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News - Essentielle Standards von essentiellen Jazzkünstlern - JazzEcho

29.07.2009

Essentielle Standards von essentiellen Jazzkünstlern

Vince Guaraldi / Wikipedia

Das Spielen von Jazzstandards gehört zum grundlegenden Rüstzeug eines jeden Jazzmusikers. Das räumen sogar die Jazzkünstler ein, die bei ihren eigenen Auftritten und auf ihren Platten einen großen Bogen um diese Sorte Spielmaterial machen. Um die Geschichte dieser Musik zu verstehen, eignet sich wohl kaum etwas besser, als zu vergleichen, wie die immer wieder selben Stücke auf immer wieder andere, aufregend neue Art interpretiert wurden. In der Serie “Essential Standards” kann man nun brillante Standardinterpretationen von zahlreichen Jazzlegenden hören und miteinander vergleichen. Die ersten fünf Alben dieser Reihe, die zum Mid-Price angeboten wird,  präsentieren Aufnahmen von dem Trompeter und Sänger Chet Baker, den Pianisten Vince Guaraldi, Dave Brubeck und Bill Evans sowie Klarinettist/Saxophonist Art Pepper. Sämtliche Titel kann man bei allen gängigen Musikportalen auch als digitale Alben erwerben. Bei den exklusiven iTunes-Versionen kann man außerdem noch die Booklets downloaden.

Chet Baker - Essential Standards

Man schrieb das Jahr1952, als Chet Baker in Los Angeles buchstäblich aus einer Gruppe junger Trompeter heraus ins Rampenlicht trat. Charlie Parker hatte die Nachwuchstalente zu einem öffentlichen Vorspiel eingeladen, weil er einen neuen Partner für seine bevorstehende Westküsten-Tournee suchte. Seine Wahl fiel auf den damals 23jährigen Baker. Noch im selben Jahr wurde der Trompeter Mitglied des Gerry Mulligan Quartet, nahm den Klassiker “My Funny Valentine” auf und etablierte sich als neuer Star am Jazzfirmament. Kurze Zeit später plazierte er sich in den Polls schon an der Seite von Dizzy Gillespie und Miles Davis, leitete seine eigene Band und erlangte als Sänger genauso viel Berühmtheit wie als Trompeter. Baker konnte auf der Trompete zwar auch schnelle und schwierige Passagen spielen, bekannt aber wurde er durch seinen Lyrizismus und die geradezu spartanische Spielweise, die er auch bei der Aufnahme dieser “Essential Standards” zum Zuge kommen ließ. Zu Bakers Begleitern zählten bei diesen Einspielungen, die zwischen 1952 und 1965 entstanden, u.a. Herbie Mann, Gerry Mulligan, Zoot Sims, George Coleman, Kenny Drew, Bill Evans, Al Haig, Kirk Lightsey, Paul Chambers , Chico Hamilton, Philly Joe Jones und Connie Kay.

Vince Guaraldi - Essential Standards

Schon lange bevor er durch seine Musik für die Charlie-Brown-Fernseh-Specials bekannt wurde, genoß Vince Guaraldi in Jazzkreisen einen exzellenten Ruf als phantasievoller und unfehlbar swingender Pianist. Erspielt hatte er sich diesen durch die Zusammenarbeit mit Cal Tjader, Woody Herman, der Chubby Jackson-Bill Harris Band und den Lighthouse All-Stars. Mit seinem eigenen Trio gelang ihm 1962 mit dem Album “Jazz Impressions Of Black Orpheus” der künstlerische und kommerzielle Durchbruch. Neben vier Bossa-Nova-Nummern vom Soundtrack des 1959 erschienenen Films “Black Orpheus” befanden sich darauf noch zwei Standards und zwei Eigenkompositionen von Guaraldi. Sein Song “Cast Your Fate To The Wind”, für den er einen Grammy erhielt, sollte schon bald selbst zum Kanon der Jazzstandards zählen. Diese Compilation enthält neben “Cast Your Fate To The Wind” und zwei weiteren Songs (“Moon River” und “Since I Fell For You”) vom genannten Album, das es damals in die Popcharts schaffte, Aufnahmen, die Guaraldi in den 50er und 60er Jahren für Fantasy machte. Der ungemein luftig, sehr rhythmische Anschlag, der später auch Guaraldis Aufnahmen für die Charlie-Brown-Specials auszeichnete, ist auch hier schon vorhanden. 

