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27.01.2017
JazzEcho-Plattenteller

Blau, Rot, Gelb – die Break Beats sind zurück

JazzEcho-Plattenteller, Blau, Rot, Gelb – die Break Beats sind zurück Blue Break Beats

"You gotta hear Blue Note to dig Def Jam!" Was DJ, Musikjournalist und Acid-Jazz-Labelchef Dean Rudland schon 1992 gekonnt auf den Punkt brachte, hieß nichts anderes als: Um Neues zu verstehen, muss man mit dem Alten vertraut sein. Back To The Basics sozusagen. Und zu den Basics des Hip Hop gehören nun einmal alte Schallplatten bzw. kurze, dafür aber besonders tanzbare Versatzstücke der auf ihnen festgehaltenen Musik. Mit zwei identischen Schallplatten sowie der entsprechenden Audio- und DJ-Technik konnten die Plattendreher diese rhythmisch hocheffektiven Parts - auch Breaks genannt - ad infinitum wiederholen. Die Tänzer waren derart angetan, dass sie sich nach eben jenen Parts benannten: Break-Dancer. Gleichzeitig eigneten sich diese Abschnitte wegen der häufigen Absenz melodischer oder harmonischer Elemente hervorragend zum Darüber-Reimen. Fertig war die Rap-Musik.

Eminem bediente sich bei Lou Donaldson, Public Enemy bei Grant Green, die Beastie Boys bei Jeremy Steig, De La Soul bei Duke Pearson, die Bloodhound Gang bei Blue Mitchell, die Jungle Brothers bei Donald Byrd, Common bei Bobbi Humphrey, die Chemical Brothers bei Jimmy McGriff, die Dream Warriors bei Reuben Wilson, Madlib bei Ronnie Foster, Guru bei Joe Williams und, und, und, die Liste ist endlos. Ohne Blue-Note-Originale hätte es manchen Hip-Hop-Hit nie gegeben, so Dean Rudlands These.  Mit der von ihm Anfang der 90er Jahre konzipierten "Blue Break Beats"-Serie machte Rudland nicht nur sein Nischen-Wissen öffentlich, sondern auch die Namen der eigentlichen Urheber den Hip-Hop-Hörern erstmalig bekannt.

Der Erfolg des ersten Teils bereitete damals den Weg für drei weitere Folgen sowie Spin-Off-Projekte wie "Blue Bossa" und "Blue Brazil". Jetzt, nach über einem Vierteljahrhundert und mittlerweile astronomischen Preisen für die Original-Sampler, wird es Zeit für eine beträchtlich aufgehübschte Neu-Auflage der ursprünglichen Serie: jeweils 2 x blaues, rotes bzw. gelbes 180gr-Vinyl in gefütterten Innenhüllen und einem stabilen Gatefold-Cover. Darin: Die vollständigen, vormals nur auf CD enthaltenen Liner Notes Dean Rudlands himself, eine bebilderte Aufstellung der Original-Alben inklusive musikalischer Details sowie Verweisen auf diejenigen Hip-Hop-Produktionen, die auf Teile der jeweiligen Originale zurückgriffen.

Ob Zufall oder nicht: Dass die Zahl der in Hip-Hop-Produktionen verwendeten Jazz-Samples rund um die Erstveröffentlichung der "Blue Break Beats"-Serie vor einem Vierteljahrhundert drastisch zunahm, ist eine Tatsache. Nicht auszuschließen, dass der Versuch, einen (wenn auch nischigen) Trend zu dokumentieren, im vorliegenden Fall dazu führte, diesen Trend auf die öffentlichkeitstechnisch nächste Stufe zu heben. Weil aber auch noch 25 Jahre später nicht wenige erstaunt fragen: "Wie, aus alten Jazz-Platten neue Musik machen?", ist Dean Rudlands meisterliche Pionierleistung gar nicht hoch genug zu bewerten. Die Neuauflage ist damit nicht nur eine Verbeugung vor den Werken der auf ihr enthaltenen Musiker, sondern auch vor ihrem weitsichtigen Finder!