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19.05.2017
JazzEcho-Plattenteller

Ellas Prachtausgabe - The George and Ira Gershwin Song Book

JazzEcho-Plattenteller, Ellas Prachtausgabe - The George and Ira Gershwin Song Book The George and Ira Gershwin Song Book

"I stole everything I ever heard, but mostly I stole from the horns". Ella Fitzgeralds musikalischer Mundraub war das Beste, was dem Vokal-Jazz des 20. Jahrhunderts passieren konnte. Als Verve-Impressario Norman Granz seinen Schützling und den Sinatra-Arrangeur und Bandleader Nelson Riddle für das Gershwin-Songbook-Projekt zusammenbrachte, war es für beide Beteiligte das berühmte erste Mal. Ella war da immerhin schon 41 und eine überragende Jazz-Größe. Da auch Riddle damals längst alles andere als ein Unbekannter war, galt die Kooperation als echte Sensation. Granz hatte einmal mehr den richtigen Riecher bewiesen. Übrigens nicht nur, was die musikalischen Protagonisten betraf. Dass die Wahl auf das Oeuvre der Gershwin-Brüder fiel - die wohl profiliertesten aller musikalischen Broadway-Kreativen - traf 20 Jahre nach dem Tod George Gershwins noch immer den Nerv der Zeit.    

Zudem war man gut im Fluss: Nach den erfolgreichen Songbook-Vertonungen von u.a. Duke Ellingtons und Irving Berlins Werken, für die es jeweils auch einen Grammy gegeben hatte, schienen die Gershwins genau die richtigen, um der First Lady of Jazz zu ihrem dritten Gewinn zu verhelfen. Und mit der Auszeichnung für die beste weibliche Pop-Vokal-Performance für die Single-Auskopplung "But Not For Me" gelang auch dieser Coup.

Apropos Pop: Jazz im strengen Sinn ist noch nicht einmal der einzige von insgesamt 57 Songs, auf dem Frau Fitzgerald ihren Signatur-Scat einbringen konnte, "I Got Rhythm". Granz und Riddle haben hier nichts dem Zufall, sprich: der Improvisation überlassen. Die delikaten Streicher- und Bläser-Arrangements bedienen sich zwar in jeder denkbaren Hinsicht - melodisch, harmonisch und rhythmisch – auch beim Jazz, letztlich aber bleibt Nelson Riddles Arbeit ein äußerst eingängiges Idiom aus Jazz-, Pop- und Musical-Anleihen. Ein nicht ganz unverständlicher Fakt vor dem Hintergrund, dass Granz die Aufnahmen als üppiges 5-LP-Set und für einen aus damaliger Sicht unverschämt hohen Preis auf den Markt bringen wollte. Dass die jetzt knapp 60 Jahre später erscheinende Neuauflage nicht nur fünf sondern sechs einzelne Vinyle enthält, alle remastered und in 180-Gramm gepresst, ist schlicht darauf zurückzuführen, dass die der originalen Box beilegte Single mit Riddles Arrangements für Instrumental-Kompositionen der Gershwins zu einer herkömmlichen 12-Zoll-Scheibe erweitert wurde; und zwar mit Hilfe eines halben Dutzend bislang unveröffentlichter Alternate-Takes einiger Album-Beiträge.

Eins-zu-eins wurde hingegen übernommen, was man heutzutage neudeutsch Artwork nennt. Und zwar in aller originalen Opulenz. Für die Covergestaltung der stabilen LP-Box hatte Granz den französischen Expressionisten Bernard Buffet gewinnen können, der darüber hinaus fünf weitere Zeichnungen anfertigte, die der Box nun wie damals als hochwertige Lithografien beiliegen. Darüber hinaus hatte Granz den Gershwin-Archivar und -Kenner Lawrence D. Stewart für ausführliche Liner-Notes engagiert. Mit insgesamt 47 Seiten fielen die derart umfangreich aus, dass man dem Set gleich ein gebundenes Buch beifügte. Auch dieses hat es originalgetreu in die Neuauflage geschafft. 

Nach fast 60 Jahren war die Zeit tatsächlich reif für eine Wiederveröffentlichung dieses Mammut-Projektes. Damit sind natürlich nicht nur die üppigen und hochwertigen Dreingaben gemeint. Denn selbst wenn man zugesteht, dass die Aufnahmen der Songs sich über ein halbes Jahr zogen - 57 Songs an insgesamt nur 10 Tagen und dann auch noch mit einem Orchester in voller Montur, das schafft heutzutage nicht einmal Chilly Gonzales.