Jazz Newsletter

Wir versenden wöchentlich den aktuellen Jazzecho Newsletter. Um keine Neuigkeit zu verpassen, können Sie sich gern hier mit Ihrer eMail-Adresse registrieren. Der Newsletter kann jederzeit wieder abbestellt werden.

OK

Labels

Im Bereich Labels finden Sie Informationen zu den wichtigsten und bekannstesten Jazzlabels der Welt:

Artikel

19.01.2018
ECM Sounds

John Surman, Nelson Ayres & Rob Waring - transatlantisches Traum-Trio

Auf "Invisble Thread" stellt der britische Saxophonist und Klarinettist John Surman sein faszinierendes neues Trio mit Pianist Nelson Ayres und Vibraphonist Rob Waring vor.

ECM Sounds, John Surman, Nelson Ayres & Rob Waring - transatlantisches Traum-Trio Anne Valeur / ECM Records Rob Waring, Nelson Ayres , John Surman

Das außergewöhnliche Trio präsentiert dabei ein Programm mit fesselnden Kompositionen, deren stimmungsvolle Themen zu subtilen instrumentalen Interaktionen einladen. Die Geschichte dieses Projekts begann im Prinzip 2005, als John Surman mit Jack DeJohnettes Band The Ripple Effect spielte.

Dabei entwickelte der britische Saxophonist eine besonders enge musikalische Verbundenheit zu der Sängerin Marlui Miranda. Diese lud ihn dann später dazu ein, sie in ihrer Heimat Brasilien zu besuchen und an einer Aufnahme mitzuwirken, die von Liedern des im Amazonasbecken lebenden Juruma-Stammes inspiriert waren. Bei diesen Sessions wiederum lernte Surman den Pianisten Nelson Ayres kennen.

Ayres genießt in Brasilien hohes Ansehen als Arrangeur, Komponist und Solist. Einen Namen machte er sich nicht nur durch seine Arbeit mit heimischen Größen wie Airto Moreira, Milton Nascimento, Chico Buarque, César Camargo Mariano und Astrud Gilberto, sondern auch durch das Zusammenspiel mit durchreisenden internationalen Künstlern wie Dizzy Gillespie, Benny Carter oder Anat Cohen. Ayres leitete in den 1970er und 80er Jahren eine eigene Bigband und wurde Anfang der 90er Jahre zum Dirigenten und künstlerischen Leiter des Orquestra Jazz Sinfônica do Estado de São Paulo berufen, wo er eine brasilianische Orchesterästhetik in die zeitgenössische Musik einbrachte und oft mit Jazzsolisten arbeitete. Am besten bekannt ist er aber vielleicht durch seine Zugehörigkeit zu der Band Pau Brasil.

Die Erfahrung des gemeinsamen Musizierens, sowohl live als auch auf Marlui Mirandas Album "Fala de Bicho, Fala de Gente", weckte bei Surman und Ayres den Wunsch nach einer weitergehenden Zusammenarbeit. Zunächst begann John damit, Material für ein Duo-Album zu entwerfen. "Aber kaum dass ich mit dem Schreiben angefangen hatte, hörte ich in meinem Kopf eine dritte musikalische Stimme." Diese dritte Stimme sollte die von Rob Waring sein, einem in New York geborenen Mallet-Spieler, der heute, wie Surman selbst, in Norwegen lebt.

Rob Waring, den man bei ECM zuletzt auf Mats Eilertsens Album "Rubicon" hören konnte, ist schon seit 1981 in Oslo zu Hause. Seine Arbeit umfasst ein breites Spektrum an musikalischen Ansätzen und Stilen. Er studierte klassische Perkussion an der Juilliard School und spielte seitdem Jazz und improvisierte Musik unterschiedlichster Ausprägung. 2002 studierte er Musik auf Bali, eine Erfahrung, die ihm als Inspirationsquelle für seine eigene Musik dient. Waring war von 1986 bis 2006 Mitglied der experimentellen Jazzband Søyr und hat mit David Friedman, Jon Eberson, Misha Alperin und vielen anderen Musikern gespielt und aufgenommen sowie Auftragswerke für Solisten, Kammerensembles, Jazzgruppen und Chöre komponiert. Auch mit elektroakustische Musik setzte er sich schon auseinander.

Bedingt dadurch, dass Nelson Ayres 10.000 Kilometer von Oslo entfernt lebt, hatte Surman kaum Gelegenheit das neue Material bei Konzerten zu testen: "Nelson und ich haben es geschafft, uns für ein paar Tage in São Paulo zu treffen, um ein paar Ideen auszuprobieren. Einige davon habe ich dannspäter mit Rob in Oslo durchgespielt. Schließlich, ein paar Tage vor der Aufnahme, kam Nelson in Oslo an und wir konnten zum ersten Mal als Trio zusammenspielen. Glücklicherweise kamen wir im Trio sofort wunderbar miteinander zurecht - vielleicht, weil wir ein breites Spektrum an musikalischen Interessen teilen. Wir alle haben zwar einen Background in Jazzimprovisation. Aber Nelson verfügt zudem über einen reichen Erfahrungsschatz mit  brasilianischer Instrumentalmusik, während Rob durch seine Arbeit als klassischer Perkussionist und sein Interesse an vielen Arten von zeitgenössischer Musik noch eine weitere Farbe beisteuert."

Nahezu alle Kompositionen wurden eigens für dieses Album geschrieben.

Die einzige Ausnahme ist das Stück "Stoke Damerel", benannt nach der Gemeinde in Plymouth, in der Surman einst lebte. Die Nummer gehörte zum Konzertprogramm des Duos, das Surman einst mit dem Organisten Howard Moody unterhielt (und das 2008 das Album "Rain On The Window" für ECM einspielte). Zwei Stücke entstanden erst während der Aufnahmesession:

"Nachdem wir 'Byndweed' eingespielt hatten, beschlich uns das Gefühl, dass der harmonische Gehalt des Stücks noch etwas weiter ausgelotet werden könnte. Wir haben uns das angesehen, und Manfred schlug dann vor, eine Art Choral aus den Harmonien zu machen. So entstand aus dieser Idee zuerst das Stück mit dem Titel 'At First Sight' und danach auch noch 'Another Reflection'..."