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13.05.2016
Various Artists

Von Kitsch bis "Coolman" – Chorleiter Günter Kallmann verstorben

Various Artists, Von Kitsch bis Coolman – Chorleiter Günter Kallmann verstorben Günter Kallmann Chor

Angefangen hat es, wie so oft, mit Jazz. Der am 19. November 1927 in Berlin geborene Günter Kallmann wollte nach seinem Musikstudium eigentlich Louis Armstrong nacheifern. Zehn Jahre lang verdiente er seine Gagen auch als Trompeter in diversen Combos, Kapellen und Orchestern der Nachkriegszeit, unter anderem den Big Bands von Kurt Widmann und Wolf Gabbe. Dass Kallmann aber auch ebenso gut wie gerne Bariton sang, wurde ihm dann zum positiven "Verhängnis": Neben seiner Arbeit als Instrumentalist war er nämlich auch in der damals sehr lebendigen Szene der Gesangsensembles unterwegs, und mehr und mehr wurde dies bei ihm zum Hauptberuf. So sang er in den 50er Jahren in Gruppen mit schönen Namen wie den "Monacos", "Ping-Pongs", "Ohios", "Carawells", "Rangers" und "Blue Stars".

In den 60er Jahren entstanden aus vielen dieser Gruppen dann vielbeschäftigte Studio-Gesangsensembles wie die "Sunnies & Cornels", der "Botho-Lucas-Chor" oder die "Rosy Singers". Am erfolgreichsten von allen wurde allerdings Kallmanns "Günter-Kallmann-Chor", der bei der Schallplattenfirma Polydor mit der Single "Elisabeth-Serenade" (1962) einen Riesenhit landete, welcher eine regelrechte Kette von Singles und Alben nach sich zog. Auch in den USA wurde der Song ein Ohrwurm und führte zu einer Kallmann-LP-Veröffentlichung auf dem Kapp-Label, die Platz 42 der Billboard-Charts eroberte und wochenlang die Spitze der englischen Easy-Listening-Charts anführte. Eine ganze Reihe Veröffentlichungen in USA und England war bis in die 70er Jahre hinein die Folge.

Die "Elisabeth-Serenade" nannte Günter Kallmann später einmal "eigentlich ziemlich kitschig". Sein Faible für jazzigere Klänge konnte er dagegen bei deutschen Radiosendern ausleben, wo sein Chor swingende Aufnahmen mit den besten Orchestern aufnahm. Im Jahre 2001 wurde aus Kallmann dann plötzlich "Coolman" (Zitat aus einem Artikel in DIE WELT), als die englische Band I Monster unter dem Titel "Daydream in Blue" die Kallmann-Chor-Aufnahme "Daydream" sampelte und damit einen Hit landete. Kallmann, der sich nach seinen Erfolgen in den 80er Jahren in Baden Baden zur Ruhe gesetzt hatte, gefiel das neue Interesse an seiner Musik. Wie jetzt bekannt wurde, ist er am 22. April 2016 verstorben.