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17.01.2013
ECHO Jazz

Unsere Kandidaten für einen Echo Jazz 2013, Teil 5

Various Artists, Unsere Kandidaten für einen Echo Jazz 2013, Teil 5 © Universal Music Echo Jazz Kandidaten

 

Bereits zum vierten Mal werden dieses Jahr die Echo Jazz Awards bei einer eigenständigen Gala-Veranstaltung verliehen werden. Und stattfinden wird das für die Szene so wichtige Ereignis am 23. Mai 2013 in der geschichtsträchtigen Fischauktionshalle in Hamburg. In den vergangen Wochen stellten wir schon einige der Kandidatinnen und Kandidaten vor, die für einen Echo Jazz 2013 nominiert wurden. Diesmal sind Esperanza Spalding, Rolf & Joachim Kühn, die Soul Rebels Brass Band und Paco de Lucía an der Reihe.

Rolf & Joachim Kühn: Spontaneität und Spielfreude, Kraft und Vision, Verständnis und Kommunikation

Der mittlerweile 83-jährige Rolf Kühn und sein 15 Jahre jüngerer Bruder Joachim gehören seit den 1960er Jahren zu den ganz großen, auch international respektierten Namen des deutschen Jazz. Im vergangenen Jahr wurden sie gemeinsam mit einem Echo Jazz Award für ihr Lebenswerk ausgezeichnet. Und als eine Art Bilanz ihres künstlerischen Lebens nahmen sie noch im selben Jahr zusammen das Album “Lifeline” auf, das prompt mit dem Preis der Deutschen Schallplattenkritik honoriert wurde und beiden Künstlern jetzt auch Nominierungen für Echo Jazz Awards in ihrer jeweiligen Instrumentenklasse einbrachte.

“Von Zeit zu Zeit gönnen Rolf und Joachim Kühn sich ein Familientreffen, das dann zu einem musikalischen Fest wird - wie ‘Lifeline’, das neue Album”, schrieb Stefan Hentz in der Zeit. “Für das Deutsche Jazzfestival in Frankfurt im Oktober 2011 hatten die Brüder zehn Kompositionen ausgewählt, mehr grobe Skizzen als kompositorisch durchgearbeitetes Material, um sie nach nur einer Probe mit dem Bassisten John Patitucci und dem Schlagzeuger Brian Blade zunächst auf der Festivalbühne und am nächsten Tag im Studio einzuspielen. Keine Umstände also: Es geht um Spontaneität und Spielfreude, Kraft und Vision, Verständnis und Kommunikation. Und so spielen die vier: entschlossen, zupackend, draufgängerisch, radikal. Während Joachim Kühn am Klavier die harmonische Grundlage absteckt, die er immer wieder spannungsreich ins Ungewisse öffnet, ankert Patitucci mit seinem Bass in den Tiefen des Universums. Blade bollert monochrom oder latinbunt oder in schillerndem Swing. Und Rolf Kühn bleibt es überlassen, die Unruhe der flüchtigen, melodischen Kürzel emotional aufzuladen, ihnen hier eine verzweifelt fragende Konnotation zu geben, dort mit tiefer Trauer zu überziehen, in ihrer Energie die Wut zu erkennen oder eine existenzielle Hoffnung. Als seien sie von einem gemeinsamen Gehirn gesteuert, reagieren die vier Musiker aufeinander und folgen einander auf den verschlungensten Wegen. Dass die Brüder Kühn dieses gegenseitige Verständnis aufbringen, mag sich vielleicht genetisch erklären lassen, dass jedoch auch Patitucci und Blade auf diesem Niveau zusammenkommen, verschlägt einem den Atem. Eine Familie. Ein Fest. Gefeiert wird mit großem Gegenwartsjazz.”

