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20.10.2017
Various Artists

Sylvain Rifflet – viel mehr als ein Getz-Tribut

Als Vorbild für sein Album “Re-Focus” diente dem französischen Saxophonisten Sylvain Rifflet Stan Getz’ Meisterwerk “Focus”.

Various Artists, Sylvain Rifflet – viel mehr als ein Getz-Tribut Sylvain Rifflet - "Refocus"

Unter Musikern ist es nicht unüblich, dass sie, sobald sie ein neues Album herausbringen, dieses als ihr Lieblingsalbum (lies: ihr bestes) bezeichnen. Oft genug dienen solche Sprüche vor allem dem Zweck, die Verkäufe des neuen Werks anzukurbeln. Manchmal meinen die Künstler dies aber auch wirklich so. Der Tenorsaxophonist Stan Getz etwa deklarierte sein 1961 aufgenommenes Album "Focus", auf dem er mit dem Komponisten und Arrangeur Eddie Sauter zusammengearbeitet hatte, als sein persönliches Lieblingsalbum. Das eher Ungewöhnliche war: dabei blieb Getz auch, obwohl er danach noch so überaus populäre, hochdekorierte und exzellente Alben wie etwa "Jazz Samba", "Getz/Gilberto" oder, kurz vor seinem Tod 1991, "People Time" einspielte.

 

In einem Nachruf auf Stan Getz stieß der damals 15-jährige französische Saxophonist Sylvain Rifflet auf die Geschichte von "Focus" und fasste spontan den Entschluss, irgendwann einmal selbst ein solch ambitioniertes Album aufzunehmen. Nun, 26 Jahre später, konnte er diesen Jugendtraum auf "Re-Focus" endlich verwirklichen.

 

Obwohl er sein Album "Re-Focus" betitelte, hat Rifflet hier keine Neuinterpretation der seinerzeit von Eddie Sauter komponierten und arrangierten Suite vorgenommen. Stattdessen schrieb er selbst - wenn auch im Geiste des Originals - eine ganz eigene neunteilige Suite. Sauter hatte die Orchesterarrangements 1961 wie für ein schlankes und agileres Streicherquartett geschrieben, weil er die Musik nicht mit der schweren "sirupartigen Süße" überziehen wollte, die viele andere "Jazz with Strings"-Einspielungen charakterisierte. Dem Solisten Getz (und in einem Stück Schlagzeuger Roy Haynes) ließ er bei den Improvisationen weitgehend freie Hand. Das Resultat war eine außergewöhnliche Symbiose aus jazziger Improvisation und klassischer Musik.

 

Die Arrangements von Rifflets Stücken übernahm Fred Pallem, mit dem der Saxophonist schon seit Jahren regelmäßig zusammenarbeitet. "Er ist ein exzellenter Arrangeur, der immer die richtigen Ideen hat", sagt Rifflet, "und auch ein Freund, der nie ein Blatt vor den Mund nimmt und einem immer sagt, was er von den Sachen hält, die man ihm vorlegt. Er ließ mich einige Sachen klarer sehen und brachte Ordnung in die Dinge."

 

Eingespielt wurde das Album von Rifflet dann mit dem Kontrabassisten Simon Tailleu (u.a. Yaron Herman, Stéphane Belmondo, Bireli Lagrene) und Schlagzeuger Jeff Ballard (u.a. Brad Mehldau, Chick Corea, Pat Metheny) sowie dem Ensemble Appassionato von Mathieu Herzog. So wie einst Stan Getz mit "Focus" hat Sylvain Rifflet nun mit "Re-Focus" ein gleichermaßen ambitioniertes wie persönliches Album geschaffen, das sein musikalisches Genie besser zeigt denn je zuvor. Wer vergleichen möchte: Sylvain Rifflets Album "Re-Focus" bei iTunes (www.umgt.de/mKNWw3) und Amazon Digital (www.umgt.de/pKCYlBv), Stan Getz’ Album "Focus" bei iTunes (www.umgt.de/PWtCiPY) und Amazon Digital (www.umgt.de/uC5xKAS).