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13.01.2017
Various Artists

Joe Henderson - Universalgenie am Tenorsax

Joe Henderson, Joe Henderson - Universalgenie am Tenorsax Joe Henderson - 5 Original Albums

"Vielleicht hat Gott gedacht: 'Wenn ich ihm den Erfolg zu früh gebe, wird er ihm zu Kopf steigen'", beantwortete Joe Henderson 1994 verschmitzt die Frage eines Journalisten, weshalb er wohl erst so spät die ihm gebührende Anerkennung gefunden habe. Der Saxophonist war damals 57 Jahre alt geworden und genoss bei Verve Records mit Songbook-Alben wie "Lush Life", "So Near, So Far" und "Double Rainbow" gerade einen überraschenden zweiten Karrierefrühling.

Doch Gott hätte es eigentlich besser wissen sollen. Denn zu Kopf gestiegen waren Henderson, der in einer Familie mit fünf Schwestern und neun Brüdern aufgewachsen war, die Erfolge in seiner Karriere nie. Eine Rolle bei der verspäteten Anerkennung dürfte eher gespielt haben, dass er die Szene betrat, als andere moderne Tenorsaxophonisten wie John Coltrane, Sonny Rollins, Sonny Stitt und Wayne Shorter bereits im Zenit standen und ihn schlichtweg noch ein wenig überstrahlten. Als Tenorist mit einem eigenen Stil machte er trotzdem gleich Eindruck und wurde vor allem auch von seinen Kollegen hochgeschätzt.

Hendersons Karriere als Plattenkünstler lässt sich grob in drei Phasen aufteilen. In den 1960er Jahre wirkte er an bahnbrechenden Blue-Note-Alben von u.a. Kenny Dorham ("Una Mas"), Grant Green ("Idle Moments"), Lee Morgan ("The Sidewinder"), Horace Silver ("Song For My Father") und Freddie Hubbard ("Blue Spirits") mit und machte sich durch eigene Aufnahmen für das Label, aber auch für Verve und Milestone einen guten Namen. In der Zeit von 1970 bis Anfang der 1990er Jahre spielte er zwar eine Reihe exzellenter Soloalben mit namhaften Partnern wie Chick Corea, Ron Carter, Tony Williams, Peter Erskine, Billy Higgins, Charlie Haden, Al Foster, Joachim Kühn und Jack DeJohnette ein, segelte aber unverständlicherweise fast immer unter dem Radar des breiteren Jazzpublikums hindurch.

Die letzte Phase begann schließlich 1992 mit dem erstaunlichen Comeback bei Verve. Auf den fünf Alben, die Henderson bis 1998 für das Label aufnahm, zeigte er noch einmal all seine Facetten und erntete dafür neben vier Grammys endlich auch beim Publikum die Anerkennung als Universalgenie am Tenorsaxophon. In der preiswerten Box "5 Original Albums" werden nun fünf von Hendersons insgesamt sieben Blue-Note-Alben wiederveröffentlicht: drei aus den 1960er Jahren und die beiden Folgen von "The State Of The Tenor" aus dem Jahr 1986. Ausgestattet ist die Box mit dem Original-LP-Artwork, Stecktaschen-CDs und einem attraktiven Schuber.

Joe Henderson, Joe Henderson Our Thing

Our Thing (1964)

Dem Trompeter Kenny Dorham hatte Joe Henderson es zu verdanken, dass er 1963 seinen ersten Plattenvertrag bei Blue Note erhielt. Und er spielte auch eine prominente Rolle auf den ersten drei Soloalben des Saxophonisten. In klassischer Hard-Bop-Besetzung entstand 1963 das Album "Our Thing", zu dem Dorham drei Kompositionen beisteuerte, während der Opener "Teeter Totter" und das Titelstück auf Hendersons Konto gingen. Die Rhythmusgruppe hinter den beiden traumhaft harmonierenden Bläsern bildeten Pianist Andrew Hill, Bassist Eddie Khan und Drummer Pete La Roca.

Joe Henderson, Joe Henderson inn out

In 'n Out (1965)

Dass die Musik des Albums "In 'n Out" 1964 einen deutlich "coltranesken" Einschlag erhielt, lag nicht etwa daran, dass Joe Henderson plötzlich versuchte, seinen großen Kollegen zu kopieren. Der Einfluss war vielmehr auf McCoy Tyner und Elvin Jones zurückzuführen, die damals noch feste Mitglieder des legendären John Coltrane Quartet waren. Beide verliehen der Musik von "In 'n Out" oft deutlich mehr Biss und Aggressivität: der Pianist mit den für ihn typischen sperrigen Blockakkorden und der Schlagzeuger mit seinen komplexen, hart pulsierenden Rhythmen. Kongenial ergänzt wurden sie von Bassist Richard Davis. Mit von der Partie war auch erneut Kenny Dorham.

Joe Henderson, Joe Henderson Inner Urge

Inner Urge (1966)

"Inner Urge" war das erste Soloalbum, das Henderson ohne seinen Mentor Kenny Dorham aufnahm. Statt ihn durch einen anderen Trompeter zu ersetzen, machte Henderson die Session in Rudy Van Gelders Tonstudio im Quartett mit Tyner, Jones und Bassist Bob Cranshaw. Der "innere Drang", der dem Album seinen Titel gab, trieb Henderson zu einer absoluten Höchstleistung an. Nur neun Tage später sollte am selben Ort auch Coltrane seinem inneren Drang folgen und mit Tyner, Jones sowie Bassist Jimmy Garrison ein ebenfalls besonders leidenschaftliches Album einspielen: "A Love Supreme".

Joe Henderson, Joe Henderson The State Of Tenor

The State Of The Tenor Vol. 1 & 2 (1986)

Die beiden Alben, die im November 1985 live im Village Vanguard aufgezeichnet wurden, markierten die (allerdings nur kurzfristige) Rückkehr zu dem Label, bei dem Henderson 1963 seine Solokarriere begann. Im Trio mit Bassist Ron Carter und Schlagzeuger Al Foster zollt der Tenorsaxophonist hier seinem Freund und Kollegen Sonny Rollins Tribut, mit einem farbenprächtigen und abwechslungsreichen Repertoire, das neben Eigenkompositionen und ein paar Standards auch Stücke von Sam Rivers, Thelonious Monk, Duke Ellington, Charlie Parker, Charles Mingus und Horace Silver enthält.