Jazz Newsletter

Wir versenden wöchentlich den aktuellen Jazzecho Newsletter. Um keine Neuigkeit zu verpassen, können Sie sich gern hier mit Ihrer eMail-Adresse registrieren. Der Newsletter kann jederzeit wieder abbestellt werden.

OK

Labels

Im Bereich Labels finden Sie Informationen zu den wichtigsten und bekannstesten Jazzlabels der Welt:

Artikel

23.09.2016

Andrew Cyrille Quartet - Kommunikation auf einem spirituellen Level

Mit 76 Jahren legt der Schlagzeuger Andrew Cyrille unter dem Titel "The Declaration Of Musical Independence" sein erstaunliches erstes Soloalbum bei ECM vor.

Andrew Cyrille, Andrew Cyrille Quartet - Kommunikation auf einem spirituellen Level © Jesse Chun/ECM Records Richard Teitelbaum, Andrew Cyrille, Ben Street, Bill Frisell

Andrew Cyrille ist in der internationalen Jazzszene seit beinahe sechs Jahrzehnten als musikalischer Freigeist bekannt. Bereits mit achtzehn Jahren spielte der Schlagzeuger mit dem Avantgarde-Pianisten Cecil Taylor, später mit progressiven Koryphäen wie Carla Bley, Anthony Braxton, Charlie Haden, Geri Allen und Jean-Paul Bourelly. Eine musikalische Unabhängigkeitserklärung müsste der mittlerweile 76-Jährige also eigentlich nicht mehr abgeben. Auf seinem ersten ECM-Album unter eigenem Namen tut er es dennoch. Denn "The Declaration Of Musical Independence" rückt diesen Meister des Rhythmus, der ein Schüler des goßen Philly Joe Jones war und selber schon ganzen Generationen von Jazzschlagzeugern als Inspiration diente, verdientermaßen ins Scheinwerferlicht. Zur Seite stehen ihm auf dem Album mit dem Gitarristen Bill Frisell, Keyboarder Richard Teitelbaum und Bassist Ben Street drei außerordentliche Partner.

"Ich begann als kleiner Junge in einem Drum and Bugle Corps und lernte später von Größen wie Max Roach und Mary Lou Williams und Philly Joe und Cecil", erzählt Andrew Cyrille. "Dabei wurde mir bewusst, dass man, wenn man mehr weiß, auch mehr mitzuteilen hat. Ich bin schon in der ganzen Welt herumgekommen und habe mit so vielen unterschiedlichen Leuten gespielt, so dass ich immer mehr darüber lernte, wie man mit dem Schlagzeug kommunizieren kann. Denn das ist der Dreh- und Angelpunkt: Kommunikation. Auf einem spirituellen Level im Studio oder auf der Bühne kommunizieren. Unabhängig davon, woher die Musiker kommen, wie sie aussehen oder welche Sprache sie sprechen. Es geht nur darum, was man hört und fühlt. Bei Stücken wie 'Sanctuary' und Manfred', ach was, bei allen Stücken haben wir eine Menge gehört und gefühlt." Ben Street steuerte zum Repertoire "Say..." bei, Bill Frisell "Kaddish" und "Song For Andrew". Drei atmosphärische Stücke - darunter die dynamische Nummer "Dazzling (Perchordally Yours)", in der Cyrille sein Gespür für dramatische Perkussionseffekte zeigt - sind Gemeinschaftskompositionen der Band.

Die Wahl adäquater "Kommunikationspartner" fiel Cyrille nicht schwer: "Ich mag Bills Lyrismus, sein rhythmisches Gespür und seinen Sound, der so einzigartig wie unverkennbar ist. Ben hat ein großartiges Ohr und einen tollen Sound. Außerdem ist es angenehm, ihn dabei zu haben - er liebt es einfach, Musik zu machen. Und es gibt nicht allzu viele Leute, die so wie Richard Synthesizer spielen. Wir haben es immer verstanden, uns zu ergänzen, einen eigenen Platz im Klang des anderen zu finden. Dieses Album sollte ein echtes Quartett-Projekt sein, bei dem jedem von uns ein Stück der Platte gehört. In jedweder Bedeutung. Ich wollte, dass alle Musik beisteuern und etwas von sich selbst geben. [...] Es ist immer aufregend mit Weltklassemusikern zusammenzuarbeiten, und diese Jungs sind nichts anderes."

Das erste "Wort"  auf dem Album hat natürlich der Leader, der die Eröffnungsnummer - eine kunstvoll verquere Interpretation von John Coltranes "Coltrane Time" - mit einer Solo-Schlagzeug-Intro startet. "... diesen Rhythmus brachte mir Rashied Ali bei, der ihn - natürlich! - von Coltrane selbst gelernt hatte", erzählt Cyrille. "Ich liebe diesen Rhythmus und spiele meine eigene Variation. Die Musiker dieses Quartetts hörten wie ich ihn spielte, und als wir dann begannen alle zusammen zu spielen, hat jeder von uns genau hingehört, was die anderen machten - und daran Spaß gehabt. So macht man Musik."