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13.07.2017
Charles Lloyd

Bilanz mit bahnbrechender Band - neues Livealbum von Charles Lloyd

Charles Lloyd, Bilanz mit bahnbrechender Band - neues Livealbum von Charles Lloyd D. Darr

Charles Lloyd kennt man in der Jazzszene seit einem halben Jahrhundert als philosophischen Feingeist mit einem gewissen Hang zu Mystizimus und Spiritualität. Ein Mann plakativer Worte war der Saxophonist nie. Doch sein mittlerweile nicht mehr ganz so neues New Quartet mit Pianist Jason Moran, Bassist Reuben Rogers und Schlagzeuger Eric Harland bezeichnet er ohne rot zu werden als "eine bahnbrechende Band, die unerreicht ist". "Hoppla", mag sich da mancher denken, "ist das etwa derselbe Charles Loyd, der in den 1960ern mit Cracks wie Gábor Szabó, Ron Carter und Tony Williams zusammenspielte und jenes fabelhafte Quartett mit Keith Jarrett, Cecil McBee und Jack DeJohnette leitete?" Er ist es. Und auch danach umgab  sich Lloyd niemals mit Musikern der zweiten Garnitur.

 

Zuletzt etwa nahm er für Blue Note spannende Projekte mit Pianist Gerald Clayton, Bassist Joe Sanders, Schlagzeuger Gerald Cleaver, dem griechischen Lyra-Virtuosen Sokratis Sinopoulos und dem ungarischen Zymbal-Maestro Miklós Lukács ("Wild Man Dance") sowie mit u.a. Bill Frisell, Greg Leisz, Norah Jones und Willie Nelson ("I Long To See You") auf. Doch für sein neues Album "Passin’ Thru" tat sich der 79-jährige Saxophonist einmal mehr mit seinem vor gut zehn Jahren gegründeten New Quartet zusammen, mit dem er für ECM Records zwischen 2007 und 2010 die drei Meisterwerke "Rabo De Nube", "Mirror" und "Athens Concert" aufgenommen hatte.

 

Lloyd erklärt, warum er nun mit "Passin' Thru" ein neues Kapitel im Leben dieser Band aufgeschlagen hat: "Es ist ein kleiner Planet, und wir befinden uns hier nur auf der Durchreise zu dem Einen", sagt er. "Hin und wieder gelangt man bei dieser Reise an entscheidende Kreuzungen. Dieses Quartett mit Jason, Reuben und Eric fand im April 2007 auf sehr organische Art zueinander. Nach den ersten Tönen unseres ersten Konzertes wusste ich schon, dass es eine magische Formation war." Im Sommer 2016 trommelte Lloyd das New Quartet für seine erste ausgedehnte Tour in Jahren zusammen. Tatsächlich beginnt "Passin’ Thru" mit dem ersten Song, der auf dieser Tournee gespielt wurde: "Dream Weaver" wurde 2016 beim Montreux Jazz Festival aufgezeichnet. Die restlichen sechs Stücke wurden im selben Jahr im Lensic Theater in Santa Fe/New Mexico bei einem sublimen Konzert aufgenommen, das Lloyd - so wie übrigens auch das gesamte Album - seiner im Herbst 2014 verstorbenen Freundin Judith McBean gewidmet hat. "Shiva Dreams", die letzte Nummer des Albums, war - so sagt Lloyd -  "ein Gebet und eine Meditation für sie".

 

Das Repertoire setzt sich zusammen aus überarbeiteten Klassikern ("Passin’ Thru", "Dream Weaver", "How Can I Tell You" und "Tagore On The Delta") und neueren Kompositionen  ("Part 5, Ruminations","Nu Blues" und "Shiva Dreams") des Saxophonisten zusammen. Auf die Frage, weshalb er für "Passin’ Thru" Songs aus seiner Vergangenheit einer neuerlichen Reflexion unterzog, antwortet Lloyd: "Die Lieder sind meine Kinder. Die Kinder sind aufgewachsen und haben das Haus verlassen. Ich besuche sie von Zeit zu Zeit in verschiedenen Ecken der Welt. ‘Passin’ Thru’ und ‘Dream Weaver’ sind nur zwei meiner vielen Kinder. Sie verließen das Haus und kehrten zurück. Ich verließ das Haus und kehrte zurück. Wenn wir uns gegenseitig besuchen, stellen wir fest, dass wir uns mehr Geschichten zu erzählen haben. So wie sie reifer geworden sind, bin auch ich es geworden. Wenn ich heute hinausgehe, dann bringe ich viele Jahre Erfahrung mit, die ich noch nicht besaß, als ich ein idealistischer junger Mann war." Lloyd hat mit Erstaunen festgestellt, wie sich die Mitglieder seines New Quartet entwickelt haben. "Sie haben ihre Flügel auf verschiedene Arten ausgebreitet. Aber wenn wir als Einheit zusammenkommen, stellen wir fest, dass die Musik und Liebe sich nur vertieft haben. Das Band unserer gemeinsamen Erfahrungen - auf und abseits der Bühne - beseelt und bereichert die Musik.In einer Zeitspanne von zehn Jahren steckt man viel Territorium ab. Aber im Zeitrahmen des Univsersums ist es bloß eine Nanosekunde."