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01.06.2017

Erfülltes Rock’n’Roller-Leben - zum Tod von Gregg Allman

Gregg Allman, Erfülltes Rock’n’Roller-Leben - zum Tod von Gregg Allman Gregg Allman

Wenn der Lebensstil eines Rockstars, so wie es in der Klischee-Bibel steht, von "Sex, Drogen und Rock’n’Roll" geprägt ist, dann hat der vergangenen Samstag gestorbene Gregg Allman zweifellos ein erfülltes Leben geführt. Das belegen die vielen erfolgreichen Alben, die er mit der Allman Brothers Band und gelegentlich auch solo aufnahm, sage und schreibe sieben Ehen (die letzte schloss er erst im Februar 2017) sowie zahlreiche dokumentierte Drogen- und Alkoholexzesse. Ein anderes Rocker-Lifestyle-Motto - "Live fast, die young" - verwirklichte er - anders als sein Bruder Duane, der schon 1971 mit 24 Jahren bei einem Motorradunfall ums Leben kam - hingegen nur zur Hälfte. Denn obwohl Gregg einen Großteil seines Lebens auf der Überholspur verbrachte, wurde er immerhin 69 Jahre alt. Darüber, wie oft er dem Tod in den rund fünf Jahrzehnten seiner Karriere gerade noch von der Schippe gesprungen ist, kann man nur Mutmaßungen anstellen. Doch am vergangenen Samstag musste schließlich auch er den bitteren ultimativen Preis für sein ausschweifendes Leben zahlen und erlag seiner Leberkrebserkrankung, die ihn in den letzten Jahren schon mehrfach dazu gezwungen hatte, Tourneen abzusagen.

Seine Liebe zur Musik entdeckte der 1947 in Nashville/Tennessee geborene und in Daytona Beach/Florida aufgewachsene Gregg Allman schon früh. Eine erste Band unterhielt er mit dem Gitarre spielenden Duane bereits im Teenageralter. Aber der große Durchbruch gelang beiden erst mit der 1969 gegründeten Allman Brothers Band, die mit ihrem Southern-Blues-Rock schnell das amerikanische Publikum eroberte und Kritiker in aller Welt begeisterte. Bedauerlicherweise wurde die Band binnen kurzer Zeit von zwei Schicksalsschlägen erschüttert: Zunächst kam im Oktober 1971 der charismatische Leadgitarrist Duane bei einem Motorradunfall in Macon/Georgia ums Leben, dann ein Jahr später an fast derselben Stelle und ebenfalls bei einem Motorradunfall Bassist Berry Oakley. Die Allman Brothers Band machte danach unter der Leitung von Gregg Allman und Gitarrist Dickey Betts weiter, wobei letzterer maßgeblich für einen leichten stilistischen Richtungswechsel (zu mehr Country-orientiertem Material) verantwortlich zeichnete.

1973 startete Gregg Allman mit dem erfolgreichen Album "Laid Back" seine Solokarriere. Doch im Zentrum seines Interesses sollte auch weiterhin sein Engagement bei der Allman Brothers Band stehen, für die er zahlreiche Klassiker wie "Whipping Post" und "Dreams" komponiert hatte. Die Band löste sich zwar 1976 vorübergehend auf, fand aber schon 1978 erneut zusammen und war schließlich bis 2014 aktiv. Seine Solokarriere führte Gregg Allman in all diesen Jahren eher auf Sparflamme und veröffentlichte lediglich fünf weitere Alben unter seinem Namen. 2011 meldete er sich - nach vierzehn Jahren Pause - überraschend mit dem neuen Soloalbum "Low Country Blues" zurück, das den ersten Platz der Blues-Charts belegte und auch für einen Grammy nominiert wurde. 2015 folgte das Album "Live: Back In Macon, GA", das ihn an den Ort zurückführte, in dem die Allman Brother Band im Mai 1969 ihren fabelhaften Aufstieg begonnen hatte.

In den letzten beiden Jahren arbeitete Gregg Allman mit dem Produzenten Don Was und Gästen wie Jackson Brown an einem neuen Album, das unter dem Titel "Southern Blood" eigentlich schon im Januar 2017 erscheinen sollte. Da Gregg gesundheitlich allerdings schon sehr angeschlagen war, mussten die Aufnahmen immer wieder unterbrochen werden. Nun wird das Album posthum im September erscheinen.

Seine schonungslos offene Autobiographie "My Cross To Bear", die 2012 herauskam, hatte Gregg Allman mit den folgenden Worten beendet: "Wenn alles gesagt und getan ist, werde ich in mein Grab gehen und mein Bruder wird mich dort empfangen und sagen: 'Gute Arbeit, kleiner Bruder - du hast dich wacker geschlagen'".