In Norwegen schätzt man Live Maria Roggen bereits seit gut zehn Jahren als Interpretin von Jazzstandards, aber auch als Sängerin brasilianischer oder afrikanischer Musik und improvisierende Vokalistin. Außerhalb ihrer Heimat wurde sie vor allem durch die Zusammenarbeit mit der Band Wibutee bekannt. Jetzt legt die 36jährige mit "Circuit Songs" endlich ihr Debütalbum vor. Darauf befinden sich neun von Live Maria und Mitgliedern ihrer Band verfaßte Songs. Live Marias Musik besitzt teilweise einen ähnlich spröden Charme wie die ihrer Landsfrau Sidsel Endresen, offenbart andererseits aber auch immer wieder erstaunliche Pop-Qualitäten. Ihre "Circuit Songs" betrachtet sie als Fortführung des musikalischen Konzepts von Wibutee.
Live Maria Roggen wurde 1970 in Norwegen geboren; ihre Mutter ist Norwegerin, ihr Vater Spanier. Von klein an wuchs sie in einer musikalischen Umgebung auf. Ab ihrem sechsten Lebensjahr erhielt sie Geigenstunden und spielte später in einem Jugendstreichorchester. Es folgten Klavierunterricht und Auftritte mit Sinfonieorchestern. Dann nahm sie Gesangsstunden und gewann weitere Auftrittserfahrungen bei nationalen Fernsehproduktionen und Talentwettbewerben.
Mit 23 Jahren begann sie sich für Jazz zu interessieren und fing ein Studium am Konservatorium in Trondheim an, das sie 1998 in den Hauptfächern improvisierter Jazzgesang und Musiktechnologie abschloß . Ihre ersten professionellen Schritte im Jazzbereich wagte sie kurz nach Beginn des Studiums 1994, als sie mit dem Tubaspieler Lars Andreas Haug das Duo Tu'Ba bildete. Die äußerst ungewöhnlich Kombination von Stimme und Tuba sorgte sogleich für Aufsehen. Das ausgefallene Duo interpretierte Jazzstandards auf eine nie zuvor gehörte Weise. 1998 veröffentlichten die beiden auf dem Label Curling Legs ihr erstes Album mit dem Titel "tu'ba". Das Standardsrepertoire war zu diesem Zeitpunkt allerdings schon längst eigenen Kompositionen gewichen. Nachdem das Projekt jahrelang geruht hat, soll es noch dieses Jahr wiederbelebt werden.
Die nächste Station von Live Maria Roggen war Wibutee. Von 1997 bis 2000 lieh sie der aufregenden norwegischen NuJazz-Band, mit der sie 1999 das Album "Newborn Thing" aufnahm, ihre Stimme. Für das Album schrieb sie außerdem Texte und an einigen Songs mit. 1998 gründete sie außerdem noch eine eigene Gruppe, mit der sie in ihrer Heimat bei der Kritik ebenso wie beim Publikum sehr viel Anklang fand: Come Shine. Bei Come Shine arbeitete Live Maria mit Pianist Erlend Skomsvoll, Bassist Sondre Meisfjord und Schlagzeuger Håkon Mjåset Johansen zusammen. Bis dato hat das Quartett bei Curling Legs drei Alben mit Jazzstandards vorgelegt: "2001 "Come Shine", 2002 "Do Do That Voodoo" und 2003 - in Kooperation mit dem Norwegischen Radioorchester - "In Concert". Für "Do Do That Voodoo" erhielt die Band den Spellemannspris, der oft als das norwegische Pendant zum Grammy bezeichnet wird. Weitere Aktivitäten mit der erfolgreichen Band hat Live Maria Roggen vorerst auf Eis gelegt, um sich ihrer Solokarriere widmen zu können. Roggen ist außerdem Teil des Vokalensembles Trondheim Voices, für das sie schon einige komplexere Kompositionen geschrieben hat und von dem man in Zukunft sicher auch noch mehr hören wird.
Zu den Highlights in ihrer musikalischen Laufbahn zählt die Sängerin auch einen gemeinsamen Auftritt mit Pat Metheny und dem Trondheim Jazz Orchestra beim Molde International Jazz Festival im Jahr 2001. Aufgrund der großen Nachfrage ging man im folgenden Jahr mit derselben Besetzung auf eine landesweite Tournee.
Welche Popularität Live Maria Roggen heute in Norwegen genießt, zeigen die vielen Auszeichnungen der letzten Jahre: außer dem Spellemannspris erhielt sie 2003 den Vitalpris beim Kongsberg Jazz Festival sowie den Radka Toneff Memorial Prize, 2004 den Rolf Gammlengs Pris und 2005 ein zweijähriges Künstlerstipendium von der norwegischen Regierung.
Auf "Circuit Songs" stellt Live Maria Roggen ihre neue Band - passend LiveBand benannt - vor. Und in dieser trifft man zwei andere bekannte norwegische Jazzmusiker wieder: die Pianistin und Keyboarderin Maria Kannegaard und den Schlagzeuger Thomas Strønen. Komplettiert wird die LiveBand durch Tone Åse (Gesang und Samples), Mattis Kleppen (Baß) und David Solheim (Sound). Als Gäste erscheinen auf dem Album außerdem Live Marias alter Duo-Partner Lars Andreas Haug, Wibutee-Bassist Per Zanussi, Trompeter Arve Henriksen, Schlagzeuger Kjell Nordeson, Perkussionist Knut Aalefjær, Øyvind Brandtsegg (Loops und Samples) und Gulleiv Wee (Loops und Baß).










