Jazz Newsletter

Wir versenden wöchentlich den aktuellen Jazzecho Newsletter. Um keine Neuigkeit zu verpassen, können Sie sich gern hier mit Ihrer eMail-Adresse registrieren. Der Newsletter kann jederzeit wieder abbestellt werden.

OK

Labels

Im Bereich Labels finden Sie Informationen zu den wichtigsten und bekannstesten Jazzlabels der Welt:

Artikel

02.11.2017
ECM Sounds

Michael Mantler - Song-Zyklus über die politische Verkommenheit der Welt

Auf seinem neuen Album "Comment c’est" setzt sich der Trompeter Michael Mantler erstmals konkret und auf faszinierende Weise mit weltpolitischen Themen auseinander.

ECM Sounds, Michael Mantler - Song-Zyklus über die politische Verkommenheit der Welt © ECM Records Michael Mantler

In seiner ganzen Karriere hat sich Michael Mantler stets bemüht, seine Musik abstrakt zu halten und sie nicht in einen direkt Zusammenhang mit Ereignissen aus der Weltpolitik oder seinem persönlichen Leben zu stellen. "Rückblickend muss ich sagen, dass mir das nicht immer gelungen ist", räumt der Trompeter und Komponist ein. "Schließlich nahm ich an frühen Projekten von Charlie Hadens Liberation Music Orchestra teil. Aber für mich zählte die musikalische Erfahrung immer mehr als das Verkünden politischer Ansichten. Natürlich marschierte man damals mit auf Washington, demonstrierte gegen den Vietnamkrieg und war im Allgemeinen gegen die Regierung, die Wirtschaft und das Establishment." Doch die ungeheuerlichen Ereignisse der letzten Zeit könne er nicht mehr länger ignorieren. "Es ist schlicht und einfach unmöglich geworden, weiterhin Musik zu machen, ohne auf diese überwältigende und allgegenwärtige Atmosphäre von Hass, Gier und Korruption zu reagieren." Auf seinem neuen Album "Comment c’est" ("Wie es ist") befasst sich Michael Mantler daher erstmals ganz konkret mit einer Reihe von ernsten Themen wie Krieg, Terrorismus, Geiselnahmen, Migration, Armut, Angst und dem generell bedauerlichen Zustand unserer heutigen Welt.

"Comment c'est" ist ein Song-Zyklus, den er in den letzten Jahren für eine weibliche Stimme und Kammerorchester geschrieben hat. Die Songs sollten in Französisch sein, weil diese Sprache - so Mantler - per se schon wunderbar melodisch ist. Außerdem wollte er unbedingt eine französische Popsängerin mit einer bestimmten Art von Stimme in einem für sie ungewöhnlichen und ernsthaften Kontext verwenden. "Als das Projekt dann endlich Gestalt anzunehmen begann, stieß ich glücklicherweise auf Himiko Paganotti, eine sehr interessante französische Electro-Pop/Jazz-Sängerin." Sie erwies sich als perfekte Wahl, da sie sowohl in musikalischer als auch emotionaler Hinsicht über eine enorme Bandbreite verfügt. Vorgestellt hatte sie ihm sein alter Kollege John Greaves, der mit Himiko bei verschiedenen Gelegenheiten zusammengearbeitet hatte, u.a. in der französischen Kult-Rock-Jazz-Band Magma. Bei einem Auftritt mit dem Chaos Orchestra von Daniel Yvinec (der von 2008 bis 2013 auch das Orchestre National de Jazz leitete) und Arnaud Petit betraten Mantler und Paganotti 2014 in Paris erstmals gemeinsam eine Bühne. Aus der Kollaboration ging das umfangreiche Werk "Oiseaux de Guerre" ("Kriegsvögel") hervor, das sich mit den Gräueltaten des Irakkrieges auseinandersetzte. Das brachte Mantler auf die Idee, sich selbst einmal mit ähnlichen Themen in dem eigenen Projekt "Comment c’est" zu beschäftigen.

Zur Seite stellte Mantler Himiko Paganotti das MAX BRAND Ensemble unter der Leitung von Christoph Cech, mit dem er 2014 schon bei der Einspielung des Albums "The Jazz Composer’s Orchestra Update" zusammengearbeitet hatte. Das MAX BRAND Ensemble, ein niederösterreichisches Ensemble für Neue Musik, spielt hier in der Besetzung mit Flöte, Oboe, Klarinette, Bassklarinette, Horn, Tuba, Streichquintett und Vibraphon/Marimba. Als Solisten treten außerdem natürlich Michael Mantler mit seiner Trompete und der Pianist David Helbock in Erscheinung. "Ich wollte eigentlich immer nur Musik machen, die schön ist und vielleicht etwas offenbart, das tief in uns allen steckt", meint Mantler abschließend. "Aber mit dieser Musik hoffe ich, nicht nur diese schwer fassbaren Gefühle zu artikulieren, sondern auch konkreter zu erzählen, wie es ist, was in der Welt so abgeht."