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22.04.2016

Endlich respektabel - Saxophonist Henry Threadgill erhält Pulitzer-Preis für Musik

Henry Threadgill, Endlich respektabel - Saxophonist Henry Threadgill erhält Pulitzer-Preis für Musik Publitzer Preis

Wohl kaum ein Musikpreis ist so umstritten wie der Pulitzer-Preis für Musik. "Wenn du nur lange genug komponierst, wird früher oder später jemand Mitleid mit dir haben und dir das verdammte Ding überreichen", meinte der amerikanische Komponist und Klarinettist Donald Martino einmal. "Es ist nicht immer der Preis für die beste Komposition des Jahres; er wird einfach an irgendjemanden vergeben, der ihn noch nicht hatte." Diese Worte könnte man leicht der Kategorie "saure Trauben" zuordnen, wäre da nicht die Tatsache, dass Martino sie sagte, nachdem er das "verdammte Ding" bereits erhalten hatte.

Jazzkünstlern wurde der Zugang zum elitären Kreis der Pulitzer-Preisträger lange beharrlich verwehrt. Und das, obwohl diese Musik gerne als die "klassische Musik Amerikas" gepriesen wird und weltweit prägenden Einfluss hat. Aber als Duke Ellington 1965 von der Jury ausgewählt wurde, legte sich das offizielle Preiskomitee quer und vergab in diesem Jahr lieber überhaupt keinen Preis. Der damals 67-jährige Ellington soll dies ebenso nonchalant wie sarkastisch mit den folgenden Worten quittiert haben: "Das Schicksal meint es gut mit mir. Es will nicht, dass ich zu jung zu berühmt werde."

Innerlich aber kochte er und machte seinem Ärger später gegenüber dem Jazzkritiker Nat Hentoff Luft: "Es überrascht mich kaum, dass meine Art von Musik zuhause immer noch keine, sagen wir, offizielle Anerkennung findet. Die meisten Amerikaner halten es immer noch für selbstverständlich, dass europäischstämmige Musik - klassische Musik, wenn man so will - die einzige wirklich respektable Sorte Musik ist." 

Ellington erhielt 1999, zu seinem 100. Geburtstag, posthum einen Sonderpreis. Eine "Ehre", die auch anderen Jazzern zuteil wurde: 1976 Scott Joplin, 1998 George Gershwin und 2006 Thelonious Monk. Der erste Jazzkünstler, der mit dem regulären Pulitzer-Preis für Musik ausgezeichnet wurde, war 1997 bezeichnenderweise Wynton Marsalis, ein in Jazzkreisen nicht unumstrittener Musiker, der aber auch oft im Bereich der Klassik arbeitet.

Überraschender kam zehn Jahre später die Auszeichnung des Free-Jazz-Pioniers Ornette Coleman für sein Album "Sound Grammar". Und mit Henry Threadgill erhält nun ein weiterer Musiker, der der Jazz-Avantgarde zugerechnet wird, diese immer noch viel diskutierte Trophäe. Ausgezeichnet wird Threadgill für sein Album "In For A Penny, In For A Pound", laut Jury "ein höchst originelles Werk, in dem notierte Musik und Improvisation zu einem Klangteppich verwebt werden."