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17.10.2013

James Booker - Wiederentdeckung eines Kultmusikers

James Booker, James Booker - Wiederentdeckung eines Kultmusikers James Booker

"Das beste schwarze, schwule, einäugige, drogenabhängige Piano-Genie, das New Orleans je hervorgebracht hat!" So bezeichnete der für seine Scharfzüngigkeit bekannte Pianist und Sänger Dr. John einst seinen New Orleanser Kollegen James Booker. In der Musikpresse, die gemeinhin etwas mehr Pietät walten lässt, klingen die Elogen auf den 1983 im Alter von nur 44 Jahren verstorbenen Booker weniger pikant: dort gilt er meist schlicht als "fast vergessenes New Orleanser Piano-Genie". In Erinnerung gebracht hat Booker erst wieder Lily Kebers Dokumentarfilm "Bayou Maharajah: The Tragic Genius of James Booker", der im März dieses Jahres beim SXSW-Filmfestival im texanischen Austin seine Premiere erlebte. Das von der Kritik gefeierte Biopic ließ Bookers Leben und Karriere Revue passieren und weckte bei einem neuen Publikum ein starkes Interesse an der Originalmusik des für viele obskuren Pianisten und Sängers.

Dass der 1939 in New Orleans geborenen James Carroll Booker III eines der weniger besungenen Genies der amerikanischen Musik ist, hat sicherlich mehrere Gründe. Einer ist, dass zu seinen Lebzeiten lediglich zwei Studioalben von ihm veröffentlicht worden. Und eines dieser beiden, das im Oktober 1982 eingespielte Album "Classified", wird nun in einer neu abgemischten Edition wieder herausgebracht. Die Neuausgabe von "Classified" versammelt 22 Tracks, von denen neun hier erstmals das Licht der Welt erblicken. Der stilistische Bogen reicht von reinem Rhythm’n’Blues wie in "All Around The World" über leicht klassisch angehauchte Songs wie "Madame X" (in denen Booker sein frühe Vorliebe für Bach und Chopin widerspiegelte) bis hin zu erstaunlichen Versionen von Jazzstandards wie "Angel Eyes". Unter den neun neuausgegrabenen Juwelen findet man wiederum das Blues-Instrumental "I’m Not Sayin’" und eine synkopierte Version von Nino Rotas famosem "Theme From The Godfather". Mal interpretiert Booker die Songs virtuos und originell ganz solo, mal in Begleitung von Saxophonist Alvin "Red" Tyler, Bassist James Singleton und Schlagzeuger Johnny Vidacovich. Und fast immer mit diesem verschrobenen Sinn für Humor, der auch Dr. John zueigen ist.

Auf "Classified" kann man dieses Piano-Genie nun neu kennenlernen. James Booker war ein auf dem schmalen Grat zwischen Genie und Wahnsinn wandelnder Künstler, der in seiner Heimatstadt New Orleans einen nicht unbeträchtlichen Einfluss auf die Musikszene ausübte. Sein Name wird dort noch heute oft in einem Atemzug mit dem von Pionieren wie Jelly Roll Morton und Professor Longhair genannt. Zu seinen Studenten gehörte übrigens einst ein gewisser Harry Connick Jr., der Booker schon 1994 auf seinem Erfolgsalbum "She" mit dem mitreißenden Song "Booker" Tribut zollte.