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19.05.2016
ECM Sounds

ECM-Debüt eines jungen weiblichen iranischen Duos - Orientalische Ornamententik

Mit "Narrante" legen Gitarristin Golfam Khayam und Klarinettistin Mona Matbou Riahi ein exotisches und atemberaubend schönes Debütalbum bei ECM vor.

ECM Sounds, ECM-Debüt eines jungen weiblichen iranischen Duos - Orientalische Ornamententik © Hessam Samavatian/ECM Records Golfam Khayam, Mona Matbou Riahi

"Narrante" ist das faszinierende ECM-Debütalbum der beiden iranischen Musikerinnen Golfam Khayam und Mona Matbou Riahi, die auch als Naqsh Duo bekannt sind. In der persischen Sprache Farsi bedeutet das Wort "Naqsh" so viel wie Ausschmückung, Form oder Gestalt und wird in der bildenden Kunst verwendet. Es umschreibt aber auch perfekt die Musik des Duos, die voller Verzierungen sowie form- und gestaltreich ist. Die Gitarristin Khayam und die Klarinettistin Matbou Riahi, die beide in Teheran geboren wurden, haben eine gemeinsame musikalische Sprache gefunden, die auf ihren individuellen Erfahrungen mit zeitgenössischer Komposition und Improvisation fußt und zugleich Elemente der üppigen Musiktradition ihres Heimatlandes widerspiegelt und umwandelt.

Golfam Khayams Hauptbeschäftigungfeld ist zeitgenössische klassische Musik. Sie studierte zuerst in Teheran klassische Gitarre und danach in Cincinnati und Genf unter Dusan Bogdanovic, Clare Callahan, Nicolas Bolens, Victor Cordero und Marc-André Rappaz. Darüber hinaus setzte sie sich intensiv mit der traditionellen Musik ihrer Heimat auseinander, was dazu führte, dass sie für die Gitarre einige Spieltechniken persischer Saiteninstrumente adaptierte. Inspiration fand sie aber auch im Jazz, vor allem bei John Coltrane und Keith Jarrett. Mona Matbou Riahis Beziehung zu traditioneller Musik hat schon einige Metamorphosen erlebt. 

Sie wuchs mit dieser in Teheran auf, wandte sich aber ganz von ihr ab, als sie mit 17 Jahren nach Wien zog. Als Teenager hörte sie nur klassische Musik und Rock. Dann entdeckte sie Jazzsängerinnen wie Nina Simone und Billie Holiday und Instrumentalisten wie Charlie Parker. Der in Wien lebende brasilianische Gitarrist Alegre Corrêa lud sie irgendwann zu Jamsessions ein und weckte so vollends Monas Leidenschaft für die Improvisation. Sie studierte daraufhin Improvisation und Experimentelle Musik und belegte Kurse bei u.a. John Tilbury und Burkhard Stangl. In Golfam Khayam fand Mona Matbou Riahi 2014 eine Musikerin mit kompatiblen Prioritäten, die einen ähnlichen Werdegang vorweisen konnte. Ihr Album "Narrante" spielten sie im Juli 2015 in Lugano ein, wo die beiden Protagonistinnen erstmals mit Produzent Manfred Eicher zusammentrafen, der ihre Arbeiten bis dahin nur durch Tonband- und Videoaufnahmen kannte.

"Das ganze Album wird von einem unsichtbaren oder diskreten Faden durchzogen, der die Stücke miteinander verknüpft", erklärt  Golfam Khayam. "Aber jedes Stück steht zugleich auch für sich alleine und stammt aus einer anderen Quelle und wirft so einen sehr eigenen Blick auf die Wurzeln der persischen Musik. Schließlich werden diese Quellen synthetisiert und integriert. Die Musik ist nicht mehr länger 'traditionell'; sie kommt nicht mehr aus dieser Zone. Die Improvisationen sind größtenteil auf unser persisches Musikerbe zurückzuführen, während die sorgfältige Strukturierung und Verarbeitung ihren Ursprung in der westlichen zeitgenössischen Musik haben. Wir nehmen diese Elemente und und versuchen eine passende formale Struktur, einen Rahmen oder ein Schema für sie zu finden. Einige Stücke haben Raum für Improvisation und andere Stücke sind wiederum komplett durchkomponiert, obwohl sie improvisiert klingen." Ihre Instrumente setzen die Musikerinnen dabei oft nicht in herkömmlicher Weise ein. Sie probieren neue Spieltechniken und Klangfarbenkombinationen aus, arbeiten mit ausgefallenen Verzierungen und für ihre Instrumente uncharakteristischen Klangeffekten.