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15.09.2017
ECM Sounds

Stefano Battaglia - Musik von hypnotischer Anziehungskraft

Mit den brennenden zeitgenössischen Themen "Exil" und "Migration" setzt sich der italienische Pianist Stefano Battaglia musikalisch auf seinem Soloalbum "Pelagos" auseinander.

ECM Sounds, Stefano Battaglia - Musik von hypnotischer Anziehungskraft © Luca d'Agostino / ECM Records Stefano Battaglia

Wie Stefano Battaglias bisherige ECM-Alben zeigen, hält sich der Pianist nie allzu lange an einem musikalischen Ort auf. Mal interpretierte er auf "In The Morning" Songs des amerikanischen Komponisten Alec Wilder neu, dann widmete er auf "Pastorale" ein Programm improvisierter Duette mit Michele Rabbia der Tänzerin und Choreografin Pina Bausch, kreierte auf "Raccolto" aus dem Moment heraus neue Strukturen mit dem Violinisten Dominique Pifarély, ließ sich für "The River Of Anyder" und "Songways" von mythischen und legendären Orten inspirieren oder zeichnete auf "Re: Pasolini" die vielen verschiedenen Stationen der Biografie des italienischen Universalgelehrten nach. Kulturelle und andere Einflüsse strömen in seine Musik aus sehr unterschiedlichen Richtungen ein.

"Pelagos", sein neues Klavier-Solo-Doppelalbum, das letztes Jahr in der Fazioli Concert Hall im italienischen Sacile aufgenommen wurde, ist eine ausgedehnte Meditation über die Themen Exil und Migration. "Die Realität legt einem manchmal Improvisationen oder ein ausgewogenes Repertoire nahe", merkt Battaglia an. Titel einzelner Stücke liefern einem gewisse Anhaltspunkte, um was es in ihnen geht.

Abgesehen von dem traditionellen arabischen Lied "Lamma Bada Yatathanna", das seine historischen Wurzeln im maurischen Andalusien hat und hier in zwei Variationen zu hören ist, stammt die gesamte Musik des Albums von Battaglia. "Pelagos", "Halap", "Exilium", "Migration Mantra" und "Ufratu" sind Kompositionen des Pianisten. Die restlichen Stücke wurden spontan improvisiert, obwohl Battaglias ausgeprägtes Formgefühl selbst die aus dem Stegreif gespielten Stücke wie komponierte wirken lässt. Die Musik des Albums wurde im Mai 2016 an nur einem Tag teils bei einem Konzert, teils bei einer Session hinter verschlossenen Türen in der Fazioli Concert Hall aufgenommen und später von Produzent Manfred Eicher zu einer, wie Battaglia sich ausdrückt, "wunderbaren neuen Form mit einer komplett neuen Dramaturgie" umarrangiert.

Stefano Battaglia spielt auf "Pelagos" sowohl einen ganz normalen Flügel auch ein präpariertes Klavier (manchmal sogar simultan) und schöpft die bemerkenswerte Bandbreite der Klangfarben in melodisch und texturell einfallsreichen Stücken aus. Einige besitzen eine geradezu hypnotische Anziehungskraft und ihr assoziativer Referenzrahmen scheint sich von ritueller Musik über traditionelle Songs und zeitgenössische Komposition bis zum modalen Jazz zu spannen. Obwohl Battaglia selbst jegliche stilistische Einordnung ablehnt. "Seit Jahren neige ich dazu zu vereinfachen", hat er einmal gesagt, "strebe nach einer 'Ent-Idiomatisierung' des musikalischen Universums und stelle mir Musik insbesondere als universelle Metasprache vor, die wirklich grenzenlos ist, nicht nur den Worten nach, sondern tatsächlich."

Mit dem Doppelalbum "Pelagos"ist Stefano Battaglia diesem Ziel einen großen Schritt näher gekommen.