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28.09.2017
Ella Fitzgerald

Traum-Projekt - Ella im Geigenhimmel

Zur Feier von Ella Fitzgeralds 100. Geburtstag organisierte das Verve-Label ein posthumes Zusammentreffen mit dem London Symphony Orchestra.

"Die Lady, die Songs besser singt als irgendjemand sonst!", mit diesen Worten kündigte Frank Sinatra, selbst als "The Voice" bekannt, bei einem Konzert seine Duett-Partnerin Ella Fitzgerald an. Sinatra gehörte zu den Sängern, denen es vergönnt war, mehrfach mit der "First Lady of Song" die Bühne teilen zu dürfen. Andere waren Louis Armstrong, der mit Ella zudem ein paar gemeinsame Alben aufnahm, Nat King Cole, Joe Williams und Mel Tormé. Doch viele andere Jazzsänger konnten von einer solchen Chance nur träumen.

So wie Gregory Porter, der seine Karriere just zu dem Zeitpunkt begann, als Ella ihre wegen schwerer gesundheitlicher Probleme gerade beenden musste. Die beiden hätten sicherlich ein musikalisches Traumpaar abgegeben und sich auch sonst hervorragend verstanden. Dank moderner Studiotechnik konnte nun verwirklicht werden, was zu Ellas Lebzeiten leider nicht mehr möglich war, denn anlässlich des 100. Geburtstags der Sängerin spendierte das Verve-Label ihr ein posthumes Zusammentreffen mit einem der berühmtesten klassischen Orchester der Welt, dem London Symphony Orchestra, an dem als Gaststar eben auch Gregory Porter teilnehmen durfte.

Für die aufwändige Produktion arrangierten Produzent James Morgan und seine Frau Juliette Pochin (Alfie Boe, Katherine Jenkins) sowie Jorge Calandrelli (Michael Bublé, Tony Bennett, Lady Gaga) ein rundes Dutzend Jazzklassiker, denen Ella mit ihrer Stimme einst Unsterblichkeit verliehen hatte, vollkommen neu und nahmen sie danach mit dem London Symphony Orchestra in den legendären Abbey Road Studios auf. Das LSO, das in seiner langen Geschichte nicht nur Klassik mit zahllosen berühmten Dirigenten aufführte und einspielte, sondern auch Filmmusik („Star Wars"), Pop und Jazz, zeigt auch zusammen mit Ella Fitzgerald einmal mehr, warum es zu den besten Orchestern der Welt gezählt wird.

"Wir haben bewusst die frühen Aufnahmen ausgewählt, die Ella für Decca und Verve gemacht hatte, weil uns Mono-Tracks besser ermöglichten, den Klang umzugestalten", sagt Juliette Pochin. "Diese frühen Aufnahmen waren sehr sparsam, oft wurde Ella nur von Ellis Larkin am Klavier begleitet oder von einer kleinen Band mit ihrem Ehemann Ray Brown am Bass. Die minimale Instrumentierung eröffnete uns eine Menge Möglichkeiten für die neue Orchestrierung." Großer Wert wurde darauf gelegt, die Originalaufnahmen nur so zu erweitern, dass die neuen Arrangements ihnen zusätzliche Farbe und Wärme verliehen, sie aber nicht dominierten.

Neu überarbeitet wurden für das Album auch zwei von Ellas fabelhaften Kooperationen mit Louis „Satchmo" Armstrong: die beiden Gershwin-Klassiker "They Can’t Take That Away From Me" und "Let’s Call The Whole Thing Off". Und dann ist da schließlich das bereits erwähnte Duett mit Gregory Porter, mit dem Ella in einer unter die Haut gehenden Interpretation von "People Will Say We’re In Love" zu hören ist.

"In meinen Augen ist Ellas Einfluss auf den heutigen Jazz über alle Maße bedeutend, da viele Sänger und Sängerinnen versuchen, die Klarheit und Schönheit ihres Sounds zu erreichen", sagt der zweifache Grammy-Gewinner. "Sie hatte diese umwerfende, unverfälscht helle Stimme, aber sie konnte einen Song auch richtig dreckig klingen und sich gehen lassen und sich in eine Blues-Sängerin verwandeln." Zu Ellas vielen Facetten ist jetzt also noch eine neue hinzugekommen: die der Sängerin vor einem klassischen Orchester von Weltruf.