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01.06.2017
Various Artists

Nie zu spät fürs Blue-Note-Solodebüt - Louis Hayes kehrt zu seinen Ursprüngen zurück

Various Artists, Nie zu spät fürs Blue-Note-Solodebüt - Louis Hayes kehrt zu seinen Ursprüngen zurück Janette Beckman Louis Haynes

Als Louis Hayes 1956 von Horace Silver zum Vorspielen eingeladen wurde, hätte er eigentlich allen Grund gehabt, sich mit schlotternden Knien nach New York aufzumachen. Zwar hatte er sich mit seinen gerade einmal 19 Jahren in der lokalen Szene von Detroit durch Sessions mit u.a. Yusef Lateef und Kenny Burrell schon einen gewissen Namen gemacht, doch im Big Apple wehte natürlich ein ganz anderer Wind. Und Silver war nun einmal nicht irgendein Pianist, sondern eine der treibenden Kräfte des damals angesagten Hard-Bop. Außerdem hatte Silver, nachdem er bei den von ihm mitgegründeten Jazz Messengers ausgestiegen war, bereits einige beachtliche Soloalben mit den Schlagzeuger-Gößen Art Blakey, Kenny Clarke und Art Taylor eingespielt.

Dass Hayes diese einmalige Chance erhielt, verdankte er dem ebenfalls aus Detroit stammenden Bassisten Doug Watkins, der mit Silver schon bei den Jazz Messengers zusammengespielt hatte und danach auch dem Quintett des Pianisten angehörte. Mit seinen verschachtelten, tänzerischen Hard-Bop-Rhythmen sollte Hayes den Sound des Horace Silver Quintet auf so bahnbrechenden Blue-Note-Alben wie "6 Pieces Of Silver", "Further Explorations", "The Stylings Of Silver", "Blowin' The Blues Away" und "Finger Poppin'" mitprägen.

Obwohl Hayes nur drei Jahre lang Mitglied des Horace Silver Quintet war, hielt die Freundschaft zwischen dem Schlagzeuger und dem Pianisten bis zum Tod des Letzteren im Juni 2014. Hayes erinnert sich noch gut an einen der letzten Besuche, den er Silver zu Hause in New Rochelle/New York abstattete: "Er lebte sehr zurückgezogen. Er wollte damals nicht allzu viele Leute um sich haben. Aber auf meine Gesellschaft legte er Wert in dieser Phase, als er sich auf seinen Tod vorbereitete. Er sagte: 'Louis, du bist ein Teil meines Erbes.'"

Wie Recht Silver damals mit dieser Aussage hatte, beweist Louis Hayes, der am 31. Mai seinen 80. Geburtstag feierte, nun auf seinem Blue-Note-Solodebüt "Serenade For Horace", das eine wunderbare Hommage an seinen einstigen Mentor und Freund ist. Produziert wurde das Album von Blue-Note-Präsident Don Was (einem weiteren Detroiter!) und Bassist Dezron Douglas zusammen mit Maxine Gordon, der Witwe des legendären Tenorsaxophonisten Dexter Gordon. "Serenade For Horace" präsentiert Hayes als Leader eines brillanten Ensembles mit Dezron Douglas, Vibraphonist Steve Nelson, Pianist David Bryant, Tenorsaxophonist Abraham Burton und Trompeter Josh Evans.

Auf "Serenade For Horace" stattet Hayes drei Hard-Bop-Klassikern, die er einst mit Silver aufgenommen hatte, einen erneuten Besuch ab: "Señor Blues", "Juicy Lucy" und "St. Vitus Dance". Dabei betont er Silvers melodische Raffinesse, während er den rhythmischen Fluss der Songs subtil ändert. Seine Version von "Señor Blues", das im Original einen lateinamerikanisch angehauchten Rhythmus besaß, kommt hier beispielsweise merklich bluesiger daher. "St. Vitus Dance" wiederum verpasste er ein quecksilbrigeres Tempo. Einer der auffälligsten Unterschiede bei den erwähnten Nummern ist die Präsenz des Vibraphonisten Steve Nelson, der sich hervorragend in Szene zu setzen versteht. "Steve Nelson dabeizuhaben, war mir sehr wichtig, weil ich nicht dieselbe Besetzung haben wollte wie das ursprüngliche Quintett", erklärt Hayes. "Ich musste sie einfach ändern."

Darüber hinaus bietet Louis Hayes hier erfrischende Rundumerneuerungen von weiteren Silver-Juwelen wie "Song For My Father" (als Gast ist in dieser Nummer sein inspirierter Blue-Note-Label-Kollege Gregory Porter zu hören), "Ecaroh", "Lonely Woman", "Room 608", "Silver's Serenade", "Summer In Central Park" und "Strollin'". Abgerundet wird das Repertoire durch das umwerfende Original "Hastings Street", das mit seiner singbaren Melodie und swingenden Dynamik perfekt zu dieser Horace-Silver-Hommage passt.