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16.02.2017
Helge Schneider

Es gibt wieder Jazz, Baby! - Helge Schneider fordert Pete York zum Duett heraus

Helge Schneider, Es gibt wieder Jazz, Baby! - Helge Schneider fordert Pete York zum Duett heraus Pete York und Helge Schneider – 2017

"Helge Schneider", meinte der große Max Goldt einmal, "versetzt die Menschen in Wonne, indem er so tut, als würde er das, was er virtuos beherrscht, nämlich Singen, Erzählen, Spielen auf diversen Instrumenten, gar nicht richtig können." Eines von seinen unzähligen und leider viel zu wenig besungenen Talenten ist das Spielen auf der Hammond-Orgel. "Schon mit 19 Jahren hatte ich den Traum, einmal ein Album nur mit Hammond-Orgel und Schlagzeug aufzunehmen", verrät Helge. "Mit einem meiner besten Freunde hatte ich zwar ein Duo gegründet, doch Auftritte fanden leider nur selten statt, da ich weder einen Führerschein, noch ein Auto hatte, mit dem ich meine schwere Hammond-Orgel hätte zu den Auftritten transportieren können. Leider musste ich sie dann wieder verkaufen und habe mich danach aufs Saxophonspielen verlegt. Nach mehr als 40 Jahren freue ich mich, die Idee von damals endlich mit einem Musiker wie Pete York verwirklichen zu können. Er ist gut!" Selbiges kann man zweifellos auch dem Album "Heart Attack No. 1" attestieren, das aus dieser Kooperation hervorgegangen ist: Es ist gut!

Das liegt nicht zuletzt daran, dass sich Helge Schneider und Pete York mittlerweile gegenseitig besser kennen als ihre eigenen Westentaschen. Seit 2004 bilden der Ruhrpott-gestählte Multiinstrumentalist und der Superdrummer aus der nach ihm benannten britischen Grafschaft Yorkshire (Vorsicht, alternativer Fakt!) ein Gespann, das man als das "seltsamste Traumpaar" des Jazz bezeichnen kann. "Heart Attack No. 1" ist - nach "The Last Jazz" (1987) und "Jazz" (1999) - Helges drittes fast reines Jazzalbum. Fast rein deshalb, weil er hier neben anerkannten Standards von Jazzadligen wie Duke Ellington und Count Basie auch zwei stilistische Ausreißer - James Browns "I Feel Good" und Stevie Wonders "Isn't She Lovely?" - sowie drei eigene Kompositionen serviert. Letztere könnte man aber auch gut für verschollene Werke von etwa Bobby Troup ("Heart Attack No. 1"), Thelonious Monk ("My Baby Left Me") oder Horace Silver ("Tight Tight Tight") halten.

Helge orgelt sich durch dieses Repertoire mit viel Chuzpe und Witz sowie noch mehr Groove und Swing. Wobei er sich selbst gelegentlich an der Gitarre oder auf dem Vibraphon sekundiert. Pete York begleitet ihn mal aufmerksam mit Jazzbesen, mal treibt er ihn mit Trommelstöcken vor sich her. Auch die Stimmen beider Musiker kommen des Öfteren zum Einsatz. Mit dem Frank-Sinatra-Hit "One For My Baby (And One More For The Road)" versucht Helge Eindruck als Crooner zu schinden, während er in Ellingtons "Mood Indigo" auf - im wahrsten Sinne des Wortes - pfiffige Weise Toots Thielmans Tribut zollt. Seine Interpretation des Evergreens "As Time Goes By" schließlich erinnert frappierend an die legendären Klassikerbearbeitungen von Spike Jones. Helge singt die Nummer mit schwerem deutschem Akzent ("Äss Teim Goss Bei") und klingt zudem, als hätte er seine Gebissprothese verloren.