Soul Rebels Brass Band: Bindeglied zwischen Public Enemy und Louis Armstrong

Als “das fehlende Bindeglied zwischen Public Enemy und Louis Armstrong” bezeichnete das New Yorker Kulturmagazin Village Voice die New Orleanser Soul Rebels Brass Band. In der Tat verrührt das siebenköpfige Ensemble um Lumar LeBlanc und Derrick Moss Jazz, HipHop, Mardi-Gras-Funk, melodischen Rock und Reggae zu einem neuen äußerst schmackhaften Musik-Gumbo. Und besonders gelungen klingt diese Mischung auf “Unlock Your Mind”, dem ersten international erschienenen Album der Band, an dem als Gäste u.a. Trombone Shorty, Leo Nocentelli und Cyril Neville mitwirkten. Damit ist die Soul Rebels Brass Band ein aussichtsreicher Kandidat für den Echo Jazz Award in der Kategorie “Internationales Ensemble des Jahres”.

“Tatsächlich erinnert das New Orleans der Soul Rebels kaum an das Touristenklischee vom Dixie-Museum, sondern eher an ein zeitgenössisches Laboratorium der Straßenmusik”, beobachtete Jonathan Fischer in der Zeit. “Entsprechend selbstbewusst präsentiert sich ‘Unlock Your Mind’, das erste Album der Brassband für den internationalen Markt: Uropas Jazz gibt die Besetzung vor, und der Hip-Hop liefert die Energie. Entscheidend aber bleibt der Funk, die schmutzige Intonation, mit der die Soul Rebels Pop-Melodien, Jazz-Riffs und Dancefloor-Rhythmen aufeinanderprallen lassen. ‘Unlock Your Mind’ nimmt dabei eine alte Brassband-Wette auf: Wie weit lässt sich ein Popsong verfremden? Lee Dorseys ‘Night People’ und Stevie Wonders ‘Living For The City’ werden von den Soul Rebels als von Riffs strukturierte Trance-Nummern neu erschaffen. Noch überraschender: eine Coverversion des Eurythmics-Klassikers ‘Sweet Dreams (Are Made Of This)’, die erst wie ein Beerdigungsmarsch dahinschleicht, um dann - im Gegensatz zum unterkühlten Original - in einen frenetisch überhitzten Bläser-Workout zu münden. Ähnlich schmutzig tönen die Eigenkompositionen der Soul Rebels Brass Band - auch wenn Gastbeiträge von Rhythm’n’Blues-Legende Cyril Neville oder Meters-Gitarrist Leo Neocentelli sich eher als Respektsbekundung denn als musikalische Notwendigkeit erweisen. Die sechs Bläser und zwei Trommler allein jedenfalls reichen aus, um ein beliebiges Publikum in kollektive Ekstase zu pusten.”

Esperanza Spalding: Die Jazzkünstlerin, die Justin-Bieber-Fans in Aufruhr versetzte

Kammermusik und Radiomusik sind, so wird es fast jeder sagen, zwei vollkommen verschiedene Welten. Für die junge Bassistin, Sängerin und Komponistin Esperanza Spalding aber ist es von der einen in die andere Welt nur ein kleiner Schritt.  Ihr letztes Album hatte Spalding “Chamber Music Society” genannt. Für das fabelhafte Werk erhielt sie 2011 überraschenderweise den Grammy als bester “Newcomer des Jahres” - gegen die Konkurrenz eines gewissen Justin Bieber, dessen Fans daran noch heute zu nagen haben. Dann ließ Spalding ein Album mit dem Titel “Radio Music Society” folgen, das mittlerweile für drei Grammys nominiert ist und von den Lesern des US-Jazzmagazins DownBeat zum “Jazzalbum des Jahres” gewählt wurde. Aufgenommen hat sie es mit hochkarätigen Musikern aus dem Jazz- wie Poplager (u.a. Joe Lovano, Terri Lyne Carrington, Jack DeJohnette, Algebra Blessett, Lalah Hathaway) sowie der Hilfe von Q-Tip (A Tribe Called Quest) als Ko-Produzent. Nominiert wurde Esperanza Spalding mit “Radio Music Society” für Echo Jazz Awards in den Sparten “Internationales Ensemble des Jahres” und “Internationaler Bassist/Bassgitarrist des Jahres”.

