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08.09.2017
Gregg Allman

Ein Album für die Ewigkeit - Gregg Allmans letztes Werk

Mit "Southern Blood" hat das Rock'n'Roll-Urgestein Gregg Allman kurz vor seinem Tod ein bemerkenswert kraftvolles musikalisches Testament verfasst. 

Als Gregg Allman am 27. Mai 2017 starb, trat einer der letzten echten Rock'n'Roller von der Bühne des Lebens ab. Obwohl der Sänger, Keyboarder und Songwriter immer stärker mit seiner Leberkrebserkrankung zu kämpfen hatte, arbeitete er bis buchstäblich zum letzten Atemzug fieberhaft daran, noch ein neues Studioalbum fertigzustellen. "Southern Blood" geriet so zum bemerkenswert kraftvollen musikalischen Testament eines Künstlers, der über mehr als fünf Jahrzehnte hinweg den Rock'n'Roll mitgeprägt hat. Da Allman sich darüber im Klaren war, dass ihm nicht mehr viel Zeit vergönnt war, ging er das Projekt mit einer realistischen Agenda an. Ganz oben auf der Liste seiner Ziele stand, den Sound seiner letzten Band ungebremst einzufangen. Denn von all den Bands, mit denen er in seiner langen Solokarriere zusammengespielt hatte, betrachtete er diese als seine beste. Mit ihr hatte er genau dort angeknüpft, wo er mit der Allman Brothers Band 2015 aufgehört hatte. Zwei Jahre lang tourte Gregg mit dem achtköpfige Ensemble durch die Welt und trat u.a. bei dem von ihm zuletzt jährlich kurierten Laid Back Festival auf. Das 2015 erschienene CD/DVD-Set "Back To Macon, GA" dokumentierte die Power, die diese Band live zu entfesseln verstand. Doch Allman wollte unbedingt noch sehen, was er mit derselben Besetzung in einem Studio anstellen konnte.

Besonders wichtig war Gregg Allman aber auch, das Album in den weltbekannten Fame Studios in Muscle Shoals/Alabama aufzunehmen. "In den annähernd fünfzehn Jahren, die ich mit Gregg gearbeitet habe, sagte er mir immer wieder, wie sehr er sich danach sehnte, nach Muscle Shoals zurückzukehren", verrät sein Freund und Manager Michael Lehman. "Er meinte ständig, dass er noch einmal in die Fame Studios gehen müsse, um den Kreis zu schließen." "Muscle Shoals ist geheiligte musikalische Erde", fügt Produzent Don Was an. "Fame war der Ort, von dem Greggs Bruder Duane erste Schockwellen in die Musikwelt aussandte und wo in einem Hinterzimmer bei ersten bahnbrechenden Proben die Samen für die Allman Brothers Band gesät wurden. Duanes Präsenz ist in dem Gebäude immer noch allgegenwärtig. Dort aufzunehmen ermöglichte Gregg Duanes Geist zu einem Teil dieses Albums zu machen, auf dieselbe Weise wie sein Geist auch immer ein Teil von Greggs Leben war."

Duanes Einfluss ist auf dem ganzen Album spürbar: angefangen bei Jackson Browns "Song For Adam" - dessen letzte Strophe, so sagt Was, Gregg an das viel zu frühe Ableben seines älteren Bruders erinnerte - bis zu dem coolen, funkigen "Blind Bats And Swamp Rats", das auf dem 1970 von Duane produzierten Album "Ton-Ton Macoute!" des Blues-Gitarristen Johnny Jenkins erschienen war. Allman, Was und Lehman investierten viel Zeit, um das musikalische Programm für "Southern Blood" zu entwerfen. Mit Sorgfalt suchten sie das Material aus, das den Moment einfangen und gleichzeitig als eine Synopsis eines unbestreitbar außergewöhnlichen Lebens dienen sollte. Songs wie Bob Dylans "Going, Going, Gone" und Tim Buckleys unsterbliches "Once I Was" gaben Allman Gelegenheit, auf die Zeit, die er auf der Erde verbracht hatte, zurückzublicken und zugleich über die Reise zu sinnieren, die noch vor ihm lag. Ausgewählt wurden Songs (u.a. aus der Feder von Willie Dixon, Jerry Garcia und Lowell George), die Greggs Stimmung am besten zu reflektieren schienen und den Punkt markierten, an dem er in seinem Leben in persönlicher und professioneller Hinsicht stand. Gemeinsam mit Scott Sharrard, dem Gitarristen und musikalischen Leiter seiner Band, steuerte Allman zwei Highlights zu dem Repertoire von "Southern Blood" bei: das freimütige "My Only True Friend" und "Love Like Kerosene".

Auch wenn "Southern Blood" unter anderen Umständen eingespielt worden wäre, würde das Album als eine der besten Aufnahmen von Gregg Allman in die Musikgeschichte eingehen - selbst wenn man die Klassiker dazuzählt, die er mit der Allman Brothers Band gemacht hat. Mit "Southern Blood" hat sich einer der letzten Riesen des Rock'n'Roll selber ein hoch aufragendes Denkmal errichtet, das für immer Bestand haben sollte.