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22.03.2018
ECM Sounds

Jakob Bro Quartet - spannender Dialog zwischen zwei Generationen

Nach zwei Trio-Alben für ECM legt der Gitarrist Jakob Bro nun mit "Returnings" eine Quartett-Aufnahme mit Palle Mikkelborg, Thomas Morgan und Jon Christensen vor.

ECM Sounds, Jakob Bro Quartet - spannender Dialog zwischen zwei Generationen Colin Eick / ECM Records Jakob Bro 2018

"Der dänische Gitarrist Jakob Bro kreiert eine magische Musik, die sich jeder Kategorisierung entzieht", schrieb DownBeat in der Besprechung von Bros letztem Album "Streams". Auf "Returnings" entfaltet sich diese Magie noch intensiver, da sich Bro (*1978) und sein musikalischer Seelenverwandter Thomas Morgan (*1981) hier mit zwei lebenden Legenden des europäischen Jazz verbünden: Trompeter Palle Mikkelborg (*1941) und Schlagzeuger Jon Christensen (*1943). Es ist eine geniale Kombination: 
Bros aquarellierende Gitarrenklänge, Mikkelborgs sanftes, manchmal an Miles Davis gemahnendes Flügelhorn, Morgans unfehlbares Gefühl für die richtigen Töne und Christensens freischwebendes Schlagzeugspiel.
Zusammen haben die vier Musiker eines der charmantesten und subtilsten Jazzalben der letzten Zeit eingespielt.

 Das Thema der "Rückkehr" ist dabei von zentraler Bedeutung. Das Album beginnt mit einer neuen Version des Stücks "Oktober", das man von Bros ECM-Debüt "Gefion" kennt. In den letzten Jahren hat seinTrio mit Thomas Morgan und Joey Baron erfreulicherweise eine starke Anhängerschaft gewonnen. Doch der Gitarrist suchte unterdessen auch nach einem Kontext, in dem er seine Zusammenarbeit mit Jon Christensen fortsetzen konnte.

Die Gelegenheit bot ihm nun "Returnings". Zugleich führt das Album Christensen erstmals seit der 2003 gemachten Aufnahme von Terje Rypals "Vossabrygg" wieder mit Palle Mikkelborg zusammen und markiert zudem die Rückkehr des Schlagzeugers nach mehr als einem Jahr Spielpause.

"Ich habe das erste Trio nie als eine einmalige Affäre betrachtet", sagt Bro und merkt an, dass sich das Zusammenspiel von Bassist Morgan mit Christensen von jenem mit Joey Baron unterscheidet.  "Thomas ist in gewisser Weise ein sehr sozialkompetenter Bassist! Er greift Jons Ideen auf, lässt die Melodie besser klingen und begleitet auch jeden von uns in den improvisierten Abschnitten. Es ist unglaublich, was er gleichzeitig macht."

 Das Spiel von Palle Mikkelborg hat Bro schon immer bewundert. "Ich kenne Palle seit meiner Kindheit", sagt er. "Ich habe damals selbst Trompete gespielt und ihm viel zugehört." Beide Musiker leben in Kopenhagen, "und die Szene ist recht klein, so dass wir uns ziemlich oft begegnet sind.
Vor ein paar Jahren sprachen wir darüber, zusammen an einem groß angelegten Chorwerk zu arbeiten. Doch dann entschieden wir, uns zunächst auf mehr improvisierte Musik zu konzentrieren. Also rief ich Jon und Thomas an und lud sie ein, mit uns zu spielen. In dieser Formation haben wir 2014 zwei Konzerte gegeben, die mich wirklich über das Potenzial nachdenken ließen. Ich traf mich alle paar Wochen mit Palle, wir redeten, tranken Wein und spielten ein bisschen, und allmählich kristallisierten sich Ideen für das Album heraus."

 Die Arbeit begannen Bro und Mikkelborg mit dem Titelstück."Der Hauptteil davon geht auf Palles Konto. Er hatte sich eine Komposition ausgedacht, die auf den Buchstaben ECM und Manfred Eichers Namen basierte - in gewisser Weise ähnelt das Stück seiner Komposition ‘Aura’, die er für Miles Davis geschrieben hatte - es ist fast schon eine mathematische Konstruktion. Wir fingen an, darüber zu improvisieren und es zu entwickeln, und es wurde, glaube ich, ein wesentlicher Teil des Programms." Es scheint, als ob in dem Quellcode des Stücks einzelne Stationen der ECM-Geschichte aufblitzen. Und die Art und Weise, wie Christensen und Palle Mikkelborg hier interagieren und sich überlagern, dürfte ältere Hörer an die Tonalitäten und Texturen von ECM-Alben der 70er Jahre erinnern, etwa Terje Rypdals "Waves" und "Descendre". Dennoch hinterlässt Christensens freies Trommeln und die Unabhängigkeit der vier Stimmen, die sich in dem transparenten Mix bewegen, einen tiefen Eindruck von sowohl moderner als auch zeitloser Musik.

 "Ich denke, sie ist zugleich zerbrechlich und stark", sagt Bro über die kontrastierenden Eigenschaften der Musik von "Returnings", "und ich liebe die Art und Weise, wie Jon einen sehr oft mit Rhythmen überrascht, die nicht so offensichtlich akzentuiert sind, wie man es erwarten könnte. Wenn Palle starke Melodielinien spielt, steuert Jon auf seine Weise in eine andere Richtung. Für meine Ohren ist das wirklich interessant."