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News - Verliebt, verlobt, verführerisch - JazzEcho

14.10.2009
Bebel Gilberto
Verliebt, verlobt, verführerisch

Bebel Gilberto © Henrique Gendre
© Henrique Gendre

Vor etwas mehr als fünf Jahren sorgte eine junge Brasilianerin mit einem runderneuerten Bossa-Nova-Sound weltweit und nahezu im Alleingang für ein musikalisches Brasilien-Revival. Ihre luftig swingenden Songs, irgendwo zwischen Astrud Gilberto und Elektro-Lounge zu verorten, erklangen in Clubs und Coffee-Bars und sorgten für ein Gefühl von endlosem Sommer. "Tanto Tempo" hieß das Album, das Bebel Gilberto bis in die Pop-Charts spülte. Der Wunsch nach einem Sommer ohne Ende ist geblieben, und zumindest akustisch verspricht ihn jetzt Bebels neues Album "All In One".

Dafür, dass die in New York lebende Brasilianerin auf dem Cover über beide Wangen strahlt, gibt es eine simple Erklärung: Die Sängerin hat sich in ihren Produzenten Didiê Cunha verliebt und wird mit ihm schon bald vor den Traualtar treten. Diesen positiven Nebeneffekt der Studioarbeit hört man dem nun erschienenen Album auch an: Es sprüht vor Lebensfreude und vermischt brasilianische Rhythmen mit Pop und elektronischen Beats. Neben Bebels zukünftigem Ehemann haben erstklassige Produzenten wie Mark Ronson (Amy Winehouse), Mario Caldato Jr. (Beastie Boys) und John King (Dust Brothers) ihren Teil dazu beigetragen.

Dem Spross einer außergewöhnlich musikalischen Familie (Bebels Vater ist kein Geringerer als der Bossa-Nova-Mitbegründer João Gilberto, ihre Mutter die Sängerin Miúcha und ihr Onkel die MPB-Ikone Chico Buarque), mag die musische Begabung zwar schon in die Wiege gelegt worden sein, auf den großen Durchbruch musste sie trotzdem recht lange warten: Der gelang ihr erst zur Jahrtausendwende mit "Tanto Tempo". Dabei war die 1966 in New York zur Welt gekommene, überwiegend in Rio de Janeiro aufgewachsene Isabel Gilberto de Oliveira eigentlich keine Spätzünderin. Schon als Neunjährige trat sie an der Seite von Stan Getz und ihren Eltern in der New Yorker Carnegie Hall auf, nahm mit ihrer Mutter Miúcha und Onkel Chico ein Kindermusical auf und sang 14jährig mit ihrem Vater dessen Hit "Chega de saudade" ein. Dennoch verliefen ihre Versuche, in Brasilien eine Solokarriere zu starten, zunächst eher glücklos. 1991 zog Bebel in ihre Geburtsstadt New York zurück, wo sie Anschluss an angesagte Künstler wie Arto Lindsay, David Byrne und die Thievery Corporation fand. Dort, mit 34 Jahren und dem insofern treffend betitelten Album "Tanto Tempo" ("So viel Zeit"), schaffte es Bebel Gilberto dann auch, sich auf eigene künstlerische Füße zu stellen.

Auch der neue Albumtitel "All In One" will dem Hörer etwas mitteilen: Es ist Bebels bislang vielseitigstes Album geworden. Einige der Arrangements verzücken mit sanften Streichern und Holzbläsern, während andere Stücke mit treibenden Grooves auftrumpfen. Das Repertoire enthält neben Songs, die Bebel zusammen mit ihren Produzenten schrieb, auch fantasievolle Coverversionen von Stevie Wonders "The Real Thing", Bob Marleys "Sun Is Shining" und Carmen Mirandas "Chica Chica Boom Chic". So hält man den Sommer fest!

Besuchen Sie auch Bebel Gilbertos Künstlerseite auf JazzEcho.

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