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31.03.2016

Masabumi Kikuchi - Letzter Vorhang für einen großen Individualisten

Das Album "Black Orpheus" ist ein Dokument des letzten Solorezitals, das der letztes Jahr verstorbene japanische Pianist Masabumi Kikuchi im Oktober 2012 in Tokio gab.

Masabumi Kikuchi, Masabumi Kikuchi - Letzter Vorhang für einen großen Individualisten © Arne Reimer/ECM Records Masabumi Kikuchi

Als Masabumi Kikuchi im Juli 2015 im Alter von 75 Jahren verstarb, verabschiedete sich einer der letzten großen Individualisten der Jazzszene. Der Pianist behauptete von sich selbst kokett, dass er seine eigene musikalische Sprache nur entwickelt habe, weil er "überhaupt keine Technik" besaß. Seine Zusammenarbeiten mit Größen wie Lionel Hampton, Sonny Rollins, Gil Evans, Elvin Jones, Miles Davis, Charlie Mariano, Greg Osby, Gary Peacock und Paul Motian sind allerdings eher ein Indiz dafür, dass Kikuchi an maßloser Selbstunterschätzung litt. Und auch das nun posthum erscheinende Album "Black Orpheus" widerlegt den Pianisten. Dokumentiert ist darauf das letzte Solorezital, das Kikuchi im Oktober 2012 in der Bunka Kaikan Recital Hall in Tokio gab. Danach zog sich der Japaner in sein New Yorker Loft zurück, wo er mithilfe von ECM Solo-Piano-Meditationen aufnahm sowie mit jüngeren Musikern wie Bassist Thomas Morgan, Gitarrist Todd Neufeld und Saxophonist Michaël Attias neue Formen des spontanen Musikmachens ausprobierte, von denen sicher noch zu hören sein wird.

Bei der Einspielung für "Black Orpheus" stand Kikuchis später Individualstil in voller Blüte. "Sein Spiel war von einer Art weltabgeschiedener Originalität", schrieb Ben Ratliff in einem Nachruf in der New York Times, "mit langen Pausen und einem Tastenanschlag, der ebenso delikat wie kämpferisch sein konnte." Der Pianist Jacob Sacks, der wie Kikuchi mit Paul Motian gearbeitet hatte, schrieb 2015, dass Masabumi "sicher einer der originellsten Künstler war, die sich mit Klang und Musik beschäftigten... Ich denke, dass das, was er musikalisch erreichte (vor allem in den letzten zehn, fünfzehn Jahren) sowohl in individualistischer Hinsicht als auch in Bezug auf künstlerische Bravour auf Augenhöhe mit dem war, was Monk machte. Wir alle, die wir auf dem Klavier kreative Musik spielen, sollten uns seiner Leistungen bewusst sein. Seine Kunst gründete auf unglaublich starken Überzeugungen... Er ging wirkliche musikalische Risiken ein und fand Dinge, die zu finden die meisten von uns nur erträumen können."

Die Musik von "Black Orpheus" ist größtenteils delikat und raumbewusst. Sie bewegt sich nach ihren eigenen inneren Logikgesetzen. Kikuchi sprach davon, dass er einem schwer fassbaren "schwebenden Klang" hinterherjagte, der nur mit seiner eigenen Musikgeschichte in Verbindung stand. Aber bei seinem letzten Konzert in Tokio ließ er sich auch zu einer spontanen und wunderschönen Interpretation von Luiz Bonfá und Antônio Marias "Black Orpheus" (a.k.a. "Manhã de carnaval") hinreißen, die er zuvor mehrfach nur andeutete. Als Zugabe spielte er dann noch "Little Abi", ein Stück, das er einst für seine Tochter geschrieben hatte und 1972 mit Gene Perla und Elvin Jones für das Album "Hollow Out" aufnahm.