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31.03.2016

Intime Dialoge - Debüt eines außergewöhnlichen Duos

Auf "Alba" gewähren Trompeter Markus Stockhausen und Pianist Florian Weber faszinierende Einblicke in ihr musikalische Innenleben.

Markus Stockhausen, Intime Dialoge - Debüt eines außergewöhnlichen Duos © Gerhard Richter/ECM Records Florian Weber, Markus Stockhausen

Inside Out nannten Trompeter Markus Stockhausen und Pianist Florian Weber das Duo, das sie vor sechs Jahren als Ableger des Weltmusik-Ensembles Eternal Voyage gründeten. Der Name skizzierte gleich auch ihr musikalisches Anliegen: nämlich in ihrem tiefsten Inneren nach Klängen und Ideen zu suchen, um diese dann nach außen zu tragen. Mit "Alba" legen die beiden Musiker, die sich dem Idiom des Jazz in ihren Karrieren aus unterschiedlichen Richtungen genähert haben, nun ihr erstes, äußerst intimes Duo-Album bei ECM vor.

Bei seinen ersten Auftritten arbeitete das Duo zunächst nur mit Material aus der Feder von Markus Stockhausen. Erst später begann auch Florian Weber eigene Kompositionen zum Repertoire beizusteuern. Anfangs experimentierte man außerdem noch mit elektronischen Klängen, auf der Suche nach den "offenen Sounds", die Stockhausen seit seiner Zeit in Rainer Brüninghaus' Trio (Anfang der 80er Jahre mit Schlagzeuger Fredy Studer) faszinieren. Den auf dem Trio-Album "Continuum" (1983) eingeschlagenen Weg ging Stockhausen mit seinem Projekt Aparis konsequent weiter, wie die Alben "Aparis" und "Despite The Firefighters’ Efforts" belegen, die er mit seinem Saxophon und Synthesizer spielenden Halbbruder Simon und Schlagzeuger Jo Thönes in den frühen 90ern für ECM aufnahm. Doch das Duo kam schnell zum Schluss, dass es rein akustisch einfach besser klingt: "Florian hat dieses ungeheure Gespür und die Möglichkeiten, den Klang des Klaviers zu modulieren”, meint Stockhausen. "Damit stehen so viele Klangfarben zur Verfügung." 

Und von diesem Klangfarbenreichtum machen sie auf "Alba" großzügig Gebrauch. Der Spannungsbogen ihrer Musik ist breit: er reicht von der beschwingt-melodischen Gangart in "Befreiung" über den gebrochenen Optimismus von "Better World" bis zur kühlen Nüchternheit von "Die weise Zauberin" und der fesselnd-introspektiven Stimmung von "Emilio" (geschrieben für Florians Sohn). Bisweilen scheinen die Grenzen zwischen Komposition und Improvisation zu verschwimmen, fast unmerklich sich verändernde atmosphärische Kontraste prägen die von großer Klarheit getragene Musik. Die Eröffungsnummer des Albums, "What Can I Do For You?", widmete Florian Weber seinem im Juli letzten Jahres verstorbenen britischen Kollegen John Taylor, der sein erster Klavierlehrer gewesen war. "'Was kann ich für dich tun?' war immer seine erste Frage, wenn ich zur Stunde kam", erklärt er den Titel. "Später wurde mir klar, dass er damit meinte: 'Ich will dir nichts vorschreiben, ich werde darauf eingehen, was du tun möchtest.' So habe ich John erlebt. In seinem genialen Zusammenspiel mit Kenny Wheeler ging es nie um Selbstdarstellung, sondern um etwas, das mit dem Ego nichts zu tun hat. Und ich glaube, bei uns ist das auch so."