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17.01.2018
JazzEcho-Plattenteller

Es war einmal vor 60 Jahren - Monk meets Coltrane

Gut, dass das kein Märchen war: Zum 60. Jahrestag des wiederentdeckten Carnegie-Hall-Konzerts von Thelonious Monk und John Coltrane wird die Aufnahme als Doppel-LP veröffentlicht.

JazzEcho-Plattenteller, Es war einmal vor 60 Jahren - Monk meets Coltrane JazzEcho Plattenteller - Monk und Coltrane

Es gibt sie. Diese magischen Momente, an denen alles, was zusammenkommen muss, tatsächlich zusammenkommt. Und mehr noch: Damit all jene, denen das Geschenk, zur rechten Zeit am rechten Ort Augen- und Ohrenzeuge gewesen zu sein, nicht leibhaftig zuteilwurde, überhaupt die Chance haben, sich an diesen glücklichen Umständen dennoch laben und weiden können, muss irgendwann irgendwer irgendwo und irgendwie auf einen Aufnahme-Knopf gedrückt haben. Aber damit immer noch nicht genug: Wie der Fall jener hier vorliegende Aufnahme zeigt, bedurfte es zudem noch eines hocherfahrenen Trüffelschweins, die Tondokumente überhaupt wiederentdecken zu können. 

 

Aber von vorn. Um die bereits vor über zwölf Jahren stattgefundene und damals angemessen breitgetretene Geschichte nicht noch einmal in voller Länge nacherzählen zu müssen: Der mit der Digitalisierung von ca. 50.000 analogen Tonbändern des Radiosenders Voice of America beauftragte Larry Appelbaum stolperte im Jahre 2005 über Aufnahmen, die Voice of America laut Beschriftung am 29. November 1957 in der Carnegie Hall mitgeschnitten hatte. Ihr überraschender Inhalt: Ein Auftritt des Thelonious Monk Quartetts in seiner damaligen Besetzung mit Ahmed Abdul-Malik am Bass, Shadow Wilson am Schlagzeug und – jetzt kommt’s – keinem Geringeren als John Coltrane am Saxophone.

 

Was Appelbaums Entdeckung so besonders macht, hat nicht nur damit zu tun, dass es das Quartett in dieser Form eigentlich nur ein knappes halbes Jahr gab – und die gemeinsamen Veröffentlichungen zweier DER Jazz-Giganten des 20. Jahrhunderts eh nicht wie Sand am Meer zu finden sind. Neben dem Album "Thelonious Monk with John Coltrane" gehören die neun Titel der insgesamt gut 50-minütigen Carnegie-Hall-Aufnahmen zu den mit Abstand qualitativ besten, die von einer Kollaboration der beiden überhaupt existieren.

 

Auf keiner anderen (bislang) bekannten Aufnahme der beiden zeigt Coltrane – zu diesem Zeitpunkt tatsächlich ein Protegé Monks – ein besseres und musikalischeres Verständnis für die bis heute außergewöhnlichen Idiosynkrasien des Monk’schen Kompositions-Kosmos: Harmonisch far out, rhythmisch hochkomplex und dennoch fast schon spielerisch handhabt Coltrane die Verantwortung des einzigen Melodieinstrumentes mit bewundernswerter Lässigkeit. Vieles von dem, was ihn in den darauffolgenden zehn Jahren zu dem wohl einflussreichsten Jazz-Musiker neben Miles Davis werden ließ, ist hier in Ansätzen schon zu hören.

 

Zum 60. Jubiläum des Tondokuments wurden die bereits im Jahr der Wiederentdeckung als CD veröffentlichten Aufnahmen nun als Doppel-LP neu aufgelegt. Dem (heimlichen) Anspruch eines Must-Have-Jazz-Klassikers wird die Vinyl-Variante noch gerechter: das dickpappige Gatefold-Cover mit sämtlichen Liner-Notes der Erstveröffentlichung als auch die schweren, für mehr analoge Nachhaltigkeit stehenden 180g-Scheiben sprechen eine eindeutige Sprache. Dass hier ein Download-Code für den digitalen Spaß – zum Beispiel unterwegs – beiliegt, macht die Ausgabe für den Fan umso essentieller.