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Karrin Allyson - Footprints - JazzEcho

09.08.2006
Karrin Allyson
Karrin Allyson - Footprints

Seit sie 1992 ihr Debütalbum bei Concord Jazz vorlegte, hat sich Karrin Allyson laut All Music Guide zu einer der beeindruckendsten Jazzsängerinnen der Gegenwart gemausert. Oft wird ihr Name in einem Atemzug mit denen von Diana Krall, Holly Cole und Susannah McCorkle genannt. Ihre letzten drei Alben waren jeweils für einen Grammy nominiert. Für "Footprints" vertonte sie nun dreizehn klassische Instrumentalnummern der 50er und 60er Jahre. Einige davon im Duett mit mit Vocalese-Legende Jon Hendricks und Nancy King oder der Unterstützung des ehemaligen Count-Basie-Saxophonisten Frank Wess.
 

"Obwohl ich Sängerin bin, fühle ich mich stark von Instrumentalisten und vielen klassischen Instrumentalstücken beeinflußt", meint Karrin Allyson. "Es ist eine knifflige Angelegenheit, den großartigen, ikonischen Melodien einen Text zu geben. Denn man möchte ihnen ja gerecht werden." Auf "Footprints", ihrem zehnten Album für Concord Jazz, hat die Jazzvokalistin jedoch genau dies getan.

Zur Seite standen ihr dabei Vocalese-Pionier Jon Hendricks, die in Oregon lebende (und unter Jazzkennern sehr geschätzte) Nancy King sowie der Tenorsaxophonist und Flötist Frank Wess, der einst als Mitglied des Count Basie Orchestra berühmt wurde. Das Repertoire besteht aus dreizehn klassischen Instrumentalstücken der 50er und 60er Jahre. Für acht von ihnen schrieb der Musiker und Lyriker Chris Caswell die Texte. Jon Hendricks steuerte die Lyrics zu Horace Silvers "Strollin'" und seine eigene Komposition "Everybody's Boppin'" bei - zwei Stücke, die durch das Vokal-Trio Lambert, Hendricks & Ross unsterblich gemacht wurden. Allyson selbst schrieb den Text zu Duke Jordans Bop-Klassiker "Jordu" und gab dem Stück den neuen Titel "Life Is A Groove". "A Tree And Me" und "But I Was Cool" schließlich stammen von Oscar Brown Jr., einem der Idole Karrin Allysons. Oscar hatte sich auch an diesem Projekt beteiligen wollen, starb aber wenige Monate vor dem für September 2005 angesetzten Aufnahmetermin. Die instrumentale Begleitung übernahmen Pianist Bruce Barth und Bassist Peter Washington, zwei sehr gefragte Sidemen der New Yorker Szene, sowie der in Portland lebende Schlagzeuger Todd Strait, der mit Allyson schon seit ihrem Debütalbum für Concord Jazz zusammenarbeitet.

"Was mir an den Texten von Chris so gefällt, ist, daß sie eine wirkliche Mixtur von all dem enthalten, was das Leben ausmacht", meint Allyson über Chris Caswell, der ansonsten in erster Linie als musikalischer Leiter für Pop-Stars wie Melissa Manchester und Paul Williams arbeitet. "In seinen Texten steckt eine Menge Herz und Humor, und sie sind nicht zu sentimental, sondern haben einen eher bittersüßen Anstrich - das ist etwas, das ich bei großartigen Lyrics wichtig finde. Sie passen zum Stil einer Ära, transportieren diesen Stil zugleich aber auch in eine moderne Welt."

Der in Rochester/New York geborene Chris Caswell begann seine Jazzkarriere als Hammond-Organist, wechselte später aber zum Piano. Er arbeitete u.a. mit Cannonball Adderley, Sarah Vaughan, Jimmy Webb, Alan Bergman und Cy Coleman zusammen. Für "Footprints" versah er drei instrumentale Adderley-Klassiker mit Texten: "All You Need To Say" (neuer Titel: "Never Say Yes"), "I Can't Say" ("Teaneck") und "Give Me A Break" ("Unit 7"). Außerdem schrieb er die Lyrics zu dem von Wayne Shorter komponierten Titelstück, zu Dizzy Gillespies "Con Alma" ("Something Worth Waiting For"), John Coltranes "Lazy Bird" ("Lightning") und "Equinox" ("A Long Way To Go") sowie Hank Mobleys "The Turnaround" ("I Found The Turnaround"). "Das sind die coolsten Stücke aus der coolsten Epoche, die es je gab", merkt Bill McGlaughlin an, ein angesehner Radiomoderator, Produzent, Komponist und Dirigent, mit dem Allyson bei einer Reihe ihrer Alben zusammenarbeitete. "Aber Chris' Songs sind sehr warmherzig, und zwar ohne in den Jazzslang zu verfallen. Seine Texte kommen alle von Herzen."