“Bei dieser Vorankündigung bekam man schon ein wenig Angst: Sie wolle ein Album herausbringen, das den Jazz wieder ins Mainstreamradio bringe, hatte Esperanza Spalding vor der Veröffentlichung von ‘Radio Music Society“ erklärt”, gestand Josef Engels in Rondo. “Die Sorgen sind allerdings unbegründet. Mit angehiphopptem Formatgedudel hat die neue Aufnahme der jungen Bassistin und Sängerin nichts zu tun. Die CD wirkt eher wie ein sehnsuchtsvoller Ausflug in die Zeit, als in den Radios noch Pop gespielt wurde, der den Hörern durchaus auch mal etwas abverlangen durfte. Spaldings Stücke klingen dementsprechend mal nach Steely Dan (‘Radio Song’, ‘Let Her’) oder Ray Charles (‘Hold On Me’), liebäugeln mit dem Qualitäts-Soul von Stevie Wonder oder erinnern dezent an die radiokompatiblen Auswüchse des Jazzrock aus den 70er Jahren. Nicht von ungefähr stammen die beiden einzigen Fremdkompositionen auf dem Album auch von Wonder (‘I Can’t Help It’) und Wayne Shorter (‘Endangered Species’).”

Paco de Lucía: Gott, Heiliger oder König des Flamenco in Personalunion

2010 war für Paco de Lucía ein besonderes Jahr. Der Flamenco sollte von der UNESCO zum Weltkulturerbe ernannt werden und Paco unterstützte die spanische Kandidatur mit denkwürdigen Konzerten in Sevilla, Córdoba, Madrid, Jerez de la Frontera und Vitoria-Gasteiz. Dabei wurde das Material für das Live-Doppelalbum “En Vivo - Conciertos Live In Spain 2010” aufgezeichnet, das ein wahres Manifest der Vielfältigkeit dieser Musik ist. Im November 2012 erhielt der 65-Jährige für dieses neue Meisterwerk seinen zweiten Latin Grammy. Nun ist er mit dem Album auch für einen Echo Jazz Award in der Kategorie “Internationaler Gitarrist des Jahres” nominiert worden.

“Für Paco de Lucía gibt es keine Worte mehr: er war schon Gott, Heiliger oder König”, meinte Oliver Farke in ¡anda! - Zeitschrift für Flamenco. “Das Genie ist unantastbar, Paco kann eigentlich machen, was er will. Und das Schönste daran: er tut es auch. Von seinem Thron als größter Flamencogitarrist aller Zeiten wird ihn niemand stoßen. Er hat alles bewiesen, was es zu beweisen gibt. Jetzt kann Paco einfach er selbst sein. So ist es eigentlich fast logisch, dass seine neue CD eine Liveplatte ist, obwohl die Flamencokritik das als eine Sensation feiert. Denn bei aller Lebendigkeit, die Flamenco innewohnt: Liveaufnahmen sind etwas von gestern, weil die Ansprüche, die Gitarristen an sich selbst stellen, heute zu hoch liegen. So messen sich alle an Paco. Demnach darf nur das Idol selbst live veröffentlichen. Die letzte Platte von Paco, ‘Cositas Buenas’, liegt sieben Jahre zurück, die letzte Liveveröffentlichung sogar mehr als 20. Acht lange, sehr lange Stücke präsentieren Paco und seine eingespielte Band (Duquende, David Maldonado, Antonio Sánchez, Piraña, Alain Pérez, Antonio Serrano und El Farru), ein vollständiges und typisches Konzert, so wie er es 2010 auch bei seiner Europatournee spielte. Durch das Ungeschnittene, den Applaus des Publikums, die Improvisationen und Übergänge kommt Paco auf den Boden zurück und wird andererseits noch größer, noch unheimlicher. Indem der Meister der Perfektion sogar ein paar Ecken und Kanten zeigt, demonstriert er: Ich bin einer von Euch. Ich bin auch nur ein Wesen aus Fleisch und Blut. Wie der Messias.”