Art Pepper - Essential Standards

Die Grenzen eines Jazzstandards konnten Art Peppers stürmische Energie kaum in Schranken halten. Und trotzdem liebte es der Saxophonist und Klarinettist diese Stücke zu spielen. Es war immer wieder faszinierend zu erleben, wie Pepper mit seiner intellektuellen Energie den konventionellen Rahmen dieser Standards sprengte, um neuen eigenen Ideen Geltung zu verschaffen. Beispiele dafür findet man auf dieser CD in Hülle und Fülle. Eine nicht weniger glänzende Figur machte Pepper aber auch, wenn er Balladen wie “Here’s That Rainy Day” oder “Imagination” interpretierte.  Die CD “Essential Standards” enthält u.a. Peppers Begegnung mit zwei Rhythmusgruppen, die durch ihr Zusammenspiel mit Miles Davis legendären Status erwarben (einmal Pianist Red Garland, Bassist Paul Chambers und Schlagzeuger Philly Joe Jones, dann wiederum Pianist Wynon Kelly, Chambers und Drummer Jimmy Cobb), ein Stück von dem bahnbrechenden Album “Art Pepper + Eleven” und eine fesselnde Live-Version der Musical-Nummer “Over The Rainbow”.

Bill Evans - Essential Standards
 

1958 verließ Bill Evans das Miles Davis Sextet, durch das er in der ganzen Jazzwelt bekannt geworden war, um fortan mit einem eigenen Trio zu arbeiten. Binnen kürzester Zeit gelang es Evans, sich als der bedeutendste Stilist des Jazzpianos seit Bud Powell zu etablieren. Obwohl Evans mit seinen musikalischen Konzepten dafür gesorgt hatte, daß sich Davis offeneren Formen zuwandte und mit weniger Akkordwechseln arbeitete, bewegte sich der Pianist mit seinem eigenen Trio selbst weitgehend im Rahmen des traditionellen Songformats. Diese Kollektion mit “Essential Standards” enthält neben vier Aufnahmen des legendären Bill Evans Trio (mit Bassist Scott LaFaro und Drummer Paul Motian), auch Einspielungen, die der Pianist mit so unterschiedlichen Partnern wie Altsaxophonist Cannonball Adderley, Trompeter Freddie Hubbard und Gitarrist Jim Hall für das Label Riverside machte.


Dave Brubeck - Essential Standards
 

Einen nicht geringen Anteil seines immensen Erfolges verdankt der Pianist Dave Brubeck seinen grandiosen eigenen Kompositionen (die wie “Blue Rondo à la Turk” zu Jazzstandards wurden) und natürlich auch dem von seinem Partner Paul Desmond geschriebenen Publikumsfavoriten “Take Five”. Zu seinem unverwechselbaren polyrhythmischen und polytonalen Klavierstil hatte Brubeck aber schon gefunden, bevor er Erfolge mit seinen eigenen Kompositionswerken feierte.  Das beweisen schon die frühen Trio- und Quartett-Aufnahmen, bei denen Brubeck den Evergreens von Songwritern der klassischen Periode (u.a. Hoagy Carmichael, Richard Rodgers, Harold Arlen und Jerome Kern) seinen ureigenen Stempel aufdrückte.  Sieben der Einspielungen dieser CD stammen aus dieser Zeit, als er einen Plattenvertrag bei Fantasy Records hatte. Ergänzt wurden sie durch vier Nummern, die Brubeck später für Concord und Teldec machte.

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