Seit sie 1992 mit dem Album "I Don't Know About You" für Concord Jazz debütierte, hat sich Karrin Allyson laut All Music Guide zu einer der beeindruckendsten Jazzsängerinnen der Gegenwart gemausert. Oft wird ihr Name in einem Atemzug mit denen von Diana Krall, Holly Cole, Susannah McCorkle und Diane Schuur genannt. Ihre letzten drei Alben "Ballads: Remembering John Coltrane" (2001), "In Blue" (2002) und "Wild For You" (2004) waren jeweils für einen Grammy nominiert. Allyson ist nicht nur eine sehr ausdrucksstarke Jazzballadensängerin, sondern auch eine großartige Scat-Vokalistin. Auf ihren bisherigen neun Alben bewies sie außerdem eine unglaubliche stilistische Flexibilität - das Spektrum reichte von Bebop und Blues über Bossa Nova und zeitgenössischen Pop bis hin zum Chanson. In einer Rezension des amerikanischen Jazzmagazins Down Beat hieß es einmal, daß Allysons rauchige Stimme "das sinnliche, das romantische und das spirituelle Element greifbar mache, manchmal alle zugleich."

Was Allyson von vielen ihrer Zeitgenossinnen unterscheidet, ist ihre Fähigkeit, überwältigende Gefühle auf sehr einfache Weise herüberzubringen. "Was ihren Gesang besonders angenehm macht, ist der vollkommene Verzicht auf Manieriertheiten", meinte Robin Cook, der Autor des "Penguin Guide To Jazz Records", über Karrin Allyson. "Bei ihr gibt es keine benebelten Melismen und auch nicht dieses angestrengte Gospel-Soul-Feeling, das heute viele der jüngeren Sängerinnen an den Tag legen. Sie versucht sich auch nicht an törichter Vokalakrobatik. Trotzdem ist sie eine ambitionierte und abenteuerlustige Interpretin. Manchmal wirft sie einen Scat-Chorus ein, aber dann in einer fast schon zurückhaltenden und niemals selbstdarstellerischen Weise."

Selbst wenn sie bestens vertraute Lyrics singt, versteht sie es, diesen mit subtilen Eingriffen eine frische Note zu verleihen - mal erreicht sie dies, indem sie mit dem Beat eines Stücks spielt, mal indem sie die Betonung auf eine andere Textzeile verlagert. Das sind Attribute, die Allyson - wie man auf "Footprints" hört - mit Nancy King gemein hat. Die beiden harmonieren in dem Titelstück wirklich wunderbar. "Als wir dieses Projekt begannen, mußten wir gerade einige große Verluste hinnehmen", erzählt Allyson. "Oscar Brown starb, Nancys Sohn kam nur zwei Wochen, bevor sie zu den Aufnahmen nach New York anreiste, bei einem Motorradunfall ums Leben." Vielleicht erklärt diese tragische Hintergrundgeschichte auch, weshalb Kings harmonische Begleitung bei diesem Song so entrückt klingt. In Caswells Lyrics heißt es: "Memories are landmarks that comfort and assure me, you'll be with me always. Follow the footprints we left, and I'll find you there. Times changing currents can drown you in a deluge. Painted in still life, the past becomes a refuge, free from pain and sorrow. Follow the footprints we left, and I'll find you there."

