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06.04.2018
ECM Sounds

Kristjan Randalu - gewiefter Improvisator mit feinem Sinn für Strukturen

Im Trio mit Gitarrist Ben Monder und Schlagzeuger Markku Ounaskari hat der estnische Pianist Kristjan Randalu sein brillantes ECM-Debütalbum "Absence" eingespielt.

ECM Sounds, Kristjan Randalu - gewiefter Improvisator mit feinem Sinn für Strukturen Gildas Boclé / ECM Records Randalu, Moder Ounaskari

Auf seinem beeindruckenden ECM-Debütalbum "Absence" präsentiert der estnische Pianist Kristjan Randalu einzigartig stringente, aber dennoch lyrische Musik. Eingespielt hat er sie mit einer eigens für diese Aufnahme zusammengestellten Band mit dem US-Gitarristen Ben Monder und dem finnischen Schlagzeuger Markku Ounaskari. Die Trio-Besetzung wurde ihm von Produzent Manfred Eicher vorgeschlagen, nachdem dieser "Equilibrum", Randalus Duo-Album mit Monder aus dem Jahr 2012, gehört hatte. Die auf "Absence" vorgestellten Kompositionen, die Randalu in der Vergangenheit auch als Solo-Klavierstücke gespielt hat, sind äußerst robust und zugleich flexibel. Bei der Aufnahmesession im südfranzösischen Pernes-les-Fontaines in Südfrankreich legte das Trio nun die Strukturen dieser Kompositionen offen. Gitarre und Schlagzeug beleuchten die Stücke subtil von innen heraus und bringen so ihre Originalität zum Vorschein. Monder und Ounaskari erweisen sich hier unter anderem als hervorragende Koloristen und Gestalter, die mit inspirierten Improvisationen viele der feinen Details hervorheben, die Randalus Kompositionen nur andeuteten.

Wie jede gute Musik widersetzt sich auch die von Randalu einer simplen stilistischen Einordnung. "Kristjans Musik ist wirklich eine eigene Welt", meint Markku Ounaskari. Als gewiefter Improvisator, der über eine außerordentliche Technik verfügt (Herbie Hancock nannte ihn einen "umwerfenden Pianisten", nachdem er ihn 2006 beim Klavier-Wettbewerb des Thelonious Monk Institute of Jazz gehört hatte), fühlt sich Randalu dem Jazz verbunden. Aber die Formen und die Dynamik seiner Stücke offenbaren einen feinen Sinn für Strukturen, den er selbst auf Mentoren wie die estnischen Komponisten Erkki-Sven Tüür und Tõnu Kõrvits zurückführt.
Kristjan Randalus Fähigkeit, sich zwischen Genres und Disziplinen zu bewegen, ist selten: So hat er in den letzten Monaten mit dem Tallinner Kammerorchester neue eigene Musik uraufgeführt, Arvo Pärts "Credo" mit Kristjan Järvi und dem Konzerthausorchester Berlin aufgeführt und Duette mit Dave Liebman gespielt. Es gibt nicht viele zeitgenössische Musiker mit einer solchen Bandbreite.

Als Spross einer musikalischen Familie 1978 in Tallinn/Estland geboren, zog Randalu als Kind mit seiner Familie nach Deutschland. Beide Eltern sind professionelle klassische Pianisten. Und auch Kristjan erhielt früh eine rein klassische Musikausbildung. Seine Prioritäten begannen sich zu ändern, als er mit dreizehn Jahren Chick Coreas "Inside Out" hörte: "Es kam mir so perfekt vor, dass ich erst glaubte, dass es notierte Musik sein musste. Und es hatte all diese rhythmische Energie. Auch die Klänge, Harmonien und Farben waren für mich sehr interessant. Damals hatte ich von der Jazzgeschichte nicht den blassesten Schimmer - ich kannte weder den frühen Miles noch Coltrane, die sollte ich erst später entdecken. Aber ich fühlte mich motiviert, meine eigene Musik mit Klavier und Synthesizer und Sequenzer zu kreieren und hatte bald meine erste Band. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich schon seit Jahren klassische Musik gespielt und ein ziemlich hohes Niveau erreicht, aber es gab eine Lücke zwischen meinen Liszt- und Chopin-Übungen und dem aktiven Umgang mit dem Jazz...." Die Lücke schloss er in den folgenden Jahren durch Studien bei einer Reihe namhafter Pianisten, darunter John Taylor und Django Bates. Ein Stipendium für die Manhattan School of Music ermöglichte ihm dann, die New Yorker Improvisatoren live vor Ort kennenzulernen. Einer von ihnen war der Gitarrist Ben Monder.

"Später kam es mehrmals vor, dass unsere Gruppen - Bens Gruppe und meine Gruppe - nacheinander auf Festivals in Deutschland spielten. Wenn wir uns dort begegneten, unterhielten wir uns immer wieder darüber, etwas zusammen zu machen. Aber das geschah erst, als ein Festivalveranstalter in Estland ein Duo-Konzert vorschlug...."

Markku Ounaskari und Kristjan Randalu spielten erstmals im Rahmen einer Konzertreihe des NDR Seite an Seite. Ounaskari trat damals mit der zweiten Ausgabe seiner Kuára-Gruppe auf, die den Saxophonisten Trygve Seim featurete. Als Seim einige Jahre später sein "Helsinki Songs"-Projekt gründete, lud er sowohl Ounaskari als auch Randalu zur Teilnahme ein (ein ECM Album mit Seim, Randalu, Ounaskari und Mats Eilertsen ist in Vorbereitung).

Ounaskari spielte schon mit so ziemlich allen bedeutenden finnischen Jazzmusikern zusammen, aber auch mit vielen internationalen Jazzgrößen wie Lee Konitz, Kenny Wheeler, Tomasz Stanko und Marc Ducret. Für ECM nahm er mit seinem Trio Kuára (feat. Samuli Mikkonen und Per Jørgensen) 2009 das Album "Psalms And Folk Songs" auf, war darüber hinaus aber auch schon auf vier ECM-Einspielungen der Folksängerin und Kantelespielerin Sinikka Langeland zu hören ("Starflowers", "The Land That Is Not", "The Half-Finished Heaven" und "The Magical Forest").

Ben Monder ist seit über dreißig Jahren als Musiker im Raum New York aktiv und trat mit einer Vielzahl von Künstlern auf, darunter Jack McDuff, Marc Johnson, Lee Konitz, Billy Childs, Andrew Cyrille, George Garzone, Paul Motian, Maria Schneider und Marshall Crenshaw. Weltweite Schlagzeilen machte er als Gitarrist des aufregenden Jazzensembles, das David Bowie 2015 bei der Einspielung seines letzten Albums "Blackstar" begleitete. Bei ECM brachte Monder 2016 sein mit Paul Motian, Andrew Cyrille und Pete Rende aufgenommenes Soloalbum "Amorphae" heraus. Hören kann man ihn auch auf Theo Bleckmanns "Elegy" und Paul Motians "Garden of Eden".

Schon kurz nach der Veröffentlichung des Albums wird Kristjan Randalu mit Ben Monder und Markku Ounasskari vier Konzerte in Deutschland geben:am 26. April tritt das Trio im Karlsruher Tollhaus auf, am 27. April im Bix-Jazzclub in Stuttgart, am 28. April im idyllisch gelegenen Schloss Elmau und am 12. Mai beim Xjazz Festival in Berlin.