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15.07.2016
Nina Simone

Hohepriesterin der himmlischen Teufelsmusik - Nina Simone auf LP

Nina Simone, Hohepriesterin der himmlischen Teufelsmusik - Nina Simone auf LP Sieben Alben von Nina Simone

Mit den sieben Alben, die Nina Simone zwischen 1964 und 1966 für das Label Philips aufnahm, gelang der singenden Pianistin und Komponistin die Transformation von der amerikanischen Nachtclub-Künstlerin zum politisch engagierten Weltstar. Jetzt werden diese sieben Klassiker - "Nina Simone In Concert", "Broadway-Blues-Ballads", "I Put A Spell On You", "Pastel Blues","Let It All Out", "Wild Is The Wind" und "High Priestess Of Soul" -  als 180gr-LPs + Downloadcodes in einer wunderschön gestalteten Box wiederveröffentlicht.

Erstens kommt es anders, und zweitens als man denkt. Mit dieser ironischen Redensart könnte man die Karriere der Sängerin und Pianistin Nina Simone leicht in einem Satz zusammenfassen. Denn eigentlich hatte Eunice Kathleen Waymon, Tochter einer Methodistenpredigerin und eines gottgläubigen Handwerkers, davon geträumt, die erste schwarze Klassikpianistin von Rang und Namen zu werden. Das Talent dazu besaß sie, wie ihr Studium an der renommierten Juilliard School in New York bewies. Doch als sie ihre Ausbildung am Curtis Institute of Music in Philadelphia abschließen wollte, verweigerte man ihr aus rassistischen Gründen schlicht die Zulassung. Um sich ihren Lebensunterhalt zu verdienen, begann sie als Pianistin durch Nightclubs zu tingeln. Statt Werken von Bach, Chopin, Brahms, Beethoven und Schubert spielte sie dort Jazz und Blues. Da dies in den Augen ihrer strengen Mutter aber "Musik des Teufels"  war, die einem den "Weg ins Fegefeuer" ebnete, legte sich Eunice den Künstlernamen Nina Simone zu, um ihre aus der Not geborenen Karriere vor der Familie geheimzuhalten.

Lange ging das allerdings nicht gut, denn der Erfolg ließ nicht auf sich warten. Er kam 1963 in Form eines Plattenvertrags mit Philips. Bis 1966 sollte sie sieben Alben für das Label aufnehmen, die so ziemlich alles Facetten dieser einzigartigen Künstlerin zeigten und bluesige Jazzklassiker wie "Mississippi Goddamm", "Sinnerman","Old Jim Crow", "See-Line Woman", "Take Me To The Water", "Come Ye" und "Four Women" generierten. Als charismatische Interpretin drückte Simone aber auch Fremdkompositionen ihren unverkennbar eigenen Stempel auf: darunter Screamin’ Jay Hawkins’ "I Put A Spell On You", Bob Dylans "The Ballad Of Hollis Brown", Jacques Brels "Ne Me Quitte Pas", Charles Aznavours "L’amour c’est comme un jour" und "Il faut savoir" sowie das Kurt Weill/Bertold Brecht-Lied "Pirate Jenny".

Ihrem letzten Philips-Album gaben Marketingexperten des Labels den Titel "High Priestess Of Soul". Und als solche ist die Sängerin, Pianistin und Komponistin, die in ihrem Œuvre vorurteilslos Jazz, Blues, Soul, Pop, Folk und Gospel miteinander vermischte, schließlich auch in die Musikgeschichte eingegangen. Anders als ursprünglich geplant, aber letztlich doch zur Freude ihrer Mutter.

Die LPs sind in der Reihe "Back To Black" auch einzeln erhältlich, zusätzlich erscheint eine CD-Box der Alben.