Gemeinsam interpretieren Allyson und King außerdem noch "Never Say Yes", "A Long Way To Go" und "Life Is A Groove". Zusammen mit Jon Hendricks scatten sie sich darüber hinaus durch dessen "Everybody's Boppin'". "Ich halte Nancy für eine der besten Sängerinnen auf diesem Planeten. Sie hat eine ganz eigene Stimme und ist für mich eine lebende Legende", meint Karrin Allyson. "Und ich liebe Jons Texte; ich habe viele seiner Songs gesungen, seit ich das erste Mal Lambert, Hendricks & Ross gehört habe - das war zu der Zeit, als ich an der Universität von Nebraska in Omaha studierte. Dort hörte ich damals - auf dem Album 'Sin And Soul' - auch zum ersten Mal Oscar Brown Jr."

Karrin Allyson kam in Great Bend/Kansas, einer kleinen Präriestadt am Missouri zur Welt, wuchs aber ab ihrem sechsten Lebensjahr in Omaha/Nebraska auf. Ihr Vater war ein lutheranischer Prediger, ihre Mutter Psychologin und Lehrerin, die nebenher klassisches Piano spielte. Beeinflußt von ihrer Mutter machte auch Karrin zunächst eine klassische Klavierausbildung. Ihre ersten professionellen Auftritte als Sängerin und Pianistin bestritt sie jedoch mit introvertierten Popklassikern der 70er Jahre - ihr Repertoire umfaßte u.a. Songs von Joni Mitchell, Carole King und Janis Ian. Danach machte sie mit einer nur aus weiblichen Mitgliedern bestehenden Band Funk-Rock. Durch einen ihren Kommilitonen lernte sie schließlich den Jazz näher kennen und begann Platten von Nancy Wilson, Cannonball Adderley, Carmen McRae, Billie Holiday, Dinah Washington, Bill Evans und Thelonious Monk zu hören. Sie vertiefte sich in Bücher über diese Musik und setzte das Gelernte bei lokalen Jamsessions in Taten um. "Es hatte mich schwer erwischt", meint die Sängerin. "Ich liebte die Geschichten, die diese Lieder erzählten, aber stellte schon bald auch fest, wie aufregend es war, improviseren und swingen zu können. Man konnte die Stücke so variieren und sie seinem eigenen Stil anpassen. So kam es, daß mir das Singen bald wichtiger war als das Klavierspielen."

Allyson zog nach Minneapolis und verfeinerte dort in den folgenden drei Jahren ihre gesanglichen Fähigkeiten. Dann erhielt sie einen Hilferuf ihres Onkels Ron Schoonover, der in Kansas City den Jazzclub Phoenix betrieb und unbedingt eine Sängerin brauchte. "Mein Vater und mein Großvater überredeten Onkel Ron dazu, mir eine Chance zu geben. Und so ging ich nach Kansas City", erinnert sich Allyson. "Kansas City war eine aufregende Stadt und ich fühlte mich dort sofort wie zu Hause. Im Phoenix wurde von 17 Uhr bis 2 Uhr in der Früh Live-Musik geboten und die lokalen Musiker wechselten sich schichtweise ab. Unter anderem traten dort auch Musiker auf, die in dem Film 'The Last Days Of The Blue Devils' zu sehen waren. Im Phoenix lernte ich auch die Jungs kennen, mit denen ich noch heute manchmal arbeite: Bassist Bob Bowman, Pianist Paul Smith, die Gitarristen Danny Embrey und Rod Fleeman sowie den Schlagzeuger Todd Strait. Ich avancierte in Kansas City schnell zu einer festen Größe und verschaffte einer Menge von Leuten Arbeit." Wie so ziemlich jeden Jazzmusiker zog es aber auch Karrin Allyson irgendwann nach New York. Im Jahr 2000 ließ sich in der Welthauptstadt des Jazz nieder. Aber selbst auf ihrem neuen Album "Footprints" kann man die Jazztradition von Kansas City noch deutlich heraushören.

"Ich betrachte meine CDs immer als meine Babys", meint Karrin Allyson. "Dies war nun mein zehntes Projekt, und es erfüllt mich mit ganz besonderem Stolz. Ich hatte das Glück, mit einigen wirklich großartigen Musikern, die zu meinen Idolen gehören, zusammenzuarbeiten. Gemeinsam brachten wir diese fabelhafte Platte zur Welt. Die Texte sind wirkliche Poesie und die Musik ist sehr lebendig und voller Energie."

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