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24.01.2018
Hugh Masekela

Zum Tod von Hugh Masekela - ein Art Nelson Mandela mit Trompete

Im Alter von 78 Jahren ist der südafrikanische Jazztrompeter Hugh Masekela am 23. Januar in Johannesburg seinem Krebsleiden erlegen.

Hugh Masekela, Zum Tod von Hugh Masekela - ein Art Nelson Mandela mit Trompete Universal Music Hugh Masekela 2018

"Hugh Masekela lehrte mich mehr über südafrikanische Kultur und Politik als irgendwer sonst, dem ich begegnet bin", twitterte der Sänger und Songwriter Paul Simon gestern, als er vom Tod des südafrikanischen Trompeters erfuhr. "Er war nicht nur ein großartiger Musiker und Songschreiber, sondern auch einer der geistreichsten Menschen, die ich je kennengelernt habe. In seiner Gesellschaft war mir nie langweilig."

Mit seiner großen Wertschätzung Masekelas steht Paul Simon freilich nicht allein da. Der Trompeter, den viele den Vater des südafrikanischen Jazz nennen, galt als der führende kulturelle Botschafter seines Heimatlandes, obwohl er dieses wegen des herrschenden Apartheids-Regimes bereits 1960 verlassen hatte und erst dreißig Jahre später - nach der Freilassung Nelson Mandelas - wieder dorthin zurückkehren sollte. In all diesen Jahren hatte sich Masekela - nicht nur in Songs wie "Soweto Blues", "Stimela" und "Bring Him Back Home (Nelson Mandela)" - als einer der schärfsten Kritiker des südafrikanischen Regimes profiliert.

Hugh Ramopolo Masekela kam am 4. April 1939 in der südafrikanischen Stadt Witbank (heute: eMalahleni) zur Welt und begann als 14-Jähriger Trompete zu spielen. Mit dem Pianisten Dollar Brand (a.k.a. Abdullah Ibrahim) gründete er 1959 die Jazz Epistles, die erste südafrikanische Jazzband, die ein Album aufnehmen durfte. Leider blieb es auch bei diesem einen Album. Denn die Apartheids-Politik des südafrikanischen Regierung zwang Masekela - wie so viele seiner Landsleute - kurze Zeit später, ins Exil  zu gehen. Die Gelegenheit dazu erhielt Masekela, als er sich dem Ensemble anschloss, das mit der Aufführung des Musicals "King Kong" (über den schwarzen südafrikanischen Boxer Ezekiel Dlamin, der den Spitznamen "King Kong" hatte) so überwältigenden Erfolg hatte, dass es ins Londoner West End eingeladen wurde. Eine der Sängerin des Ensembles war Miriam Makeba, die später (vorübergehend) Hugh Masekelas Ehefrau werden und mit ihrem Hit "Pata Pata" die Welt erobern sollte.

Da ihn die Londoner Jazzszene enttäuschte, zog Masekela aber schon bald in die USA weiter, wo er an der Manhattan School of Music studierte und durch seinen Freund Harry Belafonte schnell Zugang zur New Yorker Musikszene gewann. Sein Ziel war es damals, bei Art Blakeys Jazz Messengers oder im Quintett von Horace Silver einzusteigen. Doch Dizzy Gillespie, Miles Davis und Louis Armstrong (von dem Masekela 1956 seine erste richtige Trompete erhalten hatte) rieten ihm dazu, seine afrikanischen Wurzeln nicht aus den Augen zu verlieren und lieber eine eigene Band zu gründen. So machte sich Hugh Masekela daran, seine eigene, unverwechselbare Stimme zu entwickeln. Indem er die heiteren Klänge und Mbaqanga-Rhythmen aus den Townships seiner südafrikanischen Heimat mit Jazz, Rhythm’n’Blues, Funk und anderen Stilelementen verquickte, avancierte er mit Alben wie "Trumpet Africaine", "Grrr", "The Americanization of Ooga Booga" und "The Emancipation of Hugh Masekela" zu einem der Pioniere der Weltmusik.

Der große Durchbruch gelang ihm 1968 mit der Single "Grazin’ In The Grass", die ihn völlig überraschend an die Spitze der Billboard Hot 100-Charts katapultierte und ihm auch seine erste Grammy-Nominierung einbrachte (weitere folgten 1989 für "Sarafina! The Music Of Liberation" und 2012 für "Jabulani"). Obwohl sich Masekela immer als Jazzmusiker verstand, tauschte er sich im Laufe seiner Karriere auch mit zahlreichen Größen aus der Popszene aus und teilte die Bühne unter anderem mit Ikonen wie Jimi Hendrix, Janis Joplin und Bob Marley. Paul Simon begleitete er  (zusammen mit seiner Ex-Frau Miriam Makeba)  nicht nur auf dessen "Graceland"-Welttournee, sondern 1990 auch bei der Einspielung des Albums "The Rhythm Of The Saints".

Im selben Jahr konnte Hugh Masekela nach dreißig Jahren im Exil endlich auch in seine Heimat Südafrika zurückkehren. 2004 veröffentlichte er die Autobiographie "Still Grazing: The Musical Journey of Hugh Masekela", die von seinem bewegten Leben erzählt. Parallel erschien als musikalische Retrospektive ein gleichnamiges Album mit Aufnahmen aus den Jahren 1966 bis 1974. Als 2010 in Südafrika die Fußballweltmesiterschaft ausgetragen wurde, war Hugh Masekela im kulturellen Begleitprogramm und bei der Eröffnungsfeier eines der musikalischen Highlights. Sein deutscher Instrumentalkollege Till Brönner, der mit Hugh auch eine eigene WM-Hymne ("Win The World" komponiert hatte, stellte zu dem Ereignis außerdem eine weitere "Best Of"-Kollektion (u.a. mit neuen Remixen von Jazzanova) zusammen. Das letzte Album, das von Hugh Masekela zu Lebzeiten erschien, war 2016 "No Borders", auf dem er noch einmal leidenschaftlich für eine Welt ohne Schranken und Musik ohne Stilgrenzen eintrat.