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12.08.2016
JazzEcho-Plattenteller

Entfesselter Jazzer - Miles Davis‘ 10-inch-Collection

JazzEcho-Plattenteller, Entfesselter Jazzer - Miles Davis‘ 10-inch-Collection Plattenteller - die 10-inch-Schallplatte

Der Autor und Jazzkenner Joe Goldberg und seine Frau Frances hatten einmal das zweifelhafte Vergnügen, in Miles Davis‘ weißem Ferrari vom Maestro selbst chauffiert zu werden. Auf dem Highway, bei Tempo 170, bat die leicht verängstigte Frances Goldberg den Fahrer, ein wenig langsamer zu fahren. Darauf Miles Davis: "Hey, ich bin schließlich auch hier drin".

90 Jahre alt wäre die wohl schlagfertigste, schillerndste und zugleich prägendste Jazzfigur des 20. Jahrhunderts dieses Jahr geworden. Der Einfluss des selbsternannten "Baddest Motherfucker" ist nach wie vor hochwirksam; und dafür, dass dies auch weiterhin der Fall sein wird, sorgt ein nicht abreißender Strom von Wiederveröffentlichung aus dem Oeuvre des Künstlers. "The Complete Prestige 10-inch LP Collection", die neueste und eine der luxuriösesten seit langem,  versammelt dabei nicht nur die zehn Alben, die Miles Davis in unterschiedlichen Gruppierungen zwischen 1951 und 1954 für das damals noch junge Prestige-Label von Produzent Bob Weinstock einspielte. Mit "The New Sounds" bietet der Schuber darüber hinaus auch ein Album, bei dem Miles Davis als Gast bei Lee Konitz fungierte.

Womit wir schon mitten im Thema wären: Denn das 11-LP-Box-Set ist längst nicht nur wegen seines musikhistorischen Klassiker-Status, einer Besetzungsliste, die sich wie ein Who-is-Who der wichtigsten Jazzer des gesamten 20. Jahrhunderts liest und formschöner Beigaben wie dem Sammler-Duck eines von Miles Davis gemalten Bildes von entscheidender Bedeutung - die bis ins letzte Detail originalgetreue (Schreibfehler inklusive) Reproduktion demonstriert, auf welch unnachahmliche Weise das damals blutjunge Format der 10-Zoll-Schallplatte mit einer Abspielgeschwindigkeit von weniger als 78 Umdrehungen pro Minute den Jazz selber revolutionierte. Vor der 10-inch-LP hatten die Interpreten maximal vier Minuten Zeit für einen Song pro Seite. Mit dem neuen Format war es auf einmal kein Problem mehr, Songs und Kompositionen bis auf eine Maximallänge von einer guten Viertelstunde zu entwickeln.

Für die Musiker taten sich damit ganz neue Welten auf. Musikalische Heldentaten, die jedes Live-Publikum zum Rasen brachten, konnten nun endlich auch auf einem Tonträger konserviert und für die Nachwelt festgehalten werden, ohne dabei format-spezifische Kompromisse in Form von Kürzungen vornehmen zu müssen. Miles Davis war einer der ersten Künstler, die diese neue Freiheit erkannten und umgehend kreativ zu nutzen wussten. Folgerichtig zeigt das Box-Set, dass Davis und Co mit jeder neuen Aufnahme dieses Potential bis zum absoluten Geht-nicht-mehr ausschöpften: Enthielt das erste Album von 1951 noch insgesamt neun Songs in einer Länge zwischen zwei und fünfeinhalb Minuten, fanden sich auf den Alben Nummer neun und zehn ("Miles Davis All Stars Vol.1 & 2") nur noch zwei Songs. Diese allerdings mit einer durchschnittlichen Dauer von 10 Minuten.