehjournalist und Regisseur Eric Friedler seine von Wim Wenders produzierte Dokumentation "It Must Schwing", in der er die Geschichte der beiden Männer erzählt, die Blue Note Records zu einer weltweit anerkannten Stilikone gemacht haben.

 

Der Witz daran: die beiden Berliner Jugendfreunde Alfred Löw und Frank Wolff, die vor dem Nazi-Regime aus Berlin nach New York geflüchtet waren, verstanden im Grunde von der Musik, die sie förderten, herzlich wenig. Aber das, was den beiden (die sich in den USA in Alfred Lion und Francis Wolff umbenannten) an musikalischem Wissen fehlte, machten sie durch beeindruckenden Enthusiasmus und außergewöhnliche Aufgeschlossenheit schnell wett. Als Ted Fox Alfred Lion für sein Buch "In The Groove: The Men Who Made The Music Business" interviewte, verriet ihm dieser überraschend, dass er den Bebop anfangs überhaupt nicht verstanden hatte: "... ich wusste nicht, was das alles war, weil ich kein Musiker bin, und nie Noten lesen konnte. In all den Jahren, die ich Blue Note hatte, ließ ich mich allein von meinen Ohren und meinem Gefühl leiten. Ich begriff nicht, was es mit dem unterschiedlichen Timing und dergleichen mehr auf sich hatte. Ich hörte nur, dass es anders war. Aber irgendwann begann es bei mir zu klicken und ich konnte es besser hören." Die Hauptsache war, wie es Lion mit seinem schweren deutschen Akzent gerne formulierte, ohnehin: "It must schwing!"

 

Während Alfred für das Label nach immer neuen, überwiegend afroamerikanischen Talenten suchte und dezent im Hintergrund als Produzent die Fäden zog, sorgte Francis als Fotograf zusammen mit dem Grafiker Reid Miles für den einzigartigen Look der Blue-Note-Cover. Komplettiert wurde dieses Team später durch den großartigen Toningenieur Rudy Van Gelder, der über Jahrzehnte für den speziellen Blue-Note-Sound zuständig sein sollte.

 

In dem ebenso lehrreichen wie optisch ausgefeilten Film, der am 2. Juli beim Filmfest in München uraufgeführt wird, kommen zahlreiche Musiker zu Wort, die das Profil des Labels vor allem in den 1950 und 1960er Jahren geschärft haben: darunter Herbie Hancock, Sonny Rollins, Wayne Shorter, Quincy Jones, Benny Golson, Ron Carter, Lou Donaldson und Kenny Burrell, aber auch George Benson, Sheila Jordan Rolf Kühn und natürlich der 2016 verstorbene Rudy Van Gelder in seinem letzten großen Interview. "It Must Schwing" porträtiert auf liebevolle Weise nicht nur die enge, lebenslange Freundschaft zwischen Alfred Lion und Francis Wolff, sondern auch deren in jeder Hinsicht vorurteilsfreie Beziehung zu all den großartigen Künstlern, denen sie eine Plattform boten.